Hepatitis B und C: Diagnostik und Screening-Empfehlung

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO (2024)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Hepatitis-B- (HBV) und Hepatitis-C-Viren (HCV) sind weltweit eine der Hauptursachen für akute und chronische Lebererkrankungen. Laut der WHO-Leitlinie bleiben die meisten Infektionen unerkannt, was häufig zu einer späten Diagnose im Stadium der Leberzirrhose oder des hepatozellulären Karzinoms führt.

Eine frühzeitige Diagnosestellung ist entscheidend, um Betroffenen den Zugang zu lebensrettenden Therapien zu ermöglichen. Die Leitlinie betont, dass durch moderne direkt wirkende antivirale Medikamente (DAA) bei HCV hohe Heilungsraten erzielt werden können.

Zudem bietet die Testung die Möglichkeit, präventive Maßnahmen wie die Hepatitis-B-Impfung für Kontaktpersonen einzuleiten. Die vorliegende Zusammenfassung fokussiert sich auf die strategische Ausrichtung der Testung in verschiedenen Prävalenzgebieten.

Empfehlungen

Die WHO-Leitlinie formuliert spezifische Empfehlungen zur Identifikation und Diagnostik von chronischen Virushepatitiden.

Indikation zur Testung

Laut Leitlinie wird in Regionen mit einer HBsAg- oder HCV-Antikörper-Prävalenz von mindestens 2 % bis 5 % eine routinemäßige Testung der Allgemeinbevölkerung empfohlen (bedingte Empfehlung). Bei Hepatitis B schließt dies die routinemäßige Testung aller schwangeren Frauen ein (starke Empfehlung).

Unabhängig von der regionalen Prävalenz wird eine gezielte Testung von Hochrisikogruppen empfohlen (starke Empfehlung). Dazu zählen unter anderem Personen, die Drogen injizieren (PWID), Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), sowie Inhaftierte und HIV-Infizierte.

Für Hepatitis C kann gemäß Leitlinie zudem eine Testung spezifischer Geburtskohorten erwogen werden. Dies betrifft ältere Personengruppen mit historisch bedingt hohem Infektionsrisiko.

Testformate im Vergleich

Die Leitlinie vergleicht verschiedene Testformate für die serologische Diagnostik. Die Wahl hängt von der Infrastruktur und dem Zugang zur Zielgruppe ab.

TestformatProbenmaterialVorteileNachteile
Schnelltest (RDT)Kapillarblut, SpeichelSchnelles Ergebnis, kein Labor nötigGeringere analytische Sensitivität
Labor-Immunoassay (EIA/CLIA)Serum, PlasmaHoher Durchsatz, sehr hohe SensitivitätVenöse Blutentnahme und Laborinfrastruktur zwingend

Diagnostik bei Hepatitis B

Für die Diagnose einer chronischen HBV-Infektion wird ein serologischer Test auf HBsAg mittels Schnelltest (RDT) oder Labor-Immunoassay empfohlen. In Populationen mit einer Prävalenz von mindestens 0,4 % ist laut Leitlinie ein einzelner serologischer Test ausreichend.

Bei einer Prävalenz von unter 0,4 % kann eine Bestätigung durch einen Neutralisationstest oder einen zweiten RDT erwogen werden. Auf ein positives HBsAg-Ergebnis sollte direkt ein Nukleinsäure-Amplifikationstest (NAT) zur Bestimmung der HBV-DNA folgen, um die Therapieindikation zu prüfen.

Diagnostik bei Hepatitis C

Die Leitlinie empfiehlt zur initialen Feststellung einer HCV-Exposition einen einzelnen serologischen Test auf HCV-Antikörper. Bei einem reaktiven Ergebnis wird die direkte Durchführung einer qualitativen oder quantitativen NAT auf HCV-RNA empfohlen (starke Empfehlung).

Alternativ zur NAT kann ein Test auf das HCV-Core-Antigen (cAg) erwogen werden, sofern dieser eine vergleichbare klinische Sensitivität aufweist.

Monitoring und Nachsorge

Bei einer chronischen HBV-Infektion wird eine mindestens jährliche Kontrolle von ALT, HBsAg, HBeAg, HBV-DNA sowie eine nicht-invasive Beurteilung der Leberfibrose empfohlen.

Zur Beurteilung des Therapieerfolgs bei Hepatitis C (Test of Cure) soll laut Leitlinie 12 oder 24 Wochen nach Abschluss der antiviralen Therapie eine NAT auf HCV-RNA erfolgen.

Um den Zugang zur Diagnostik zu erleichtern, kann die Verwendung von Trockenblutkarten (Dried Blood Spots, DBS) erwogen werden. Dies wird insbesondere für Settings ohne venöse Blutentnahmemöglichkeiten empfohlen.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie warnt vor dem Risiko einer HBV-Reaktivierung während oder nach einer erfolgreichen HCV-Therapie mit direkt wirkenden antiviralen Medikamenten (DAA). Es wird daher dringend empfohlen, vor Beginn einer DAA-Therapie den HBV-Status (HBsAg, anti-HBc, anti-HBs) zu erheben. Bei positivem HBsAg sollte die HBV-DNA bestimmt werden, um die Indikation für eine gleichzeitige HBV-Therapie zu prüfen.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird eine Ein-Test-Strategie für Populationen mit einer HBsAg-Prävalenz von mindestens 0,4 % empfohlen. Bei einer geringeren Prävalenz kann ein Bestätigungstest sinnvoll sein, um falsch-positive Ergebnisse zu reduzieren.

Auf einen positiven HCV-Antikörpertest sollte gemäß Leitlinie immer ein Nukleinsäure-Amplifikationstest (NAT) auf HCV-RNA folgen. Alternativ kann ein Test auf das HCV-Core-Antigen durchgeführt werden.

Die Leitlinie empfiehlt, den Heilungserfolg (Sustained Virologic Response, SVR) 12 oder 24 Wochen nach Abschluss der antiviralen Therapie zu überprüfen. Hierfür soll ein qualitativer oder quantitativer NAT-Test auf HCV-RNA verwendet werden.

Der Einsatz von Trockenblutkarten wird für Settings empfohlen, in denen keine venöse Blutentnahme möglich ist oder RDTs nicht verfügbar sind. Sie erleichtern den Zugang zur serologischen und molekularen Testung bei schwer erreichbaren Risikogruppen.

Es wird eine mindestens jährliche Kontrolle von Leberwerten (ALT), HBsAg, HBeAg und HBV-DNA empfohlen. Bei Patienten mit fortgeschrittener Lebererkrankung oder unter laufender Therapie ist laut Leitlinie ein engmaschigeres Monitoring indiziert.

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Quelle: WHO Guidelines on Hepatitis B and C Testing (WHO, 2024). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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