Herzklappenerkrankungen: TAVI-Indikation und Therapie
Hintergrund
Die Therapie struktureller Herzerkrankungen entwickelt sich durch minimal-invasive und kathetergestützte Verfahren rasant weiter. Der gemeinsame Kommentar der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) ordnet die ESC/EACTS-Leitlinie von 2021 zum Management von Herzklappenerkrankungen für die deutsche Versorgungssituation ein.
Ein zentraler Fokus des Dokuments liegt auf der frühzeitigen Intervention bei asymptomatischen Patienten mit Herzklappenfehlern. Zudem wird die essenzielle Rolle des interdisziplinären Heart-Teams bei der individuellen Therapieentscheidung stark hervorgehoben.
Weitere Schwerpunkte umfassen die medikamentöse Therapie im Vorfeld rekonstruktiver Verfahren bei systolischer Herzinsuffizienz sowie aktualisierte Empfehlungen zur Antikoagulation nach Klappeneingriffen.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie ist der Operationszeitpunkt bei asymptomatischen Patienten mit Aorten- oder Mitralklappenfehlern deutlich nach vorne verlagert worden. Es wird betont, dass die Therapieentscheidung, insbesondere die Wahl zwischen TAVI und chirurgischem Klappenersatz, zwingend im interdisziplinären Heart-Team unter Einbezug des Patientenwunsches getroffen werden muss. Zudem wird vor einer routinemäßigen oralen Antikoagulation nach TAVI ohne bestehende Indikation gewarnt, da dies das Blutungsrisiko signifikant erhöht.
Häufig gestellte Fragen
Die europäische Leitlinie empfiehlt einen kathetergestützten Aortenklappenersatz (TAVI) vorrangig ab einem Alter von 75 Jahren. Das Konsensuspapier der DGK und DGTHG sieht eine Diskussion des Therapieverfahrens im Heart-Team bereits ab 70 Jahren vor.
Nach einer TAVI wird bei Patienten ohne klassische Indikation zur oralen Antikoagulation eine lebenslange einfache Plättchenhemmung (SAPT) mit ASS empfohlen (Klasse-IA-Empfehlung). Eine duale Plättchenhemmung oder routinemäßige orale Antikoagulation wird nicht mehr empfohlen.
Gemäß Leitlinie besteht eine Operationsindikation bei einer linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF) von unter 50 %. Zudem qualifiziert bereits ein linksventrikulärer endsystolischer Diameter (LVESD) von über 50 mm für einen Eingriff.
Die Leitlinie empfiehlt eine leitliniengerechte Herzinsuffizienztherapie, die explizit Angiotensinrezeptor-Neprilysin-Inhibitoren (ARNI), Betablocker, Mineralokortikoidrezeptorantagonisten und SGLT2-Inhibitoren umfasst. Diese medikamentöse Basistherapie muss vor einer Rekonstruktionsentscheidung ausgeschöpft sein.
Nach einem mechanischen Herzklappenersatz wird unverändert eine lebenslange orale Antikoagulation mit Vitamin-K-Antagonisten (VKA) empfohlen. NOAKs sind in diesem Fall kontraindiziert.
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Quelle: Gemeinsamer Kommentar der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und der Deutschen Gesellschaft für Thorax‑, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) zu (DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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