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AION Leitlinie: Diagnostik & Therapie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Plötzliche ischämische Sehverschlechterung mit Papillenschwellung erfordert die sofortige Unterscheidung zwischen NAION und AAION.
  • Bei Verdacht auf eine arteriitische AION (Riesenzellarteriitis) muss sofort eine hochdosierte Steroidtherapie eingeleitet werden.
  • Die Therapieeinleitung bei AAION darf nicht durch ausstehende Diagnostik verzögert werden.
  • Bei der nicht-arteriitischen AION (NAION) sind Steroide nicht indiziert.
  • Der Hauptrisikofaktor für eine NAION ist eine kleine Papille (CDR < 0,2).
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Hintergrund

Die anteriore ischämische Opticusneuropathie (AION) ist definiert als eine plötzliche, meist innerhalb eines Tages wahrgenommene ischämisch bedingte Sehverschlechterung. Sie geht mit einem Gesichtsfeldausfall im Nervenfaserverlauf und einer Papillenschwellung einher. Grundsätzlich muss zwischen der nicht-arteriitischen (NAION) und der arteriitischen Form (AAION) durch eine Riesenzellarteriitis (RZA) unterschieden werden.

Klinische Unterscheidung

Die Differenzierung zwischen NAION und AAION ist für das klinische Management essenziell:

MerkmalNicht-arteriitische AION (NAION)Arteriitische AION (AAION / RZA)
SchmerzMeist schmerzlosOft Kopf-, Kau- oder Kämmschmerz
AlterDurchschnitt 61-64 JahreMeist >70 Jahre (selten <50 Jahre)
SehminderungVariabelSehr ausgeprägt, oft Prodromi (Amaurosis fugax)
PapilleKleine Papille (CDR < 0,2)Oft normal groß, blasse Schwellung
BegleitsymptomeKeine spezifischenGewichtsverlust, Polymyalgie, Krankheitsgefühl
LaborUnauffälligDeutlich erhöhte BSG/CRP (in 4 % jedoch normal!)

Epidemiologie und Risikofaktoren

  • NAION: Die Inzidenz liegt bei 1:10.000. Männer sind doppelt so häufig betroffen. Ein Befall des Partnerauges tritt in ca. 19 % innerhalb von 5 Jahren auf. Hauptrisikofaktor ist eine kleine Papille. Assoziierte Faktoren sind obstruktives Schlafapnoesyndrom (OSA), Diabetes mellitus, arterielle Hypertonie, Hyperlipidämie sowie Katarakt- und Wirbelsäulenchirurgie. Neuere Daten zeigen zudem eine Assoziation mit einer Semaglutid-Therapie.
  • AAION: Die Riesenzellarteriitis ist die häufigste primäre systemische Vaskulitis in westlichen Ländern. Etwa 40-60 % der RZA-Patienten weisen Symptome einer Polymyalgia rheumatica auf.

Diagnostik

Bei der Erstuntersuchung muss primär eine Riesenzellarteriitis ausgeschlossen werden. Zur Basisdiagnostik gehören:

  • Anamnese: Gezielte Frage nach Kopfschmerz, Doppelbildern, Kauschmerz, Gewichtsverlust und Polymyalgie.
  • Klinische Untersuchung: Inspektion und Palpation der Temporalarterien (Druckschmerz, Pulslosigkeit). Ein negativer Befund schließt eine RZA jedoch nicht aus!
  • Ophthalmologisch: Sehschärfe, Prüfung auf RAPD (relativer afferenter Pupillendefekt), Spaltlampe, Funduskopie (binokular) und Perimetrie.
  • Labor: Zwingende Bestimmung von CRP, BSG und Blutbild.

Zur spezifischen Diagnosesicherung einer RZA sollte innerhalb von 48 Stunden nach Therapiebeginn ein Ultraschall oder ein MRT (mit vaskulitisspezifischer Sequenz) erfolgen. Eine Biopsie der A. temporalis ist bei fehlendem bildmorphologischem Nachweis und klinischem Verdacht indiziert.

Therapie

Die therapeutischen Ansätze unterscheiden sich grundlegend:

FormTherapiestrategieWichtige Hinweise
NAIONSekundärpräventionBehandlung assoziierter Faktoren. Keine oralen, i.v. oder intravitrealen Steroide! Keine VEGF-Inhibitoren! Nutzen von ASS ist nicht belegt.
AAIONSofortige hochdosierte SteroideSofortige stationäre Einweisung. Initial 500-1000 mg Prednison-Äquivalent i.v. (1-4 Gaben/Tag für 3-5 Tage). Danach orale Erhaltungstherapie.

Wichtig: Die Therapieeinleitung bei Verdacht auf AAION darf nicht durch eine beabsichtigte Diagnosesicherung (z. B. Warten auf Biopsie) verzögert werden!

💡Praxis-Tipp

Beginnen Sie bei Verdacht auf eine arteriitische AION (Riesenzellarteriitis) sofort mit der hochdosierten Steroidtherapie. Warten Sie nicht auf die Ergebnisse von Ultraschall oder Biopsie!

Häufig gestellte Fragen

Die NAION ist meist schmerzlos und betrifft Patienten mit kleinen Papillen. Die AAION (Riesenzellarteriitis) geht oft mit Kopfschmerzen, Kauschmerzen, starker Sehminderung und erhöhten Entzündungswerten einher.
Die Behandlung konzentriert sich auf die Sekundärprävention kardiovaskulärer Risikofaktoren. Steroide (oral, i.v., intravitreal) oder VEGF-Inhibitoren sollen nicht eingesetzt werden.
Es erfolgt eine sofortige stationäre Aufnahme zur hochdosierten parenteralen Steroidtherapie (initial 500-1000 mg Prednison-Äquivalent i.v. verteilt auf 1-4 Gaben pro Tag für 3-5 Tage).
Neuere Literatur deutet auf eine mögliche Assoziation zwischen einer Semaglutid-Therapie und dem Auftreten einer nicht-arteriitischen AION (NAION) hin.

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