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Virale anteriore Uveitis: Leitlinie (AWMF/DOG)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Herpes-assoziierte Uveitiden (HSV, VZV, CMV) präsentieren sich oft einseitig mit mäßiger Zellzahl und Augeninnendruckerhöhung.
  • Die Fuchs-Uveitis verläuft meist chronisch-asymptomatisch, zeigt sternförmige Präzipitate und obligat keine hinteren Synechien.
  • Eine Serologie (Blut) auf HSV, VZV und CMV soll aufgrund der hohen Durchseuchung nicht erfolgen.
  • Die Therapie der herpetischen Uveitis basiert auf systemischen Nukleosidanaloga und topischen Kortikosteroiden.
  • Bei der Fuchs-Uveitis sind Kortikosteroide kontraindiziert.
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Hintergrund

Die virale anteriore Uveitis wird in Deutschland vorrangig durch Viren der Herpes-Gruppe (HSV-1, HSV-2, VZV, CMV) verursacht. Davon abzugrenzen ist die Fuchs-Uveitis, welche meist mit einer zurückliegenden Rubella- oder seltener CMV-Infektion assoziiert ist. Bei Erwachsenen ab 60 Jahren machen HSV, VZV und CMV etwa 23 % der neuen Fälle von anteriorer Uveitis aus.

Klinische Präsentation

Die Differenzierung der Uveitis-Formen erfolgt primär klinisch anhand spezifischer Befundkonstellationen:

MerkmalHerpetische Uveitis (HSV/VZV)CMV-UveitisFuchs-Uveitis
SymptomatikSymptomatisch (konjunktivale/ziliare Injektion)Oft geringe EntzündungChronisch, asymptomatisch
LateralitätHäufig einseitigHäufig einseitigÜberwiegend einseitig (90 %)
VorderkammerMäßige ZellzahlMäßige ZellzahlMäßige Zellzahl
PräzipitateHornhautendothelpräzipitateHornhautendothelpräzipitateSternförmig, über gesamte Hornhaut
AugeninnendruckErhöht bei aktiver InflammationErhöht (steht im Vordergrund)Normal bis erhöht (Komplikation)
SynechienHintere Synechien möglichHintere Synechien möglichKeine hinteren Synechien
GlaskörperSelten beteiligtSelten beteiligtHäufig beteiligt
  • Wichtig: Ein alleiniger Augeninnendruckanstieg bei sonst ruhigem Auge sollte als mögliches Rezidiv einer Herpes-Uveitis gewertet werden.
  • Ein Makulaödem gehört bei unoperierten Augen nicht zum typischen Bild.

Diagnostik

Die Basisdiagnostik umfasst die Bestimmung des bestkorrigierten Visus, die Spaltlampenuntersuchung, die beidseitige Augeninnendruckmessung sowie die Funduskopie in Mydriasis.

Diagnostik-MethodeIndikation / Empfehlung
Vorderkammerpunktion (PCR/Ak)Sollte bei Verdacht auf CMV-Uveitis, atypischem Verlauf oder fehlendem Therapieansprechen erfolgen.
Serologie (Blut)Soll nicht erfolgen (hohe Durchseuchung der Bevölkerung mit HSV, VZV, CMV macht Ergebnisse obsolet).
Apparative ZusatzdiagnostikFLA, OCT oder Gonioskopie je nach klinischem Befund und Komplikationen.

Therapie der herpetischen Uveitis (HSV, VZV, CMV)

Eine akute herpetische anteriore Uveitis soll stets behandelt werden. Die Basis bildet die systemische antivirale Therapie, da topische Virostatika nur additiv wirken.

