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WHO2026

Hepatitis B und C: Prävention, Diagnostik & Therapie (WHO)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Alle Neugeborenen sollen innerhalb von 24 Stunden eine Hepatitis-B-Impfung erhalten.
  • Schwangere mit HBsAg-Nachweis und HBV-DNA ≥200.000 IU/ml sollen eine TDF-Prophylaxe erhalten.
  • Die Therapie der chronischen Hepatitis B erfolgt primär mit Tenofovir (TDF) oder Entecavir.
  • Für Hepatitis C wird eine pangenotypische DAA-Therapie für alle Patienten ab 3 Jahren empfohlen.
  • Bei Leberzirrhose ist eine lebenslange HBV-Therapie sowie ein HCC-Screening indiziert.
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Hintergrund

Die WHO-Leitlinie (2026) definiert globale Strategien zur Eliminierung von Virushepatitis als öffentliches Gesundheitsproblem bis 2030. Ziel ist eine Reduktion der Neuinfektionen um 90 % und der Mortalität um 65 %. Die Leitlinie fokussiert sich auf einen Public-Health-Ansatz mit vereinfachten, dezentralisierten Versorgungsstrukturen.

Prävention

Die primäre Prävention umfasst Impfungen, Infektionskontrolle und Harm-Reduction-Strategien.

MaßnahmeZielgruppeEmpfehlung
Hepatitis-B-ImpfungNeugeborene1. Dosis innerhalb von 24 Stunden nach Geburt, gefolgt von 2-3 weiteren Dosen.
Mutter-Kind-ÜbertragungSchwangereHBsAg-Screening für alle Schwangeren. Starke Empfehlung für antivirale Prophylaxe mit Tenofovir (TDF) ab dem 2. Trimenon bei HBV-DNA ≥200.000 IU/ml oder HBeAg-Positivität.
Harm ReductionIV-DrogenkonsumentenZugang zu sterilen Spritzen und Nadeln sowie Opioid-Agonisten-Therapie. Starke Empfehlung.
BlutsicherheitBlutspenderObligatorisches Screening aller Spenden auf HIV, HBV (HBsAg), HCV (Anti-HCV) und Syphilis.

Diagnostik und Testing

Die Diagnostik soll durch Reflex-Testing und Point-of-Care-Tests (POC) vereinfacht werden, um die Anbindung an die Therapie (Linkage to Care) zu verbessern.

VirusTeststrategieBestätigungsdiagnostik
Hepatitis BHBsAg-Serologie (RDT oder Labor)HBV-DNA (quantitativ oder qualitativ) zur Therapieentscheidung.
Hepatitis CAnti-HCV-SerologieHCV-RNA (Labor oder POC) oder HCV-Core-Antigen zum Nachweis einer virämischen Infektion.
Hepatitis DAnti-HDV-Antikörper bei HBsAg-PositivenHDV-RNA bei positivem Anti-HDV-Test.

Therapie der chronischen Hepatitis B

Die Therapieentscheidung basiert auf dem Fibrosegrad, der Viruslast und den Transaminasen. Als nicht-invasiver Test wird der APRI-Score oder die transiente Elastographie (TE) empfohlen.

Therapieindikationen (Erwachsene und Adoleszente)

Eine starke Empfehlung zur Therapie besteht bei:

  • Signifikanter Fibrose (≥F2: APRI >0.5 oder TE >7.0 kPa) oder Zirrhose (F4: APRI >1.0 oder TE >12.5 kPa), unabhängig von HBV-DNA oder ALT.
  • HBV-DNA >2.000 IU/ml und ALT über dem oberen Normwert (ULN: 30 U/l für Männer, 19 U/l für Frauen).
  • Koinfektionen (HIV, HCV, HDV), Familienanamnese für Leberkrebs/Zirrhose, Immunsuppression oder extrahepatischen Manifestationen.

Medikamentöse Therapie

WirkstoffIndikation / BesonderheitEmpfehlungsgrad
Tenofovir (TDF) oder EntecavirBevorzugte First-Line-Therapie (hohe genetische Barriere).Starke Empfehlung
Entecavir oder TAFBei Osteoporose, Niereninsuffizienz oder für Kinder/Adoleszente.Starke Empfehlung
Lamivudin, Adefovir, TelbivudinWegen niedriger genetischer Barriere und Resistenzgefahr nicht empfohlen.Starke Empfehlung (dagegen)

Die Therapie ist bei Zirrhose lebenslang durchzuführen (starke Empfehlung).

Therapie der chronischen Hepatitis C

Die WHO empfiehlt eine pangenotypische DAA-Therapie (Direct-Acting Antivirals) für alle Erwachsenen, Adoleszenten und Kinder ab 3 Jahren mit chronischer HCV-Infektion, unabhängig vom Krankheitsstadium (starke Empfehlung).

Empfohlene DAA-Regime

RegimeDauerZielgruppe
Sofosbuvir + Daclatasvir12 WochenOhne Zirrhose (24 Wochen bei Zirrhose/Therapieerfahrung).
Sofosbuvir + Velpatasvir12 WochenPangenotypisch.
Glecaprevir + Pibrentasvir8 WochenPangenotypisch.

Monitoring und HCC-Screening

Patienten unter HBV-Therapie sollen mindestens jährlich mittels APRI/TE, ALT, HBsAg und HBV-DNA überwacht werden.

Ein routinemäßiges Screening auf das hepatozelluläre Karzinom (HCC) mittels Abdomen-Sonographie und Alpha-Fetoprotein (AFP) alle 6 Monate wird empfohlen für:

  • Patienten mit Zirrhose (starke Empfehlung).
  • Patienten mit familiärer HCC-Anamnese (starke Empfehlung).

Versorgungsstrukturen (Service Delivery)

Zur Erhöhung der Reichweite empfiehlt die WHO:

  • Dezentralisierung: Testung und Therapie in peripheren Gesundheitseinrichtungen oder in der Primärversorgung.
  • Integration: Einbindung in bestehende HIV-, TB- oder Harm-Reduction-Programme.
  • Task-Sharing: Durchführung von Diagnostik und Therapie durch geschulte Nicht-Fachärzte und Pflegekräfte (starke Empfehlung).

💡Praxis-Tipp

Bestimmen Sie bei HBsAg-positiven Patienten stets den APRI-Score (>0,5 indiziert eine signifikante Fibrose) zur schnellen Therapieentscheidung. Nutzen Sie zudem Reflex-Testing bei positiver HCV-Serologie, um direkt aus derselben Probe die HCV-RNA anzufordern.

Häufig gestellte Fragen

Ein APRI-Score >0,5 spricht für eine signifikante Fibrose (≥F2) und stellt eine absolute Therapieindikation dar, unabhängig von Viruslast und ALT.
Empfohlen werden pangenotypische Regime: Sofosbuvir/Daclatasvir (12 Wochen), Sofosbuvir/Velpatasvir (12 Wochen) oder Glecaprevir/Pibrentasvir (8 Wochen).
Bei einer HBV-DNA ≥200.000 IU/ml oder positivem HBeAg sollte ab dem zweiten Trimenon eine Prophylaxe mit Tenofovir (TDF) erfolgen.
Alle Patienten mit Leberzirrhose oder familiärer HCC-Anamnese sollten alle 6 Monate mittels Ultraschall und Alpha-Fetoprotein (AFP) untersucht werden.

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