Herpes-simplex-Keratitis: Diagnostik & Stufentherapie
Hintergrund
Die AWMF-Leitlinie (2025) behandelt die Diagnostik und Therapie der Herpes-simplex-Virus-Keratitis bei Erwachsenen und Kindern. Herpes-simplex-Infektionen des Auges können in allen Altersklassen auftreten und erfordern eine differenzierte augenärztliche Betreuung.
Die Inzidenz neuer HSV-Keratitiden liegt laut Leitlinie bei 18 bis 25 pro 100.000 Personen. Die Erkrankung ist durch eine hohe Wiederkehrrate gekennzeichnet.
Die Rezidivraten werden nach fünf Jahren auf 50 Prozent und nach 20 Jahren auf über 60 Prozent geschätzt. Ziel der Behandlung ist die Reduktion der Rezidivfrequenz und die Verhinderung von Folgeschäden.
Klinischer Kontext
Epidemiologie: Die Herpes-simplex-Virus-Keratitis ist eine der häufigsten Ursachen für infektiöse Hornhauterkrankungen und einseitige Erblindungen in Industrieländern. Die Inzidenz wird auf etwa 1,5 bis 31 Fälle pro 100.000 Einwohner geschätzt, wobei Rezidive besonders häufig auftreten. Pathophysiologie: Nach einer primären Tröpfchen- oder Schmierinfektion persistiert das Herpes-simplex-Virus lebenslang in den Ganglien des Nervus trigeminus. Bei Immunsuppression, Stress oder UV-Exposition kann das Virus reaktiviert werden und entlang der Nervenbahnen in die Hornhaut wandern. Dort verursacht es epitheliale, stromale oder endotheliale Entzündungsreaktionen. Klinische Bedeutung: Für Hausärzte ist die rasche Erkennung essenziell, da eine verzögerte oder falsche Therapie zu irreversiblen Hornhautvernarbungen und Visusverlust führen kann. Besonders die irrtümliche Gabe von lokalen Glukokortikoiden bei einer epithelialen HSV-Keratitis birgt die Gefahr einer massiven Befundverschlechterung. Diagnostische Grundlagen: Die Diagnose wird meist klinisch anhand typischer Befunde wie dem dendritischen Ulkus nach Anfärbung mit Fluoreszein gestellt. Bei unklaren oder untypischen Verläufen kann ein direkter Erregernachweis mittels PCR aus einem Hornhautabstrich erfolgen.
Wissenswertes
Typische Symptome umfassen einseitige Augenrötung, Fremdkörpergefühl, Lichtempfindlichkeit und tränende Augen. Oft klagen Patienten zudem über Schmerzen und eine reduzierte Sehschärfe auf dem betroffenen Auge.
Der Fluoreszein-Test ist ein zentraler Bestandteil der augenärztlichen Basisdiagnostik bei Verdacht auf Hornhautläsionen. Bei der epithelialen Form der HSV-Keratitis zeigt sich typischerweise ein bäumchenartig verzweigtes Ulkus, das den Farbstoff intensiv aufnimmt.
Bei einer aktiven epithelialen Herpes-Keratitis sind lokale Glukokortikoide streng kontraindiziert, da sie die Virusreplikation fördern und zu tiefen Hornhautulzera führen können. Bei stromalen oder endothelialen Verlaufsformen können sie jedoch unter strenger augenärztlicher Kontrolle und antiviraler Abdeckung indiziert sein.
Die Behandlungsdauer richtet sich nach der betroffenen Hornhautschicht und dem klinischen Ansprechen. Epitheliale Formen heilen unter lokaler antiviraler Therapie oft innerhalb von ein bis zwei Wochen ab, während stromale Beteiligungen eine monatelange, ausschleichende Behandlung erfordern können.
Eine systemische antivirale Langzeitprophylaxe wird häufig bei Patienten mit rezidivierender stromaler Keratitis erwogen, um weitere Hornhautvernarbungen zu verhindern. Auch nach Hornhauttransplantationen aufgrund von HSV-Narben ist eine prophylaktische Therapie zur Vermeidung von Transplantatversagen üblich.
Das Bläschensekret und die Tränenflüssigkeit bei akuter HSV-Keratitis enthalten infektiöse Viren, weshalb eine Schmierinfektion möglich ist. Strikte Hygienemaßnahmen wie häufiges Händewaschen und die Vermeidung von Augenkontakt sind zur Prävention einer Übertragung unerlässlich.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie ist die strikte Unterscheidung der betroffenen Hornhautschichten essenziell für den Therapieerfolg. Während bei einer epithelialen Beteiligung Kortikosteroide kontraindiziert sind, wird ihr Einsatz bei einer Beteiligung des Hornhautendothels oder bei einer interstitiellen Keratitis zwingend empfohlen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie ist der Einsatz von Kortikosteroiden bei einer Beteiligung des Hornhautendothels oder bei einer interstitiellen Keratitis indiziert. Bei einer rein epithelialen Beteiligung wird von Steroiden strikt abgeraten.
Bei klinischem Verdacht auf eine Resistenz empfiehlt die Leitlinie die Umstellung der systemischen Therapie auf Famciclovir. Lokal sollte auf Foscarnet-Augentropfen gewechselt werden.
Bei häufigen Rezidiven von mindestens zweimal pro Jahr wird eine langfristige systemische Behandlung über mindestens ein Jahr empfohlen. Dabei muss die Nierenfunktion regelmäßig kontrolliert werden.
Da bei dieser Komplikation keine Virusreplikation vorliegt, wird auf eine antivirale Therapie verzichtet. Stattdessen empfiehlt die Leitlinie eine intensive, konservierungsmittelfreie Benetzungstherapie und gegebenenfalls den Einsatz einer Verbandslinse.
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Quelle: Herpes simplex Virus Keratitis (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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