ErregerSystemische Therapie (Erwachsene)Topische Ergänzung
HSV / VZVAciclovir 5x 400-800 mg p.o./Tag ODER Valaciclovir 2-3x 500-1000 mg p.o./TagAciclovir 3% oder Ganciclovir 0,15% (5x/Tag)
CMVValganciclovir 2x 900 mg p.o./TagGanciclovir 0,15%

Begleittherapie bei HSV/VZV/CMV:

  • Antientzündlich: Topische Kortikosteroide (z. B. Prednisolonacetat 1 % oder Dexamethason 0,1 %). Bei Steroid-Respondern Ausweichpräparate wie Loteprednoletabonat 0,5 % nutzen.
  • Synechien-Prophylaxe: Bei ausgeprägter Inflammation medikamentöse Mydriasis/Zykloplegie.
  • Drucksenkung: Primär Carboanhydrase-Inhibitoren, Betablocker oder Alpha-Agonisten. Prostaglandine/Prostamide sollten nur nachrangig verwendet werden. Bei topischem Versagen: systemisches Acetazolamid.
  • Monitoring: Bei systemischer Virostatika-Gabe hausärztliche/internistische Kontrollen (Nieren-, Leber-, Knochenmarksfunktion) durchführen.

Therapie der Fuchs-Uveitis

Das Management der Fuchs-Uveitis unterscheidet sich grundlegend von der herpetischen Form, da die Entzündung selbst kaum auf Medikamente anspricht.

  • Kortikosteroide: Topische oder systemische Kortikosteroide sollen nicht eingesetzt werden (kein Nutzen, aber hohes Komplikationsrisiko).
  • Immunmodulation: Eine systemische immunmodulierende Therapie soll nicht erfolgen.
  • Drucksenkung: Primär Carboanhydrase-Inhibitoren, Betablocker oder Alpha-Agonisten. Prostaglandine sind hier eine gleichwertige Alternative.

Rezidivprophylaxe

Die herpetische Uveitis neigt zu Rezidiven, die das Risiko für Funktionsverluste erhöhen. Bei der Fuchs-Uveitis ist keine Prophylaxe möglich.

ErregerProphylaxe-Schema
HSV / VZVAciclovir (z. B. 2x 400 mg p.o./Tag) für bis zu 1 Jahr. Kombinierbar mit topischen Steroiden (max. 2x/Tag). Alternativ: Valaciclovir (z. B. 2x 500 mg p.o./Tag).
CMVValganciclovir (z. B. 2x 450 mg p.o./Tag) oder topisches Ganciclovir 0,15 %.

Management von Komplikationen

  • Sekundäres Offenwinkelglaukom: Kontrollen und apparative Diagnostik (Gesichtsfeld, OCT) wie beim primären Offenwinkelglaukom.
  • Glaskörpertrübungen (v. a. Fuchs-Uveitis): Keine systemischen Steroide. Bei relevanter Visusminderung kann eine Pars-Plana-Vitrektomie erwogen werden.
  • Operative Eingriffe (Katarakt, Glaukom): Bei herpetischer Uveitis nur im entzündungsfreien Intervall von mindestens 3 Monaten operieren (unter perioperativer Virostatika-Abschirmung). Bei Fuchs-Uveitis kann auch im Reizzustand operiert werden.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei Verdacht auf virale anteriore Uveitis auf eine Serologie im Blut – sie ist obsolet. Setzen Sie bei der Fuchs-Uveitis niemals Kortikosteroide ein, da diese wirkungslos sind und lediglich Komplikationen provozieren.

Häufig gestellte Fragen

Die Fuchs-Uveitis verläuft meist asymptomatisch, zeigt sternförmige Hornhautpräzipitate über die gesamte Hornhaut, keine hinteren Synechien und oft eine Glaskörperbeteiligung.
Bei klinischem Verdacht auf eine CMV-assoziierte Uveitis oder bei atypischen, therapieresistenten Verläufen.
Primär Carboanhydrase-Inhibitoren, Betablocker oder Alpha-Agonisten. Prostaglandine sollten bei herpetischer Uveitis nur nachrangig eingesetzt werden.
Mit systemischem Aciclovir (z. B. 2x 400 mg/Tag) für bis zu ein Jahr, ggf. kombiniert mit topischen Steroiden (max. 2x täglich). Alternativ kann Valaciclovir eingesetzt werden.

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