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Netzhautablösung-Prophylaxe: Leitlinie (AWMF/DOG)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die meisten rhegmatogenen Netzhautablösungen entstehen durch traktiv bedingte Risse im Rahmen einer hinteren Glaskörperabhebung.
  • Symptomatische Hufeisenrisse haben ein Ablatiorisiko von über 50 % und sollen zwingend mittels Laser- oder Kryokoagulation behandelt werden.
  • Asymptomatische Gitterdegenerationen und atrophe Rundlöcher haben ein sehr geringes Risiko und sollten in der Regel nicht behandelt werden.
  • Bei Symptomen einer akuten Glaskörperabhebung ist eine zeitnahe Untersuchung des gesamten Augenhintergrundes in Mydriasis obligatorisch.
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Hintergrund

Die rhegmatogene Netzhautablösung (Ablatio retinae) entsteht durch das Eindringen von verflüssigtem Glaskörper durch einen Netzhautdefekt, was zur Abhebung der neurosensorischen Retina vom Pigmentepithel führt. Die Inzidenz in Mitteleuropa liegt bei etwa 26 von 100.000 Einwohnern pro Jahr.

Die meisten rhegmatogenen Netzhautablösungen entwickeln sich aus traktiv bedingten Rissen im Rahmen einer hinteren Glaskörperabhebung. Seltener (ohne Glaskörperabhebung) entstehen sie aus atrophen Rundlöchern oder Oradialysen. Etwa 75 % aller Netzhautrisse bilden sich in morphologisch unauffälligen Netzhautarealen.

Risikofaktoren und Symptome

Die Identifizierung von Hochrisikopatienten und die Aufklärung über Warnsymptome sind essenziell für die Prophylaxe.

Risikofaktoren für NetzhautablösungTypische Warnsymptome
- Netzhautablösung am Partnerauge<br>- Myopie<br>- Gitterdegenerationen<br>- Familiäre Belastung<br>- Z.n. Katarakt-OP (besonders mit Glaskörperkomplikation)<br>- Direktes schweres Bulbustrauma- Akute "Mouches volantes" (Floater)<br>- Einseitige Photopsien (Blitze)<br>- Dunkler, undurchsichtiger Schatten (von peripher nach zentral zunehmend)<br>- Sehverschlechterung

Diagnostik

Bei Verdacht auf eine Netzhautablösung oder Vorstufen (wie eine akute hintere Glaskörperabhebung) sind folgende Untersuchungen notwendig:

  • Ausführliche Anamnese (Symptome, Risikofaktoren)
  • Sehschärfenbestimmung
  • Spaltlampenuntersuchung der vorderen und mittleren Augenabschnitte
  • Untersuchung des Glaskörpers und des gesamten Augenhintergrundes in Mydriasis
  • Ultraschalluntersuchung (nur bei fehlendem oder unzureichendem Funduseinblick)

Therapie und Prophylaxe

Ziel der prophylaktischen Behandlung ist die Schaffung einer festen chorioretinalen Adhäsion zirkulär um den Netzhautdefekt, primär mittels Laserkoagulation (alternativ Kryokoagulation).

BefundAblatiorisikoTherapieempfehlung
Symptomatischer Hufeisenriss> 50 %Soll mit Laser-/Kryokoagulation behandelt werden.
Symptomatisches Foramen mit DeckelGeringLaserkoagulation je nach Befund/Risikofaktoren möglich.
Symptomatische periphere Degeneration (ohne Defekt)Sehr geringSoll nicht behandelt werden.
Asymptomatische Gitterdegeneration / RundlöcherSehr geringSollten nicht behandelt werden (Ausnahme: z.B. Stickler-Syndrom).
Asymptomatischer Hufeisenrissca. 5 %Laserkoagulation in Abhängigkeit von Befund und Risikofaktoren.

Vorgehen bei akuter hinterer Glaskörperabhebung

Bei 5-22 % der Patienten mit symptomatischer Glaskörperabhebung treten traktive Netzhautrisse auf. Auch bei initial unauffälligem Befund können sich in 2-5 % der Fälle in den Folgewochen noch Risse entwickeln.

  • Kernaussage: Bei Blut- oder Pigmentzellen im Glaskörper sowie bei neuen Symptomen sollte eine zeitnahe Kontrolluntersuchung in Mydriasis erfolgen.

Vorgehen beim Partnerauge

Nach einer Amotio des ersten Auges besteht ein Risiko von ca. 10 % für das Partnerauge (Hochrisiko-Auge).

  • Bei Z.n. Ablatio durch gittrige Degenerationen am ersten Auge kann eine Laserkoagulation der Gitterdegenerationen am Partnerauge das Risiko von 5,1 % auf 1,8 % senken.
  • Bei Riesenrissen am ersten Auge kann eine prophylaktische 360-Grad-Laserbehandlung des Partnerauges erfolgen.

💡Praxis-Tipp

Klären Sie Patienten mit einer akuten hinteren Glaskörperabhebung unbedingt über Warnsymptome auf. Bestellen Sie Patienten mit Blut- oder Pigmentzellen im Glaskörper zeitnah zur Kontrolle in Mydriasis ein, da sich in 2-5 % der Fälle verzögert noch Risse bilden können.

Häufig gestellte Fragen

Ein symptomatischer Hufeisenriss (Lappenriss) hat ein Ablatiorisiko von über 50 % und soll zwingend mit Laser- oder Kryokoagulation behandelt werden.
Nein, asymptomatische Gitterdegenerationen und atrophe Rundlöcher ohne weitere Risikofaktoren haben ein sehr geringes Ablatiorisiko und sollten in der Regel nicht behandelt werden.
Etwa 10 % der Patienten entwickeln im Verlauf auch eine Netzhautablösung am anderen Auge. Das Partnerauge gilt somit als Hochrisiko-Auge.
Zwingend erforderlich ist eine Untersuchung des Glaskörpers und des gesamten Augenhintergrundes in medikamentöser Mydriasis.

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