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Innovative Glaukomchirurgie: S1-Leitlinie (AWMF/DOG)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Der Begriff 'MIGS' wird in der Leitlinie vermieden, da einige Verfahren ähnliche Risiken wie eine Trabekulektomie aufweisen.
  • Trabekuläre Stents (z.B. iStent, Hydrus) sollen nur ergänzend zu einer Katarakt-Operation eingesetzt werden.
  • Subkonjunktivale Verfahren (XEN, PreserFlo) senken den Druck stärker, erfordern aber zwingend eine medikamentöse Fibrosehemmung.
  • Für supraziliäre Stents (MINIject) wird aufgrund fehlender Evidenz aktuell keine Empfehlung ausgesprochen.
  • Postoperative Kontrollen müssen zwingend an Tag 1, Tag 3-5 und nach 2 Wochen erfolgen.
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Hintergrund

Glaukomerkrankungen sind chronisch progrediente Optikusneuropathien. Da sie oft lange asymptomatisch bleiben, ist eine frühzeitige Erkennung essenziell. Die Leitlinie verzichtet bewusst auf den Begriff der „mikroinvasiven Glaukomchirurgie (MIGS)“, da einige Verfahren ein ähnliches Erfolgs- und Komplikationsspektrum wie die Trabekulektomie aufweisen und keine falsche Sicherheit suggeriert werden soll.

Empfehlungsgrad ⇑⇑: Das primäre Ziel der Therapie ist die Verhinderung relevanter funktioneller Einschränkungen und die Erhaltung der Lebensqualität.

Indikation und Primärtherapie

Die Primärtherapie des primären Offenwinkelglaukoms erfolgt in der Regel medikamentös und/oder laserchirurgisch (selektive Lasertrabekuloplastik).

  • Empfehlungsgrad ⇑⇑: Die Therapie soll unter Berücksichtigung der individuellen Situation (Alter, Komorbiditäten) und okulärer Faktoren erfolgen.
  • Es ist ein individueller Zieldruckbereich anzustreben.

Wenn die Primärtherapie nicht ausreicht oder die Adhärenz mangelhaft ist, kommen operative Verfahren zum Einsatz.

Übersicht der Operationsverfahren

Die innovativen glaukomchirurgischen Verfahren werden nach ihrem Abflussweg unterteilt. Sie sind zur Behandlung des primären Offenwinkelglaukoms geeignet (Empfehlungsgrad ⇑⇑).

VerfahrensgruppeZielstrukturBemerkung
TrabekulärSchlemm-KanalMäßige Drucksenkung, geringere Invasivität
SupraziliärSupraziliärer RaumBessere Filtration, aktuell keine Empfehlung
SubkonjunktivalSubkonjunktivalraumStärkste Drucksenkung, Sickerkissenbildung

Trabekuläre Verfahren

Diese Verfahren zielen darauf ab, den Abfluss durch das Trabekelmaschenwerk zu verbessern. Sie erzielen eine mäßige Drucksenkung.

Empfehlungsgrad ⇑: Trabekuläre Stent-Verfahren sollten nur ergänzend zu einer Katarakt-Operation durchgeführt werden.

VerfahrensartBeispieleWirkmechanismusEvidenz / Effekt
Stent-basiertiStent inject W, Hydrus MicrostentBypass in den Schlemm-KanalZusätzliche Drucksenkung von 2-3 mmHg bei kombinierter Katarakt-OP
Ablativ / InzisionalKahook Dual Blade, TrabektomEinreißen oder Veröden des TrabekelmaschenwerksDrucksenkung ca. 2-3 mmHg (Kahook) bzw. 3-10 mmHg (Trabektom)
DilatierendABiC, GATTDilatation des Schlemm-Kanals (Viskoelastikum)Bessere Drucksenkung nach GATT (ca. 9,7-9,8 mmHg) als nach ABiC

Supraziliäre Verfahren

Derzeit ist der MINIject der einzige verfügbare supraziliäre Stent.

  • Keine Empfehlung: Aufgrund fehlender robuster Evidenzdaten (RCTs) und fehlender Langzeitdaten wird aktuell keine Empfehlung ausgesprochen.
  • Es besteht ein höheres Komplikationsrisiko (z. B. frühe postoperative Hypotonie durch notwendige Zyklodialyse).

Subkonjunktival ableitende Verfahren

Diese Verfahren leiten Kammerwasser unter die Bindehaut ab und bilden ein Sickerkissen. Sie sind stärker drucksenkend als trabekuläre Verfahren.

Empfehlungsgrad ⇑⇑: Die subkonjunktival ableitenden Verfahren sollen mit einer medikamentösen Fibrosehemmung (z. B. Mitomycin C) kombiniert werden.

ImplantatMaterialImplantationstechnikBemerkung
XEN Gel Stent (45/63)KollagenAb interno (meistens)Höhere Needling-Rate als bei Trabekulektomie (ca. 23%)
PreserFlo MicroshuntSIBSAb externoGeringere Drucksenkung und höherer Revisionsbedarf als Trabekulektomie

Wichtig: Bei subkonjunktival ableitenden Verfahren bestehen die gleichen Risiken wie bei einer Trabekulektomie, insbesondere postoperative Sickerkissenvernarbung und Hypotonie.

Komplikationen und Aufklärung

Empfehlungsgrad ⇑⇑: Patienten müssen umfassend über mögliche Komplikationen aufgeklärt werden:

  • Endophthalmitis
  • Intrakamerale Blutung
  • Stentdislokation
  • Vorübergehende oder dauerhafte Visusminderung
  • Refraktionsänderung
  • Endothelzellverlust
  • Postoperativer Augeninnendruckanstieg oder Hypotonie
  • Choroidale Blutung

Postoperative Nachsorge

Empfehlungsgrad ⇑⇑: Nachkontrollen sollen nach einem festen Schema erfolgen:

ZeitpunktFokus der Untersuchung
1. postoperativer TagVisus, Augeninnendruck, Spaltlampe (Vorder-/Hinterabschnitt), Gonioskopie (bei Stents)
Tag 3 bis 5Visus, Augeninnendruck, Spaltlampe
Nach 2 WochenVisus, Augeninnendruck, Spaltlampe, umfassende Bewertung

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei einer postoperativen Hypotonie (< 6 mmHg) und fraglichen Veränderungen am hinteren Pol frühzeitig ein Makula-OCT durch, um eine hypotone Makulopathie nicht zu übersehen.

Häufig gestellte Fragen

Weil einige dieser Verfahren nicht minimalinvasiv sind und ein ähnliches Erfolgs- und Komplikationsspektrum wie die Trabekulektomie aufweisen.
Sie sollten nur ergänzend zu einer Katarakt-Operation eingesetzt werden, da sie als alleiniger Eingriff nur eine mäßige Drucksenkung erzielen.
Kontrollen müssen mindestens am 1. postoperativen Tag, nach 3-5 Tagen und nach 2 Wochen erfolgen.
Ja, sie sollen zwingend mit einer medikamentösen Fibrosehemmung (z. B. Mitomycin C) kombiniert werden, um eine Sickerkissenvernarbung zu minimieren.

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