TAVI-Indikation & Qualitätskriterien: Leitlinie (DGK)
📋Auf einen Blick
- •Die transfemorale TAVI (TF-TAVI) ist bei Patienten mit hohem und mittlerem OP-Risiko sowie bei Patienten ab 85 Jahren die Therapie der Wahl.
- •Bei niedrigem Risiko (STS-Score <4 %) bleibt der chirurgische Aortenklappenersatz (AKE) primärer Standard.
- •Die Indikationsstellung muss zwingend durch ein interdisziplinäres Herzteam (Kardiologie und Herzchirurgie) erfolgen.
- •Der transfemorale Zugang ist aufgrund der geringeren Mortalität allen anderen Zugangswegen (z.B. transapikal) vorzuziehen.
- •Zertifizierte Operateure müssen mindestens 25 Eingriffe pro Jahr nachweisen, Zentren mindestens 50 Eingriffe.
Hintergrund
Die kathetergestützte Aortenklappenimplantation (TAVI) hat sich von einer Therapie für inoperable Patienten zu einer Standardbehandlung für breitere Patientengruppen mit hochgradiger, symptomatischer Aortenklappenstenose entwickelt. Basierend auf neuen randomisierten Studien (wie PARTNER und CoreValve) hat die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) die Indikationsstellung und Qualitätskriterien aktualisiert.
Indikationsstellung nach Risikoprofil
Die Differenzialindikation zwischen TAVI und chirurgischem Aortenklappenersatz (AKE) richtet sich primär nach dem perioperativen Risiko (z.B. STS-Score, logistischer EuroSCORE) sowie dem Alter. Die transfemorale TAVI (TF-TAVI) ist aufgrund der geringsten Mortalität stets der transapikalen TAVI (TA-TAVI) vorzuziehen.
| Patientengruppe | Kriterien | 1. Wahl | 2. Wahl | Empfehlungsgrad (1. Wahl) |
|---|---|---|---|---|
| Hohes Risiko | STS-Score >8 % oder log. EuroSCORE >20 % | TF-TAVI | TA-TAVI | IB |
| Mittleres Risiko | STS-Score 4-8 % oder log. EuroSCORE 10-20 % | TF-TAVI | TA-TAVI oder AKE | IA |
| Niedriges Risiko | STS-Score <4 % oder log. EuroSCORE <10 % | AKE | TAVI (bei Zusatzrisiken) | IIbB |
| Hochbetagte | Alter ≥85 Jahre (unabhängig vom Score) | TF-TAVI | TA-TAVI | IA |
Spezielle Patientengruppen
Neben den klassischen Risikoscores gibt es spezifische klinische Konstellationen, die eine klare Bevorzugung eines Verfahrens bedingen:
- Degenerierte Bioprothesen & Voroperationen: Bei degenerierter chirurgischer Aortenklappenbioprothese ("Valve-in-valve") oder nach anderen Herzoperationen (z.B. Bypass, Mitralklappe) ist die TAVI meist die Therapie der Wahl (IIaB).
- Eingeschränkte Gesamtprognose: Bei einer Lebenserwartung <1 Jahr (z.B. fortgeschrittene Demenz) sollten primär palliative Maßnahmen (konservativ oder Ballonvalvuloplastie) erfolgen (IIaC).
Entscheidungsfindung im Herzteam
Die Indikationsstellung darf nicht alleinig auf Scores basieren. Zwingende Voraussetzung ist die gemeinsame klinische Beurteilung im interdisziplinären Herzteam (Kardiologe und Herzchirurg).
- Erweiterte Risikostratifikation (z.B. Frailty-Index) ist zu berücksichtigen.
- Der schriftlich erklärte Wille des aufgeklärten Patienten fließt maßgeblich in die Entscheidung ein.
- Kann keine einstimmige Entscheidung getroffen werden, ist eine Zweitmeinung einzuholen.
Qualitätskriterien für Operateure und Zentren
Um eine hohe Prozess- und Ergebnisqualität zu sichern, definiert die DGK strikte Zertifizierungsvorgaben:
| Bereich | Anforderung |
|---|---|
| Operateur | Mindestens 25 transvaskuläre TAVI-Prozeduren/Jahr als Erstuntersucher |
| Zentrum | Mindestens 50 TAVI-Eingriffe pro Jahr |
| Infrastruktur | Eigene Fachabteilung für Herzchirurgie oder vertraglich gesichertes Umfeld |
| Dokumentation | Mind. 50 vom Operateur unterschriebene Heart-Team-Protokolle (über 3 Jahre) |
| Nachsorge | Eingerichtete TAVI-Ambulanz mit Follow-up nach 6 und 12 Monaten |
Zudem wird die Teilnahme an einem überregionalen Qualitätsregister (z.B. GARY) dringend empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Stellen Sie die Indikation zur TAVI nie isoliert, sondern immer im interdisziplinären Herzteam. Bei Patienten über 85 Jahren ist die transfemorale TAVI unabhängig vom berechneten STS-Score die Therapie der ersten Wahl.