WHO2022

Hepatitis C bei Kindern: DAA-Therapie und Diagnostik

Diese Leitlinie stammt aus 2022 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO (2022)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die WHO-Leitlinie (2022) adressiert die globale Herausforderung der Hepatitis-C-Elimination durch vereinfachte Versorgungsmodelle und erweiterte Therapieindikationen. Weltweit sind Millionen Menschen chronisch infiziert, wobei ein großer Teil der Diagnosen und Behandlungen aussteht.

Um die Test- und Behandlungsraten zu steigern, fokussiert das Dokument auf eine radikale Vereinfachung der Behandlungspfade. Dies schließt die Dezentralisierung der Versorgung und die Integration in bestehende Gesundheitseinrichtungen ein.

Zudem wird die Behandlungslücke bei pädiatrischen Fällen geschlossen. Die Zulassung pangenotypischer direkt wirkender Antiviralia (DAA) ermöglicht nun auch bei Kindern und Jugendlichen eine hochwirksame, kurzzeitige und gut verträgliche Therapie.

Empfehlungen

Diagnostik und Screening

Laut Leitlinie wird bei einem positiven HCV-Antikörpertest direkt im Anschluss ein quantitativer oder qualitativer HCV-RNA-NAT-Test empfohlen (starke Empfehlung). Dies dient der Bestätigung einer virämischen Infektion.

Als alternative Methoden zur Diagnosesicherung nennt die Leitlinie:

  • HCV-Core-Antigen-Tests (cAg) bei vergleichbarer klinischer Sensitivität (bedingte Empfehlung)

  • Point-of-Care (POC) HCV-RNA-NAT-Assays (bedingte Empfehlung)

Zudem wird ein Reflex-Testing bei positiven Antikörperbefunden empfohlen, um die Anbindung an die Therapie zu verbessern. Dies kann laborbasiert oder direkt in der Klinik durch sofortige erneute Probenentnahme erfolgen.

Therapieindikationen

Es wird empfohlen, alle Erwachsenen, Jugendlichen und Kinder ab 3 Jahren mit chronischer HCV-Infektion unabhängig vom Krankheitsstadium zu behandeln. Für Erwachsene, Jugendliche (12–17 Jahre) und ältere Kinder (6–11 Jahre) gilt dies als starke Empfehlung.

Für jüngere Kinder im Alter von 3 bis 5 Jahren spricht die Leitlinie eine bedingte Empfehlung aus. Die Therapie erfolgt mit pangenotypischen DAA-Regimen.

Versorgungsstrukturen

Zur Verbesserung des Zugangs empfiehlt die Leitlinie eine Dezentralisierung der HCV-Testung und -Behandlung. Diese Leistungen sollten an peripheren oder gemeindenahen Einrichtungen wie Hausarztpraxen, Gefängnissen oder HIV-Kliniken angeboten werden (starke Empfehlung).

Darüber hinaus wird ein Task-Sharing empfohlen. Die Testung und Behandlung kann demnach durch geschulte, nicht-spezialisierte Ärzte und Pflegekräfte erfolgen (starke Empfehlung).

Therapiemonitoring

Zur Überprüfung des Therapieerfolgs (SVR12 oder SVR24) wird ein laborbasierter HCV-RNA-NAT-Test empfohlen (bedingte Empfehlung). Alternativ können POC-HCV-RNA-Assays mit vergleichbarer Nachweisgrenze verwendet werden.

Dosierung

Die Leitlinie gibt folgende gewichtsadaptierte Dosierungen für pangenotypische DAA-Regime an:

MedikamentGewichtsklasseTagesdosis
Sofosbuvir/Daclatasvir> 26 kg400/60 mg
Sofosbuvir/Daclatasvir14 bis 25 kg200/30 mg
Sofosbuvir/Velpatasvir> 30 kg400/100 mg
Sofosbuvir/Velpatasvir17 bis 29 kg200/50 mg
Sofosbuvir/Velpatasvir< 17 kg150/37,5 mg
Glecaprevir/Pibrentasvir> 45 kg300/120 mg
Glecaprevir/Pibrentasvir30 bis < 45 kg250/100 mg
Glecaprevir/Pibrentasvir20 bis < 30 kg200/80 mg
Glecaprevir/Pibrentasvir< 20 kg150/60 mg

Die Standardtherapiedauer beträgt für Patienten ohne Zirrhose 12 Wochen bei Sofosbuvir-basierten Regimen und 8 Wochen bei Glecaprevir/Pibrentasvir. Bei kompensierter Zirrhose oder Vorbehandlung kann eine Verlängerung auf 24 Wochen (bei Sofosbuvir/Daclatasvir) erforderlich sein.

Kontraindikationen

Laut Leitlinie ist das Regime Glecaprevir/Pibrentasvir bei Personen mit dekompensierter Zirrhose (Child-Pugh Klasse C) kontraindiziert. Grund hierfür ist die hohe Exposition gegenüber dem Proteaseinhibitor.

Zudem wird darauf hingewiesen, dass Ribavirin teratogen wirkt und in der Schwangerschaft kontraindiziert ist. Dies ist besonders bei weiblichen Jugendlichen mit ungeplanter Schwangerschaft relevant.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein zentraler Praxisaspekt der Leitlinie ist die Vermeidung von Überweisungsverlusten durch das sogenannte Reflex-Testing. Es wird empfohlen, bei einem positiven HCV-Antikörper-Schnelltest noch in derselben Sitzung eine Probe für den bestätigenden RNA-Test zu entnehmen. Zudem betont die Leitlinie, dass die unkomplizierte DAA-Therapie sicher durch geschulte Hausärzte delegiert werden kann, was die Behandlungsbarrieren für marginalisierte Gruppen deutlich senkt.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt den Beginn einer antiviralen Therapie mit pangenotypischen DAA-Regimen bereits ab einem Alter von 3 Jahren. Für diese Altersgruppe wird eine bedingte Empfehlung ausgesprochen, während für Kinder ab 6 Jahren eine starke Empfehlung gilt.

Es werden primär die pangenotypischen Kombinationen Sofosbuvir/Daclatasvir, Sofosbuvir/Velpatasvir und Glecaprevir/Pibrentasvir empfohlen. Die Auswahl und Dosierung richten sich laut Leitlinie nach dem Körpergewicht der pädiatrischen Patienten.

Ja, die Leitlinie spricht eine starke Empfehlung für das Task-Sharing aus. Demnach können geschulte, nicht-spezialisierte Ärzte und Pflegekräfte die HCV-Testung und -Behandlung sicher und effektiv übernehmen.

Die Leitlinie empfiehlt die Bestimmung der Sustained Virological Response (SVR) 12 Wochen nach Abschluss der antiviralen Therapie. Hierfür sollte ein laborbasierter HCV-RNA-NAT-Test oder ein vergleichbarer Point-of-Care-Test genutzt werden.

Beim Reflex-Testing wird nach einem positiven Antikörper-Suchtest automatisch und ohne weiteren Arzttermin ein bestätigender HCV-RNA-Test veranlasst. Die Leitlinie empfiehlt dieses Vorgehen, um den Diagnoseprozess zu beschleunigen und Therapieabbrüche zu verhindern.

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Quelle: Updated recommendations on treatment of adolescents and children with chronic HCV infection, and HCV simplified service delivery and diagnostics  (WHO, 2022). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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