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Okuläre Graft-versus-Host-Erkrankung: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die okuläre GvHD tritt nach allogener Stammzelltransplantation auf und äußert sich meist als schweres Trockenes Auge.
  • Eine topische immunsuppressive Prophylaxe wird aufgrund fehlender Evidenz und möglicher Nebenwirkungen nicht empfohlen.
  • Augenärztliche Screening-Untersuchungen sollen vor der Transplantation sowie 3, 12 und 24 Monate danach erfolgen.
  • Die Therapie erfolgt stufenweise und frühzeitig mit Tränenersatzmitteln, topischen Kortikosteroiden und Ciclosporin.
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Hintergrund

Die okuläre Graft-versus-Host-Erkrankung (GvHD) ist eine immunologische Abstoßungsreaktion nach allogener hämatopoetischer Stammzelltransplantation (aHSZT). Sie betrifft vor allem die Augenoberfläche und führt zu einem schweren, rapide fortschreitenden hyposekretorischen und evaporativen Trockenen Auge sowie schweren entzündlichen Reaktionen.

Der wichtigste Risikofaktor für die Entwicklung einer okulären GvHD ist das Vorliegen einer systemischen GvHD (insbesondere der Haut). Weitere diskutierte Risikofaktoren sind ein präexistenter Verlust von Meibomdrüsen, Diabetes mellitus und klimatische Umgebungsbedingungen während der Transplantation.

Krankheitsformen und Schweregrade

Zur besseren Diagnose und Therapiesteuerung soll die Erkrankung in eine akute und chronische Form eingeteilt werden.

  • Akute okuläre GvHD: Tritt meist innerhalb der ersten 100 Tage nach aHSZT auf (bei ca. 10 % der Patienten). Zeigt sich als sich schnell verschlechternde pseudomembranöse Entzündung.
  • Chronische okuläre GvHD: Beginnt schleichend, durchschnittlich 6 bis 24 Monate nach aHSZT (bei 50-80 % der Patienten). Der Beginn fällt oft mit dem Ausschleichen der systemischen Immunsuppression zusammen.

Stadieneinteilung der akuten GvHD (nach Jabs et al.)

StadiumKlinisches Bild
IKonjunktivale Hyperämie
IIHyperämie und Chemosis und/oder serosanguinöses Exsudat
IIIPseudomembranöse Konjunktivitis
IVPseudomembranöse Konjunktivitis und korneale epitheliale Ablösungen

Schweregradeinteilung der chronischen GvHD (nach NIH)

GradKlinisches Bild
0Keine Symptome
1Milde Symptome oder asymptomatisch (Tränenersatzmittel < 3x/Tag)
2Moderate Symptome, Alltag teilweise beeinträchtigt (Tropfen >3x/Tag oder Plugs), keine neue Sehverschlechterung
3Schwere Symptome, Alltag signifikant beeinträchtigt, Arbeitsunfähigkeit oder Sehverschlechterung durch Keratitis

Diagnostik und Screening

Eine topische immunsuppressive Prophylaxe sollte nicht erfolgen, da die Evidenz fehlt und Nebenwirkungen nachteilig sein können. Stattdessen ist ein engmaschiges Screening entscheidend.

Empfohlene Untersuchungszeitpunkte:

  • Vor der aHSZT (Screeninguntersuchung)
  • Nach der aHSZT bei beschwerdefreien Patienten: nach 3, 12 und 24 Monaten
  • Bei Auftreten von Augenbeschwerden: zeitnah

Mindestanforderungen an die Untersuchung:

  • Bestimmung der Sehschärfe (beste Korrektur)
  • Schirmertest (bei Kindern eher verzichten, um Adhärenz nicht zu gefährden)
  • Spaltlampenuntersuchung der vorderen Augenabschnitte (inkl. Vitalfärbung, Meibomdrüsenexpression, Ektropionieren der Lider)
  • Messung des Augeninnendrucks
  • Untersuchung des zentralen Fundus (zumindest bei Erstuntersuchung)

Therapie

Die Behandlung soll frühzeitig erfolgen und kann bereits bei Verdacht auf eine beginnende okuläre GvHD initiiert werden. Die Therapie erfolgt in der Regel ambulant; bei schweren Komplikationen (z. B. Hornhautulkus) stationär.

StufeTherapiemaßnahmeBemerkung
BasistherapieTränenersatzmittel, Lidrandpflege, VerdunstungsschutzbrillenSollen als Basis verordnet werden
Frühzeitige EskalationTopische Kortikosteroide, topisches CiclosporinKontrollen von Hornhautepithel und Augeninnendruck zwingend erforderlich
Bei EntzündungskontrollePunctum plugsNur unter ausreichender Behandlung der Entzündungsreaktion einsetzen
Bei Zunahme der SchädigungSkleralkontaktlinsen, autologe/allogene Serumaugentropfen, Insulin-AugentropfenTrotz benetzender und anti-entzündlicher Therapie
Schwere KomplikationenAmnionmembran- oder Hornhaut(teil)transplantationBei Ulzerationen und persistierenden Epitheldefekten

Bei einer Verschlechterung der okulären Oberfläche sollte frühzeitig mit den behandelnden Hämato-Onkologen eine Erhöhung der systemischen Immunsuppression besprochen werden.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei asymptomatischen Patienten nach aHSZT unaufgefordert Screening-Untersuchungen nach 3, 12 und 24 Monaten durch. Verzichten Sie bei Kindern ggf. auf den Schirmer-Test, um die Compliance für die restliche Untersuchung zu erhalten.

Häufig gestellte Fragen

Die akute Form tritt meist innerhalb der ersten 100 Tage nach der Stammzelltransplantation auf. Die chronische Form beginnt schleichend, durchschnittlich 6 bis 24 Monate nach der Transplantation, oft zeitgleich mit dem Ausschleichen der systemischen Immunsuppression.
Nein, eine topische immunsuppressive Prophylaxe sollte laut Leitlinie nicht erfolgen, da keine ausreichende Evidenz vorliegt und mögliche Nebenwirkungen überwiegen.
Zwingend erforderlich sind die Bestimmung der Sehschärfe, der Schirmertest, eine Spaltlampenuntersuchung (inkl. Vitalfärbung und Meibomdrüsenexpression), die Messung des Augeninnendrucks sowie initial eine Fundusuntersuchung.
Punctum Plugs sollten erst dann eingesetzt werden, wenn die begleitende Entzündungsreaktion der Augenoberfläche ausreichend medikamentös behandelt und kontrolliert ist.

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