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Nicht-infektiöse anteriore Uveitis: Leitlinie (AWMF/DOG)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Etwa 50 % der Patienten mit akuter anteriorer Uveitis sind HLA-B27-positiv, häufig besteht eine Assoziation zu Systemerkrankungen wie der Spondyloarthritis.
  • Die Klassifikation und Graduierung der Entzündungsaktivität (Zellen, Tyndall) erfolgt standardisiert nach den SUN-Kriterien.
  • Spätestens ab dem zweiten Schub ist eine ätiologische Basisdiagnostik (u.a. Lues, Tuberkulose, CRP, Differenzialblutbild) zwingend erforderlich.
  • Die Akuttherapie basiert primär auf hochpotenten topischen Kortikosteroiden (z.B. Dexamethason 0,1%) und Zykloplegika.
  • Bei chronischen oder refraktären Verläufen kommen krankheitsmodifizierende Medikamente (csDMARDs oder bDMARDs) zum Einsatz.
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Hintergrund

Die nicht-infektiöse anteriore Uveitis ist die häufigste Form der Uveitis in der Grundversorgung (58-90 %). Der primäre Ort der Entzündung ist die Regenbogenhaut (Iritis), der Ziliarkörper (Zyklitis) oder beide (Iridozyklitis). Etwa 50 % der Patienten mit akuter anteriorer Uveitis (AAU) sind HLA-B27-positiv, und bei rund 50 % besteht eine Assoziation zu einer Grunderkrankung (z.B. Spondyloarthritis).

Klassifikation nach SUN-Kriterien

Die Einteilung des Verlaufs und der Entzündungsaktivität erfolgt nach der Standardization of Uveitis Nomenclature (SUN).

VerlaufDefinition
AkutEpisode mit plötzlichem Beginn und limitierter Dauer (≤ 3 Monate)
RezidivierendRezidive, getrennt durch Inaktivität ohne Therapie von ≥ 3 Monaten
ChronischPersistierende Uveitis (> 3 Monate) mit Rezidiven innerhalb von 3 Monaten nach Therapieende

Graduierung der Vorderkammerzellen (Spaltlampe 1x1 mm):

GradZellen pro Feld
0< 1
0.5+1-5
1+6-15
2+16-25
3+26-50
4+> 50

Graduierung des Tyndall-Effektes:

GradBeschreibung
0Kein Tyndall
1+Gerade sichtbar
2+Gut sichtbar (Iris- und Linsendetails klar)
3+Ausgeprägt (Iris- und Linsendetails verschwommen)
4+Massiv (Fibrin oder plastisches Kammerwasser)

Diagnostik

Die Basisdiagnostik umfasst Anamnese, Visusprüfung, Spaltlampenuntersuchung, Funduskopie (in medikamentöser Mydriasis) und Tonometrie. Spätestens ab dem zweiten Schub ist eine ätiologische Abklärung zwingend erforderlich.

Obligate Labordiagnostik (ab 2. Schub):

  • Differentialblutbild
  • CRP oder BSG
  • Lues-Serologie (TPHA, TPPA; bei Positivität VDRL)
  • Tuberkulose-Test (IGRA), besonders bei granulomatöser oder nicht akut-fibrinöser Form
  • Kreatinin, ASAT, ALAT, Elektrolyte

Je nach Klinik wird dies gezielt erweitert (z.B. HLA-B27, Röntgen-Thorax, sIL-2R, ANA, Borrelien-Serologie).

Therapie im akuten Schub

Ziel ist die rasche Unterdrückung der Entzündung und die Vermeidung von Komplikationen (z.B. Synechien).

MedikamentengruppeWirkstoffe (Beispiele)Indikation / Bemerkung
Topische KortikosteroidePrednisolon-acetat 1%, Dexamethason 0,1%Mittel der 1. Wahl. Anfangs hochfrequent (z.B. stündlich), dann ausschleichen. Tensiokontrollen obligat!
ZykloplegikaScopolaminSchmerzlinderung und Vermeidung hinterer Synechien.
Peri-/Intraokulare SteroideDexamethason, TriamcinolonBei sehr schweren Verläufen (Fibrin, Hypopyon) oder schlechter Compliance.
Systemische SteroideMethylprednisolon (ggf. i.v. Bolus)Bei schwerem, bilateralem Verlauf oder Makulaödem.

Rezidivprophylaxe und Langzeittherapie

Bei chronischen Verläufen oder hohem Rezidivrisiko (z.B. ≥ 2 Schübe/Jahr) ist eine Langzeittherapie indiziert. Systemische Steroide sollten in der Erhaltungsdosis ≤ 5 mg/Tag liegen.

Krankheitsmodifizierende Medikamente (DMARDs): Der Einsatz erfolgt bei visusgefährdender Uveitis oder unzureichendem Ansprechen auf Steroide in interdisziplinärer Abstimmung.

StufeTherapieklasseWirkstoffe (meist Off-Label Use)
1csDMARDsCyclosporin A, Azathioprin, Methotrexat, Mycophenolat-Mofetil, Sulfasalazin
2bDMARDsAdalimumab (zugelassen ab 2. LJ), Infliximab, Golimumab, Certolizumab, Interferon alpha 2a, Tocilizumab

Management von Komplikationen

  • Makulaödem: Carboanhydrase-Hemmer (Acetazolamid oral 2-4x 125-250 mg/Tag), parabulbäre/intravitreale Steroide (Triamcinolon, Dexamethason-Implantat, Fluocinolon-acetonid), ggf. Anti-VEGF.
  • Okuläre Hypertension/Glaukom: Topische Carboanhydrase-Hemmer, Betablocker oder Alphaagonisten. Prostaglandine nur nachrangig. Operativ: Trabekulektomie, Drainage-Implantate, MIGS.
  • Katarakt: Operation im reizfreien Intervall (≥ 3 Monate) mit intensivierter perioperativer Steroidabdeckung.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei jeder topischen oder systemischen Steroidtherapie regelmäßige Tensiokontrollen durch, um ein steroidinduziertes Glaukom frühzeitig zu erkennen. Intraokulare Eingriffe (z.B. Katarakt-OP) sollten stets erst nach einem reizfreien Intervall von mindestens 3 Monaten erfolgen.

Häufig gestellte Fragen

Spätestens ab dem zweiten Schub ist eine ätiologische Abklärung (u.a. Lues, Tuberkulose, CRP, Differenzialblutbild) zwingend erforderlich.
Bevorzugt werden hochpotente Wirkstoffe wie Prednisolon-acetat 1% oder Dexamethason 0,1%, anfangs in hoher Frequenz (z.B. stündlich).
Bei chronischem Entzündungsverlauf mit schlechter Visusprognose und Behandlungsversagen von Kortikosteroiden sowie konventionellen DMARDs (csDMARDs).
Unter anderem mit oralem Acetazolamid, parabulbären oder intravitrealen Steroiden (z.B. Dexamethason-Implantat) oder systemischen Kortikosteroiden.

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