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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Trikuspidalklappeninsuffizienz: DGK-Positionspapier

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Über 90 % der Trikuspidalklappeninsuffizienzen sind sekundärer Natur, meist bedingt durch rechtsventrikuläres Remodeling oder Vorhofflimmern.
  • Die echokardiographische Schweregradeinteilung wurde prognoserelevant auf fünf Stufen (bis massiv und sintflutartig) erweitert.
  • Die medikamentöse Therapie beschränkt sich auf Diuretika und die Behandlung der zugrundeliegenden Linksherz- oder Lungenerkrankung.
  • Kathetergestützte Verfahren (TEER, Anuloplastie) bieten neue, sichere Optionen für Hochrisikopatienten.
  • Die Indikationsstellung zur interventionellen Therapie muss zwingend interdisziplinär im Heart Team erfolgen.
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Hintergrund

Die Trikuspidalklappeninsuffizienz (TI) ist ein häufiges Vitium, das bei 65–85 % der Bevölkerung nachgewiesen werden kann (meist physiologisch). Eine mindestens mittelgradige TI weist eine Prävalenz von 0,5–0,6 % auf, die im Alter auf über 4 % ansteigt. Unbehandelt ist eine schwere TI mit einer hohen Mortalität (> 30 % pro Jahr) assoziiert, oft bedingt durch sekundäre Komplikationen wie Leberversagen und terminale Herzinsuffizienz.

ÄtiologieHäufigkeitTypische Ursachen
Primär (organisch)< 10 %Kongenital (Ebstein-Anomalie), Endokarditis, Karzinoid, Trauma, Iatrogen (Schrittmacher-/ICD-Sonden, Biopsien)
Sekundär (funktionell)> 90 %Linksherzinsuffizienz (HFrEF/HFpEF), Klappenvitien, Pulmonale Hypertonie, Vorhofflimmern (atriales Remodeling)

Diagnostik und Schweregradeinteilung

Klinische Zeichen wie Dyspnoe, periphere Ödeme, Jugularvenenstauung und Aszites sind oft unspezifisch. Die Echokardiographie (TTE und TEE) ist das zentrale diagnostische Instrument. Da die Prognose sich mit zunehmender Regurgitationsöffnungsfläche weiter verschlechtert, hat sich eine Erweiterung auf 5 Schweregrade etabliert:

GradBezeichnungVena contracta (mm)EROA (mm²)
IGeringgradig< 3< 20
IIMittelgradig3 - 620 - 39
IIIHochgradig7 - 1340 - 59
IVMassiv14 - 2060 - 79
VSintflutartig (torrential)≥ 21≥ 80

Zusätzlich sollte eine Rechts- und Linksherzkatheteruntersuchung erfolgen, um die Hämodynamik (insbesondere den pulmonalarteriellen Druck) exakt zu erfassen, da die Echokardiographie diesen bei schwerer TI oft unterschätzt.

Konservative und chirurgische Therapie

Die konservativen Möglichkeiten sind limitiert. Im Vordergrund steht die diuretische Therapie bei Rechtsherzinsuffizienz sowie die leitliniengerechte Behandlung einer zugrundeliegenden Linksherzinsuffizienz oder pulmonalen Hypertonie.

Die isolierte chirurgische Therapie ist bei symptomatischen Patienten mit hochgradiger primärer TI ohne kritische rechtsventrikuläre Dysfunktion indiziert. Bei sekundärer TI erfolgt die chirurgische Sanierung meist simultan bei Eingriffen an der Mitral- oder Aortenklappe. Die isolierte Trikuspidalklappen-OP geht in Deutschland mit einer hohen Mortalität (8,3 - 10,3 %) einher.

Interventionelle Therapie

Für Hochrisikopatienten haben sich kathetergestützte Verfahren etabliert. Die Indikation muss im Heart Team gestellt werden.

Transkatheter-Edge-to-Edge-Reparatur (TEER)

Verfahren wie TriClip™ und PASCAL™ adaptieren die Segel der Trikuspidalklappe. Der Erfolg hängt stark von der Anatomie ab:

KriteriumIdeale BedingungenUngünstige Bedingungen (TEER nicht empfohlen)
Koaptationslücke< 3 - 4 mm> 7 mm (bzw. > 10 mm bei neuesten Devices)
Jet-LokalisationZentraler Haupt-JetMultiple Jets, exzentrisch
Segel3 strukturell unauffällige SegelAusgeprägte Verdickung, Verkürzung, Destruktion
BildgebungGutes TEE-FensterUnzureichendes TEE-Fenster

Direkte Anuloplastie

Das Cardioband-System ermöglicht eine kathetergestützte Raffung des Trikuspidalklappenanulus. Dies ist besonders bei Patienten mit symptomatischer hochgradiger TI und gleichzeitiger Anulusdilatation (> 40 mm) geeignet. Eine präprozedurale CT-Untersuchung ist obligat, um einen Mindestabstand von 5 mm zur rechten Herzkranzarterie (RCA) sicherzustellen.

Zentrumsvoraussetzungen

Die DGK empfiehlt für die Durchführung interventioneller TI-Verfahren:

  • Mindestens 2 zertifizierte interventionelle Kardiologen
  • Erfahrener Bildgeber (3D-TEE, CT, MRT)
  • Interdisziplinäres Heart Team
  • Kardiologen mit Zusatzqualifikationen "Herzinsuffizienz" und "Spezielle Rhythmologie"
  • Vorhaltung einer adäquaten intensivmedizinischen Einrichtung
  • Empfohlene Mindestmenge: 30 Eingriffe pro Jahr

💡Praxis-Tipp

Führen Sie vor einer geplanten interventionellen Trikuspidalklappentherapie immer eine Rechtsherzkatheteruntersuchung durch. Die Echokardiographie unterschätzt bei hochgradiger TI häufig den pulmonalarteriellen Druck, und eine schwere präkapilläre pulmonale Hypertonie verschlechtert die Prognose nach TEER erheblich.

Häufig gestellte Fragen

Die Basistherapie besteht aus Diuretika (Schleifendiuretika, Mineralokortikoidrezeptorantagonisten) zur Entlastung des rechten Ventrikels sowie der optimalen medikamentösen Einstellung einer zugrundeliegenden Linksherzinsuffizienz oder pulmonalen Hypertonie.
Ungünstig bis kontraindiziert sind unzureichende echokardiographische Schallbedingungen, sehr große Koaptationslücken (> 7-10 mm), ausgeprägte Segeldestruktionen (z.B. rheumatisch) sowie eine stark reduzierte rechtsventrikuläre Funktion.
Nein. Transvalvuläre Sonden sind per se keine Kontraindikation für TEER oder Anuloplastie, solange sie nicht signifikant mit den Klappensegeln oder dem geplanten Device interagieren.
Vorhofflimmern ist sehr häufig (39-68 %) und führt durch atriales Remodeling zur Anulusdilatation. Eine erfolgreiche Rhythmuskontrolle kann zu einer signifikanten Abnahme der TI führen.

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