Gonorrhö, Chlamydien & Syphilis: Therapie & Diagnostik
Hintergrund
Sexuell übertragbare Infektionen (STI) wie Gonorrhö, Chlamydien und Syphilis verursachen weltweit eine erhebliche Morbidität. Die zunehmende Antibiotikaresistenz, insbesondere bei Neisseria gonorrhoeae, stellt eine wachsende therapeutische Herausforderung dar.
Die aktualisierte WHO-Leitlinie aus dem Jahr 2024 adressiert diese Resistenzentwicklungen durch angepasste Dosierungsempfehlungen. Zudem werden neue Strategien zur Syphilis-Testung und zum Partnermanagement vorgestellt.
Ziel ist es, die weltweiten STI-Raten bis 2030 drastisch zu senken und die kongenitale Syphilis als öffentliches Gesundheitsproblem zu eliminieren.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für die Diagnostik und Therapie sexuell übertragbarer Infektionen:
Syphilis-Testung
Es wird empfohlen, duale treponemale/nicht-treponemale Schnelltests (RDTs) als zusätzliche Strategie anzubieten (starke Empfehlung). Diese ermöglichen eine Unterscheidung zwischen aktiven und bereits behandelten Infektionen.
Zudem schlägt die Leitlinie vor, Syphilis-Selbsttests als weitere Option zur Verfügung zu stellen (bedingte Empfehlung). Dies soll die Testabdeckung in schwer erreichbaren Populationen erhöhen.
Therapie der Gonorrhö
Aufgrund steigender Resistenzen empfiehlt die Leitlinie bei unkomplizierter genitaler, anorektaler oder oropharyngealer Gonorrhö eine Monotherapie mit Ceftriaxon in einer erhöhten Dosis von 1 g intramuskulär (bedingte Empfehlung).
Bei Nichtverfügbarkeit wird Cefixim 800 mg oral mit anschließender Testung auf Heilung (Test of Cure) vorgeschlagen.
Therapie von Chlamydien
Für Erwachsene und Jugendliche mit unkomplizierten Chlamydien-Infektionen wird Doxycyclin als Erstlinientherapie empfohlen (bedingte Empfehlung). Azithromycin sollte aufgrund der Resistenzentwicklung bei anderen Erregern wie Mycoplasma genitalium als Reserve betrachtet werden.
STI-Partnermanagement
Die Leitlinie empfiehlt, Personen mit einer STI verschiedene freiwillige Optionen für das Partnermanagement anzubieten (starke Empfehlung).
Dazu gehören die einfache Patientenüberweisung, die anbietergestützte Überweisung oder die beschleunigte Partnertherapie (EPT). Zwang oder obligatorische Testungen werden strikt abgelehnt.
Dosierung
| Indikation | Medikament | Dosis | Dauer |
|---|---|---|---|
| Gonorrhö (unkompliziert) | Ceftriaxon | 1 g i.m. | Einmaldosis |
| Gonorrhö (Alternative) | Cefixim | 800 mg p.o. | Einmaldosis |
| Chlamydien (unkompliziert) | Doxycyclin | 100 mg p.o. (2x täglich) | 7 Tage |
| Chlamydien (Alternative / Schwangere) | Azithromycin | 1 g p.o. | Einmaldosis |
| Syphilis in der Schwangerschaft (Frühstadium) | Benzathin-Penicillin G | 2,4 Mio. IE i.m. | Einmaldosis |
| Syphilis in der Schwangerschaft (Spätstadium/unbekannt) | Benzathin-Penicillin G | 2,4 Mio. IE i.m. (1x wöchentlich) | 3 Wochen |
Kontraindikationen
Laut Leitlinie sind Doxycyclin, Tetracyclin und Ofloxacin bei schwangeren und stillenden Frauen kontraindiziert.
Bei der Behandlung der Syphilis in der Schwangerschaft wird darauf hingewiesen, dass Erythromycin die Plazentaschranke nicht vollständig passiert. Der Fötus wird dadurch nicht mitbehandelt, weshalb das Neugeborene direkt nach der Geburt behandelt werden muss.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Praxisaspekt der Leitlinie ist die Vermeidung von Azithromycin als Erstlinientherapie bei Chlamydien, um Resistenzen bei Mycoplasma genitalium vorzubeugen. Zudem wird betont, dass eine echte Penicillinallergie bei Schwangeren mit Syphilis sehr selten ist (unter 3 %) und Benzathin-Penicillin G die mit Abstand wirksamste Therapie zur Verhinderung einer kongenitalen Syphilis darstellt.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt als Erstlinientherapie eine intramuskuläre Einmaldosis von 1 g Ceftriaxon. Diese Dosiserhöhung dient der Überwindung zunehmender Antibiotikaresistenzen.
Bei schwangeren und stillenden Frauen wird eine orale Einmaldosis von 1 g Azithromycin empfohlen. Doxycyclin ist in dieser Patientengruppe kontraindiziert.
Es wird die Gabe von Benzathin-Penicillin G empfohlen. Bei Frühsyphilis erfolgt dies als Einmaldosis, bei Spätsyphilis oder unbekannter Dauer als wöchentliche Gabe über drei Wochen.
Es wird empfohlen, verschiedene freiwillige Strategien zur Partnerbenachrichtigung anzubieten. Ansätze mit Unterstützung durch das Gesundheitspersonal zeigen dabei eine höhere Wirksamkeit.
Laut Leitlinie ermöglichen duale treponemale und nicht-treponemale Schnelltests die Unterscheidung zwischen einer aktiven und einer bereits behandelten Infektion. Dies reduziert das Risiko einer Übertherapie und ermöglicht einen sofortigen Behandlungsbeginn.
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Quelle: Updated recommendations for the treatment of Neisseria gonorrhoeae, Chlamydia trachomatis, and Treponema pallidum (syphilis) and new recommendations on syphilis testing and partner services (WHO, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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