Hepatitis B & C Diagnostik: Leitlinie (WHO)
📋Auf einen Blick
- •Gezielte Testung wird primär für Risikogruppen, bei klinischem Verdacht und für Kontaktpersonen empfohlen.
- •In Populationen mit einer Prävalenz von ≥2 % oder ≥5 % soll der Allgemeinbevölkerung eine routinemäßige Testung angeboten werden.
- •Die Erstdiagnostik erfolgt mittels serologischem Nachweis von HBsAg bzw. HCV-Antikörpern (Schnelltest oder Labor-Immunoassay).
- •Ein positiver serologischer Befund muss durch einen Nukleinsäuretest (NAT) auf HBV-DNA bzw. HCV-RNA bestätigt werden.
- •Für das Therapiemonitoring und den Nachweis der Ausheilung (SVR) bei HCV ist ebenfalls die NAT-Diagnostik entscheidend.
Hintergrund
Weltweit sind schätzungsweise 248 Millionen Menschen chronisch mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV) und 110 Millionen mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) infiziert, wovon 80 Millionen eine aktive virämische Infektion aufweisen. Die WHO-Leitlinie definiert evidenzbasierte Strategien zur Testung, um infizierte Personen frühzeitig zu identifizieren, an Behandlungsangebote anzubinden und die Transmission zu reduzieren.
Indikation zur Testung
Die WHO empfiehlt primär eine gezielte Testung von Risikogruppen. In Regionen mit höherer Prävalenz sollte eine Ausweitung auf die Allgemeinbevölkerung erfolgen.
| Zielgruppe | Hepatitis B (HBV) | Hepatitis C (HCV) |
|---|---|---|
| Risikogruppen | Starke Empfehlung: Personen mit hohem Risiko, klinischem Verdacht, Kontaktpersonen, medizinisches Personal | Starke Empfehlung: Personen mit hohem Risiko, klinischem Verdacht |
| Allgemeinbevölkerung | Bedingte Empfehlung: Bei HBsAg-Prävalenz ≥2 % oder ≥5 % | Bedingte Empfehlung: Bei HCV-AK-Prävalenz ≥2 % oder ≥5 % |
| Schwangere | Starke Empfehlung: Routinetestung bei Prävalenz ≥2 % oder ≥5 % | Keine Routinetestung empfohlen |
| Blutspender | Obligatorisches Screening | Obligatorisches Screening |
| Geburtskohorten | Nicht spezifisch empfohlen | Bedingte Empfehlung: Für spezifische ältere Kohorten mit erhöhtem Risiko |
Diagnostik-Algorithmus Hepatitis B
Die Diagnose der chronischen Hepatitis B erfordert eine stufenweise Abklärung:
- Serologisches Screening: Bestimmung des Hepatitis-B-Oberflächenantigens (HBsAg) mittels Schnelltest (RDT) oder Labor-Immunoassay (EIA, CLIA, ECL).
- Teststrategie: In Populationen mit HBsAg-Prävalenz ≥0,4 % reicht ein einzelner Test. Bei Prävalenz <0,4 % kann eine Bestätigung durch einen Neutralisationstest oder einen zweiten RDT erwogen werden.
- Bestätigung der Virämie: Bei positivem HBsAg folgt zwingend ein quantitativer oder qualitativer Nukleinsäuretest (NAT) auf HBV-DNA, um die Behandlungsindikation zu stellen.
- Staging: Beurteilung der Leberfibrose/-zirrhose mittels klinischer Kriterien oder nicht-invasiver Tests (z. B. APRI-Score >2 oder transiente Elastographie).
Diagnostik-Algorithmus Hepatitis C
Für die Diagnose einer aktiven HCV-Infektion gilt folgender Ablauf:
- Serologisches Screening: Bestimmung von HCV-Antikörpern (Anti-HCV) mittels RDT oder Labor-Immunoassay. Ein einzelner Test ist für die initiale Detektion ausreichend.
- Bestätigung der Virämie: Bei reaktivem Anti-HCV-Befund ist zwingend ein NAT auf HCV-RNA (quantitativ oder qualitativ) erforderlich. Alternativ kann das HCV-Core-Antigen (cAg) bestimmt werden.
- Staging: Beurteilung der Lebererkrankung (APRI-Score, transiente Elastographie) vor Therapiebeginn mit Direct-Acting Antivirals (DAA).
Therapiemonitoring und Verlaufskontrolle
| Parameter | Hepatitis B | Hepatitis C |
|---|---|---|
| Therapieansprechen | Jährliche Kontrolle von ALT, HBsAg, HBeAg und HBV-DNA. | SVR-Bestimmung (Sustained Virological Response) 12 oder 24 Wochen nach Therapieende mittels HCV-RNA NAT. |
| Lebererkrankung | Jährliches Staging (APRI/Elastographie) bei Patienten ohne Zirrhose. | Ultraschall und Alpha-Fetoprotein (AFP) alle 6 Monate bei Zirrhose zur HCC-Früherkennung. |
| Engmaschigere Kontrolle | Bei Zirrhose, HIV-Koinfektion, schwankender HBV-DNA (2.000-20.000 IU/ml) oder nach Therapieabbruch. | Abhängig vom Zirrhosestatus und Komorbiditäten. |
Alternative Probenentnahme (Dried Blood Spot)
In ressourcenlimitierten Settings, in denen keine venöse Blutentnahme möglich ist oder RDTs fehlen (z. B. im Drogenentzug oder in Gefängnissen), kann die Verwendung von Dried Blood Spot (DBS)-Proben erwogen werden. Dies gilt sowohl für die serologische Testung (HBsAg, Anti-HCV) als auch für den NAT-Nachweis (HBV-DNA, HCV-RNA).
💡Praxis-Tipp
Ein positiver HCV-Antikörper-Test beweist keine aktive Infektion, sondern nur einen Kontakt mit dem Virus. Bestätigen Sie eine behandlungsbedürftige Virämie immer durch eine HCV-RNA-Bestimmung (NAT), bevor Sie eine DAA-Therapie evaluieren.