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Scottish Intercollegiate Guidelines Network (SIGN)2013InfektiologieInnere Medizin

Hepatitis C Management: Leitlinie (SIGN)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Scottish Intercollegiate Guidelines Network (SIGN) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Genotyp 1 wird standardmäßig mit einer Triple-Therapie aus pegyliertem Interferon, Ribavirin und einem Proteaseinhibitor behandelt.
  • Für die Genotypen 2 und 3 wird eine Dual-Therapie mit pegyliertem Interferon und Ribavirin über 24 Wochen empfohlen.
  • Eine Leberbiopsie ist vor Beginn einer antiviralen Therapie nicht zwingend erforderlich, insbesondere bei Genotyp 2 und 3.
  • Bei akuter Hepatitis C sollte 3 bis 6 Monate auf eine spontane Ausheilung gewartet werden, bevor eine 24-wöchige Interferon-Therapie startet.
  • Ribavirin ist streng teratogen; eine Schwangerschaft muss vor Therapiebeginn zwingend ausgeschlossen werden.
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Hintergrund

Die Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) verläuft in bis zu 80 % der Fälle chronisch. Ohne Therapie entwickeln 5 bis 15 % der chronisch Infizierten über einen Zeitraum von 20 Jahren eine Leberzirrhose. Zu den Hauptübertragungswegen zählen der gemeinsame Gebrauch von Injektionszubehör bei Drogenkonsum sowie (historisch vor 1991) Blutprodukte.

Faktoren, die eine Krankheitsprogression beschleunigen, sind:

  • Alter > 40 Jahre bei Infektion
  • Männliches Geschlecht
  • Alkoholkonsum (auch in moderaten Mengen)
  • HIV- oder HBV-Koinfektion

Diagnostik und Screening

Ein generelles Bevölkerungsscreening wird nicht empfohlen. Die Testung sollte zielgerichtet bei Risikogruppen erfolgen.

Zielgruppe für HCV-TestungBegründung / Risikofaktor
DrogenkonsumentenAktueller oder ehemaliger intravenöser Konsum
HIV-PositiveErhöhtes Risiko für Koinfektion und rasche Progression
Empfänger von BlutproduktenErhalt von Blut/Blutprodukten vor September 1991
Kinder HCV-positiver MütterVertikales Übertragungsrisiko (ca. 5 %)
Medizinisches PersonalNach Nadelstichverletzung mit HCV-Verdacht

Empfehlungen zur Diagnostik:

  • Grad B: Die Diagnostik sollte primär aus Serum oder Plasma erfolgen.
  • Grad D: Die Trockenbluttestung (Dried Blood Spot) ist eine kosteneffektive und praktische Methode für schwer erreichbare Zielgruppen.
  • Grad D: Vor Beginn einer antiviralen Therapie muss eine Genotypisierung erfolgen.
  • Grad D: Eine Leberbiopsie ist vor einer antiviralen Therapie nicht zwingend erforderlich, insbesondere bei den Genotypen 2 und 3.

Therapie der chronischen Hepatitis C

Das Ziel der Behandlung ist das Erreichen eines dauerhaften virologischen Ansprechens (Sustained Viral Response, SVR). Die Therapieauswahl und -dauer richten sich maßgeblich nach dem HCV-Genotyp.

GenotypStandardtherapieDauerEvidenzgrad
Genotyp 1Triple-Therapie: Peg-IFN + Ribavirin + Proteaseinhibitor (Boceprevir/Telaprevir)Response-gesteuert (bis zu 48 Wochen)Grad A
Genotyp 2 & 3Dual-Therapie: Peg-IFN + Ribavirin24 Wochen (bei frühem Ansprechen evtl. 12-16 Wochen)Grad A
Genotyp 4, 5 & 6Dual-Therapie: Peg-IFN + Ribavirin48 WochenGrad A

Hinweis: Peg-IFN = Pegyliertes Interferon alfa.

Therapie bei Genotyp 1:

  • Grad A: Alle therapienaiven und vorbehandelten Patienten mit Genotyp 1 sollten für eine Triple-Therapie evaluiert werden.
  • Grad A: Bei fehlendem frühen virologischen Ansprechen (EVR) nach 12 Wochen sollte die Therapie abgebrochen werden.

Akute Hepatitis C

Die akute Hepatitis C verläuft meist asymptomatisch. Eine spontane Ausheilung tritt bei 30 bis 50 % der symptomatischen Patienten auf, meist innerhalb der ersten drei Monate.

  • Grad D: Bei akuter Infektion sollte 3 bis 6 Monate abgewartet werden, ob eine spontane Viruselimination eintritt.
  • Grad A: Erfolgt keine spontane Ausheilung, sollte eine Interferon-Therapie eingeleitet werden.
  • Grad D: Die Behandlungsdauer beträgt unabhängig vom Genotyp 24 Wochen.

Besondere Patientengruppen

HIV-Koinfektion

Patienten mit einer HIV-Koinfektion haben ein deutlich erhöhtes Risiko für eine rasche Lebererkrankungsprogression.

  • Grad A: Alle koinfizierten Patienten sollten für eine HCV-Therapie in Betracht gezogen werden.
  • Grad C: Bei Genotyp 1 sollte eine Triple-Therapie mit einem Proteaseinhibitor erwogen werden.

Kinder

  • Grad A: Kinder mit moderater bis schwerer Lebererkrankung (alle Genotypen) sollten mit Peg-IFN und Ribavirin behandelt werden.
  • Grad B: Kinder mit Genotyp 2 und 3 sollten unabhängig vom Krankheitsstadium behandelt werden.

Drogenkonsumenten

  • Grad B: Patienten in Drogenersatzprogrammen sollten für eine Therapie evaluiert werden. Aktiver Drogenkonsum ist per se kein Ausschlusskriterium.

Kontraindikationen und Nebenwirkungen

Schwangerschaft: Pegyliertes Interferon und Ribavirin dürfen schwangeren Frauen nicht verschrieben werden. Ribavirin ist stark teratogen. Während der Therapie und für sechs Monate danach müssen zwei sichere Verhütungsmethoden angewendet werden.

Nebenwirkungsmanagement:

  • Grad D: Grippeähnliche Symptome (Fieber, Myalgie, Kopfschmerzen) treten bei fast allen Patienten auf. Paracetamol und ausreichende Flüssigkeitszufuhr werden empfohlen.
  • Grad D: Injektionen sollten idealerweise vor Ruhephasen (z. B. am Wochenende) verabreicht werden.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie bei Patienten mit schlechtem Venenstatus oder in Drogenersatzprogrammen die Trockenblutkarte (Dried Blood Spot) als einfache und kosteneffektive Screening-Methode.

Häufig gestellte Fragen

Wenn die Infektion nicht innerhalb von 3 bis 6 Monaten nach Diagnosestellung spontan ausheilt, sollte eine 24-wöchige Interferon-Therapie erfolgen.
Nein, eine Leberbiopsie ist nicht essenziell, insbesondere nicht bei Patienten mit den Genotypen 2 und 3.
Therapie der Wahl ist eine Triple-Therapie bestehend aus pegyliertem Interferon, gewichtsadaptiertem Ribavirin und einem Proteaseinhibitor (Boceprevir oder Telaprevir).
Nein. Pegyliertes Interferon und Ribavirin sind in der Schwangerschaft kontraindiziert. Ribavirin wirkt stark teratogen.
Das Risiko ist sehr gering. Kondome werden jedoch für Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), sowie bei einer HIV-Koinfektion empfohlen.

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