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Erbliche Netzhauterkrankungen: Leitlinie (AWMF/DOG)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Prävalenz liegt bei ca. 1:2.000 für Netzhaut-/Aderhauterkrankungen und 1:100.000 für Sehbahnerkrankungen.
  • Die Basisdiagnostik umfasst zwingend Anamnese, Visus, Spaltlampe und eine binokulare Fundusuntersuchung.
  • Spezifische Therapien wie Voretigene neparvovec-rzyl (bei RPE65-Mutation) oder Idebenone (bei LHON) stehen zur Verfügung.
  • Bei ABCA4-Gen-Mutationen (Morbus Stargardt) darf keine zusätzliche Vitamin-A-Zufuhr erfolgen.
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Hintergrund

Erbliche Erkrankungen der Netzhaut, des retinalen Pigmentepithels (RPE), der Aderhaut oder der Sehbahn führen häufig zu erheblichen Beeinträchtigungen im privaten und beruflichen Leben. In Deutschland sind ca. 50.000 bis 70.000 Menschen betroffen. Die Erkrankungen sind Ursache für etwa 10 % aller Blindengeldbezieher.

KrankheitsgruppePrävalenzBeispiele
Netzhaut-/Aderhauterkrankungenca. 1:2.000Retinitis pigmentosa, Makuladystrophien, Chorioideremie, Refsum-Syndrom
Sehbahnerkrankungenca. 1:100.000Lebersche hereditäre Optikusneuropathie (LHON), Albinismus

Ein Verdacht entsteht oft bei unklarer Visusminderung, Gesichtsfeldausfällen, Farbsinnstörungen, Blendungsempfindlichkeit oder Nachtsehstörungen (Nyktalopie).

Diagnostik

Das diagnostische Vorgehen zielt auf die frühzeitige Erkennung, klinische Charakterisierung und die Initiierung einer molekulargenetischen Diagnostik ab.

StufeMaßnahmenBemerkung
Notwendige BasisdiagnostikAnamnese, Visusbestimmung, Spaltlampe, zentraler Augenhintergrund (binokular)Befundbesprechung und Aufklärung über Vererbungsrisiko obligatorisch
Im Einzelfall erforderlichGesamter Augenhintergrund, Perimetrie, OCT (Makula/Papille), Fundus-AutofluoreszenzZur Sicherung der Diagnose und im Verlauf
Spezifische ZusatzdiagnostikFarbsinnprüfung, ERG (Ganzfeld, Muster, multifokal), EOG, VEP, FluoreszeinangiografieZ.B. EOG bei Verdacht auf Morbus Best; Ganzfeld-ERG bei unauffälligem OCT

Therapie und Rehabilitation

Die Behandlung erfolgt in der Regel ambulant und richtet sich nach der spezifischen Grunderkrankung.

TherapieansatzIndikationBemerkung
Genersatztherapie (Voretigene neparvovec-rzyl)Bi-allelische RPE65-MutationenStationäre Durchführung
IdebenoneAkute Lebersche hereditäre Optikusneuropathie (LHON)Spezifische medikamentöse Therapie
IVOM-TherapieSekundäre chorioidale Neovaskularisation (CNV)Gemäß Stellungnahmen der Fachgesellschaften
CarboanhydrasehemmerZystoides Makulaödem bei NetzhautdystrophienOff-Label; bei systemischer Gabe Kalium/Kreatinin kontrollieren
Katarakt-OperationRelevante Sehbeeinträchtigung durch KataraktMit IOL-Implantation
ElektrostimulationRetinitis pigmentosaZ.B. im Rahmen der Erprobungsrichtlinie

Wichtige Verhaltens- und Ernährungsempfehlungen:

  • Kontraindikation: Bei ABCA4-Gen-Mutationen (Morbus Stargardt) soll keine zusätzliche Vitamin-A-Zufuhr erfolgen.
  • Diät: Günstige Beeinflussung bei Refsum-Syndrom, Abetalipoproteinämie und Atrophia gyrata möglich.
  • Lebensstil: Strikter Verzicht auf Alkohol und Nikotin (besonders wichtig bei LHON).

Neben der medizinischen Therapie sind die optische Rehabilitation (z.B. Kantenfiltergläser, vergrößernde Sehhilfen), Mobilitätstraining sowie die Anbindung an Selbsthilfegruppen (z.B. Pro Retina Deutschland e.V.) essenzielle Bestandteile der Patientenversorgung.

💡Praxis-Tipp

Verordnen Sie Patienten mit Morbus Stargardt (ABCA4-Mutation) niemals zusätzliche Vitamin-A-Präparate. Denken Sie bei unklaren Visusminderungen, Nyktalopie oder Farbsinnstörungen frühzeitig an eine molekulargenetische Abklärung.

Häufig gestellte Fragen

Die Prävalenz liegt bei ca. 1:2.000 für Netzhaut- und Aderhauterkrankungen sowie bei 1:100.000 für Sehbahnerkrankungen.
Für Patienten mit ursächlichen bi-allelischen RPE65-Mutationen steht die Genersatztherapie mit Voretigene neparvovec-rzyl zur Verfügung.
Nein, bei ABCA4-Gen-Mutationen (Morbus Stargardt) soll ausdrücklich keine zusätzliche Vitamin-A-Zufuhr erfolgen.
Es kann ein Off-Label-Heilversuch mit topisch oder systemisch applizierten Carboanhydrasehemmern erfolgen. Bei systemischer Therapie müssen Kalium- und Kreatininspiegel kontrolliert werden.

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