Hepatitis C Management: Leitlinie (SIGN)
📋Auf einen Blick
- •Genotyp 1 wird standardmäßig mit einer Triple-Therapie aus pegyliertem Interferon, Ribavirin und einem Proteaseinhibitor behandelt.
- •Für die Genotypen 2 und 3 wird eine Dual-Therapie mit pegyliertem Interferon und Ribavirin über 24 Wochen empfohlen.
- •Eine Leberbiopsie ist vor Beginn einer antiviralen Therapie nicht zwingend erforderlich, insbesondere bei Genotyp 2 und 3.
- •Bei akuter Hepatitis C sollte 3 bis 6 Monate auf eine spontane Ausheilung gewartet werden, bevor eine 24-wöchige Interferon-Therapie startet.
- •Ribavirin ist streng teratogen; eine Schwangerschaft muss vor Therapiebeginn zwingend ausgeschlossen werden.
Hintergrund
Die Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) verläuft in bis zu 80 % der Fälle chronisch. Ohne Therapie entwickeln 5 bis 15 % der chronisch Infizierten über einen Zeitraum von 20 Jahren eine Leberzirrhose. Zu den Hauptübertragungswegen zählen der gemeinsame Gebrauch von Injektionszubehör bei Drogenkonsum sowie (historisch vor 1991) Blutprodukte.
Faktoren, die eine Krankheitsprogression beschleunigen, sind:
- Alter > 40 Jahre bei Infektion
- Männliches Geschlecht
- Alkoholkonsum (auch in moderaten Mengen)
- HIV- oder HBV-Koinfektion
Diagnostik und Screening
Ein generelles Bevölkerungsscreening wird nicht empfohlen. Die Testung sollte zielgerichtet bei Risikogruppen erfolgen.
| Zielgruppe für HCV-Testung | Begründung / Risikofaktor |
|---|---|
| Drogenkonsumenten | Aktueller oder ehemaliger intravenöser Konsum |
| HIV-Positive | Erhöhtes Risiko für Koinfektion und rasche Progression |
| Empfänger von Blutprodukten | Erhalt von Blut/Blutprodukten vor September 1991 |
| Kinder HCV-positiver Mütter | Vertikales Übertragungsrisiko (ca. 5 %) |
| Medizinisches Personal | Nach Nadelstichverletzung mit HCV-Verdacht |
Empfehlungen zur Diagnostik:
- Grad B: Die Diagnostik sollte primär aus Serum oder Plasma erfolgen.
- Grad D: Die Trockenbluttestung (Dried Blood Spot) ist eine kosteneffektive und praktische Methode für schwer erreichbare Zielgruppen.
- Grad D: Vor Beginn einer antiviralen Therapie muss eine Genotypisierung erfolgen.
- Grad D: Eine Leberbiopsie ist vor einer antiviralen Therapie nicht zwingend erforderlich, insbesondere bei den Genotypen 2 und 3.
Therapie der chronischen Hepatitis C
Das Ziel der Behandlung ist das Erreichen eines dauerhaften virologischen Ansprechens (Sustained Viral Response, SVR). Die Therapieauswahl und -dauer richten sich maßgeblich nach dem HCV-Genotyp.
| Genotyp | Standardtherapie | Dauer | Evidenzgrad |
|---|---|---|---|
| Genotyp 1 | Triple-Therapie: Peg-IFN + Ribavirin + Proteaseinhibitor (Boceprevir/Telaprevir) | Response-gesteuert (bis zu 48 Wochen) | Grad A |
| Genotyp 2 & 3 | Dual-Therapie: Peg-IFN + Ribavirin | 24 Wochen (bei frühem Ansprechen evtl. 12-16 Wochen) | Grad A |
| Genotyp 4, 5 & 6 | Dual-Therapie: Peg-IFN + Ribavirin | 48 Wochen | Grad A |
Hinweis: Peg-IFN = Pegyliertes Interferon alfa.
Therapie bei Genotyp 1:
- Grad A: Alle therapienaiven und vorbehandelten Patienten mit Genotyp 1 sollten für eine Triple-Therapie evaluiert werden.
- Grad A: Bei fehlendem frühen virologischen Ansprechen (EVR) nach 12 Wochen sollte die Therapie abgebrochen werden.
Akute Hepatitis C
Die akute Hepatitis C verläuft meist asymptomatisch. Eine spontane Ausheilung tritt bei 30 bis 50 % der symptomatischen Patienten auf, meist innerhalb der ersten drei Monate.
- Grad D: Bei akuter Infektion sollte 3 bis 6 Monate abgewartet werden, ob eine spontane Viruselimination eintritt.
- Grad A: Erfolgt keine spontane Ausheilung, sollte eine Interferon-Therapie eingeleitet werden.
- Grad D: Die Behandlungsdauer beträgt unabhängig vom Genotyp 24 Wochen.
Besondere Patientengruppen
HIV-Koinfektion
Patienten mit einer HIV-Koinfektion haben ein deutlich erhöhtes Risiko für eine rasche Lebererkrankungsprogression.
- Grad A: Alle koinfizierten Patienten sollten für eine HCV-Therapie in Betracht gezogen werden.
- Grad C: Bei Genotyp 1 sollte eine Triple-Therapie mit einem Proteaseinhibitor erwogen werden.
Kinder
- Grad A: Kinder mit moderater bis schwerer Lebererkrankung (alle Genotypen) sollten mit Peg-IFN und Ribavirin behandelt werden.
- Grad B: Kinder mit Genotyp 2 und 3 sollten unabhängig vom Krankheitsstadium behandelt werden.
Drogenkonsumenten
- Grad B: Patienten in Drogenersatzprogrammen sollten für eine Therapie evaluiert werden. Aktiver Drogenkonsum ist per se kein Ausschlusskriterium.
Kontraindikationen und Nebenwirkungen
Schwangerschaft: Pegyliertes Interferon und Ribavirin dürfen schwangeren Frauen nicht verschrieben werden. Ribavirin ist stark teratogen. Während der Therapie und für sechs Monate danach müssen zwei sichere Verhütungsmethoden angewendet werden.
Nebenwirkungsmanagement:
- Grad D: Grippeähnliche Symptome (Fieber, Myalgie, Kopfschmerzen) treten bei fast allen Patienten auf. Paracetamol und ausreichende Flüssigkeitszufuhr werden empfohlen.
- Grad D: Injektionen sollten idealerweise vor Ruhephasen (z. B. am Wochenende) verabreicht werden.
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie bei Patienten mit schlechtem Venenstatus oder in Drogenersatzprogrammen die Trockenblutkarte (Dried Blood Spot) als einfache und kosteneffektive Screening-Methode.