ClariMedClariMed
DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Antithrombotische Therapie nach kardialen Eingriffen (DGK)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Nach TAVI ohne OAK-Indikation wird eine antithrombozytäre Monotherapie (ASS oder Clopidogrel) empfohlen.
  • Bei bestehender OAK-Indikation soll die orale Antikoagulation nach TAVI oder AV-Klappeneingriffen ohne zusätzliche Thrombozytenhemmung fortgeführt werden.
  • Nach Edge-to-Edge-Interventionen (z.B. MitraClip) wird eine DAPT für 1-3 Monate, gefolgt von ASS für mindestens 6 Monate empfohlen.
  • Nach PFO- oder ASD-Verschluss ist eine DAPT für 1-6 Monate indiziert, danach Monotherapie für 1-2 Jahre.
  • Device-assoziierte Thrombosen (DRT) erfordern eine Eskalation auf OAK oder die Zugabe eines Thrombozytenhemmers zur OAK.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Ziel der antithrombotischen Therapie nach strukturellen kardialen Interventionen ist die Reduktion ischämischer und embolischer Ereignisse bei gleichzeitig vertretbarem Blutungsrisiko. Periinterventionell wird eine effektive Gerinnungshemmung mittels Heparin empfohlen (ACT >250). Bei Heparin-induzierter Thrombozytopenie (HIT) stellen Bivalirudin oder Argatroban Alternativen dar.

Folgende Faktoren definieren ein hohes Blutungsrisiko:

RisikofaktorDetails
AnamneseIntrakranielle Blutung, ischämischer Schlaganfall, spontane (v.a. gastrointestinale) Blutung
KomorbiditätenAnämie, aktive Tumorerkrankung, Thrombopenie, Koagulopathie, schwere Lebererkrankung
NierenfunktionNiereninsuffizienz Stadium 5 (eGFR <15 ml/min) mit/ohne Dialyse
PatientenstatusAlter ≥75 Jahre, Gebrechlichkeit (Frailty)

TAVI (Transkatheter-Aortenklappenimplantation)

Die Empfehlungen zur antithrombotischen Therapie nach TAVI wurden aufgrund neuerer Studiendaten (z.B. POPular TAVI) angepasst. Eine routinemäßige duale antithrombozytäre Therapie (DAPT) wird nicht mehr empfohlen.

IndikationEmpfohlene TherapieBemerkung
Keine OAK-IndikationMonotherapie (ASS oder Clopidogrel)DAPT nur bei spezieller Indikation (z.B. PCI/ACS in den letzten 12 Monaten)
Bestehende OAK-IndikationOAK-Monotherapie (bevorzugt NOAK)Keine zusätzliche Thrombozytenhemmung (außer bei frischer PCI)

AV-Klappeninterventionen (Mitral- und Trikuspidalklappe)

Für Edge-to-Edge-Interventionen (z.B. MitraClip) und Anuloplastieverfahren richtet sich die Therapie nach dem individuellen Blutungs- und Ischämierisiko.

EingriffsartKeine OAK-IndikationBestehende OAK-Indikation
Edge-to-edge / AnuloplastieDAPT für 3 Monate (bei hohem Blutungsrisiko auf 1 Monat verkürzbar), danach ASS für mind. 6 MonateOAK fortführen ohne zusätzliche Thrombozytenhemmung
Interventioneller KlappenersatzOAK (bevorzugt VKA) für die ersten 3 Monate erwägenOAK fortführen

Hinweis: Bei hohem thrombotischem Risiko (z.B. ausgeprägte Spontanechos, Z.n. Apoplex, schwere Herzinsuffizienz) sollte auch nach Edge-to-Edge-Verfahren für 3 Monate eine OAK erwogen werden.

PFO- und ASD-Verschluss

Ein interventioneller Verschluss erfordert einen temporären antithrombotischen Schutz bis zur ausreichenden Endothelialisierung des Okkluders.

PatientenprofilEmpfohlene TherapieDauer
Keine OAK-IndikationDAPT (ASS + Clopidogrel)1-6 Monate
Im Anschluss: Monotherapie (ASS oder Clopidogrel)12 Monate bis 2 Jahre
Bestehende OAK-IndikationOAK-Monotherapie (bevorzugt NOAK)Dauer je nach Grunderkrankung

Tritt ein einmaliges Okkluder-assoziiertes Vorhofflimmern mit rascher Konversion auf, kann eine kurzzeitige OAK (bevorzugt NOAK) mit Reevaluation nach 1 Monat erwogen werden.

LAA-Verschluss (Vorhofohr)

Der LAA-Verschluss erfolgt meist bei Patienten mit Vorhofflimmern und Kontraindikationen gegen eine langfristige OAK.

RisikoprofilEmpfohlene Therapie nach LAA-Verschluss
StandardDAPT (ASS + Clopidogrel) für 3 Monate. Bei gutem TEE/CT-Ergebnis danach Monotherapie.
Sehr hohes BlutungsrisikoMonotherapie (ASS oder Clopidogrel) direkt nach Eingriff erwägen.
Hohes Thromboembolierisiko*OAK (bevorzugt NOAK) für mind. 6 Wochen erwägen, falls Blutungsrisiko vertretbar.
  • Risikofaktoren: CHA2DS2-VASc >4, unvollständige LAA-Abdeckung, Z.n. embolischem Schlaganfall, hochgradig reduzierte EF.

Device-assoziierte Thrombosen (DRT)

Ein Screening auf DRTs mittels TEE oder CT wird 3 Monate nach Intervention bei ASD-, PFO- und LAA-Verschluss empfohlen. Bei TAVI oder AV-Klappeninterventionen kann es erwogen werden.

Therapie bei nachgewiesener DRT:

  • Unter antithrombozytärer Therapie: Umstellung auf OAK (bevorzugt NOAK) für mindestens 3 Monate.
  • Unter OAK: Zusätzlich antithrombozytäre Monotherapie oder OAK mit VKA und erhöhtem Ziel-INR für mindestens 3 Monate.
  • Verlaufskontrolle: Erneute Bildgebung 3 Monate nach Therapieanpassung obligat.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei Patienten mit bestehender OAK-Indikation (z.B. Vorhofflimmern) nach einer TAVI oder einem MitraClip auf eine zusätzliche Thrombozytenhemmung, sofern keine frische PCI (<12 Monate) vorliegt. Dies senkt das Blutungsrisiko signifikant, ohne das Ischämierisiko zu erhöhen.

Häufig gestellte Fragen

Standardmäßig wird nach einer TAVI ohne bestehende OAK-Indikation keine DAPT mehr empfohlen. Es sollte eine Monotherapie mit ASS oder Clopidogrel erfolgen.
Ohne OAK-Indikation wird eine DAPT für 1-3 Monate empfohlen, gefolgt von ASS für mindestens 6 Monate. Mit OAK-Indikation wird die OAK alleinig fortgeführt.
Tritt die DRT unter Plättchenhemmung auf, wird für mindestens 3 Monate auf eine OAK eskaliert. Tritt sie unter OAK auf, wird ein Thrombozytenhemmer ergänzt oder der Ziel-INR unter VKA erhöht.
Empfohlen wird eine DAPT (ASS + Clopidogrel) für 1-6 Monate, gefolgt von einer Monotherapie (ASS oder Clopidogrel) für 12 Monate bis 2 Jahre.
Standardmäßig wird eine DAPT für 3 Monate empfohlen. Nach unauffälliger TEE/CT-Kontrolle wird auf eine Monotherapie (ASS oder Clopidogrel) deeskaliert.

Verwandte Leitlinien