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CDC-Leitlinie 2021: Diagnostik & Prävention von STI

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf CDC Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Prävention von STI basiert auf Risikobewertung (5 P's), Impfungen (HPV, HAV, HBV) und regelmäßigen Screenings.
  • Für Schwangere wird ein routinemäßiges Screening auf HIV, Syphilis, Hepatitis B und C sowie bei Risiko auf Chlamydien und Gonorrhö empfohlen.
  • Bei MSM (Männer, die Sex mit Männern haben) sollten extragenitale Abstriche (rektal, pharyngeal) durchgeführt und vierteljährliche Screenings erwogen werden.
  • Expedited Partner Therapy (EPT) wird zur Behandlung von Partnern bei Chlamydien- und Gonokokken-Infektionen empfohlen.
  • PrEP (Präexpositionsprophylaxe) und PEP (Postexpositionsprophylaxe) sind zentrale Bausteine der HIV- und STI-Prävention.
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Hintergrund

Die CDC-Leitlinie 2021 zu sexuell übertragbaren Infektionen (STI) aktualisiert die Empfehlungen von 2015. Die Prävention und Kontrolle von STI basiert auf fünf Hauptstrategien: Risikobewertung und Beratung, präexpositionelle Impfungen, Identifikation asymptomatischer Infektionen, effektive Diagnostik und Therapie sowie die Evaluation und Behandlung von Sexualpartnern.

Risikobewertung: Der "5 P's"-Ansatz

Eine detaillierte und wertfreie Sexualanamnese ist essenziell. Die CDC empfiehlt den "5 P's"-Ansatz zur Erfassung des Risikoprofils:

KategorieFragestellung / Fokus
PartnersAnzahl und Geschlecht der Partner
PracticesArt des sexuellen Kontakts (vaginal, anal, oral)
ProtectionNutzung von Kondomen und STI-Schutz
Past historyFrühere STI-Diagnosen bei sich oder Partnern
PregnancySchwangerschaftsabsichten und Verhütung

Präventionsstrategien

  • Impfungen: Routinemäßige Impfung gegen HPV (bis 26 Jahre, ggf. bis 45 Jahre), HAV und HBV für Risikogruppen.
  • Kondome: Die konsistente und korrekte Nutzung von Latex- oder Polyurethan-Kondomen schützt effektiv vor HIV und anderen STI. Naturdarmkondome werden nicht empfohlen, da sie Viren (wie HIV, HBV, HSV) passieren lassen.
  • PrEP (Präexpositionsprophylaxe): Tägliche orale PrEP (TDF/FTC oder TAF/FTC) wird für Personen mit hohem HIV-Risiko empfohlen. Unter PrEP sind regelmäßige STI-Screenings indiziert.
  • Zirkumzision: Reduziert das Risiko einer HIV-Aquisition bei heterosexuellen Männern um 50-60 %.

Partnerbehandlung (Expedited Partner Therapy)

Die Expedited Partner Therapy (EPT) ist eine Strategie zur Schadensminderung und Unterbrechung von Infektionsketten.

  • Indikation: Partner von Patienten mit Chlamydien oder Gonorrhö, die wahrscheinlich keine zeitnahe ärztliche Untersuchung in Anspruch nehmen.
  • Durchführung: Dem Indexpatienten werden Medikamente oder Rezepte für den Partner mitgegeben, ohne dass der Partner ärztlich untersucht wurde.

Screening-Empfehlungen für spezielle Populationen

Schwangere

Ein routinemäßiges Screening ist entscheidend, um perinatale Komplikationen und Transmissionen zu vermeiden.

InfektionScreening-ZeitpunktBemerkung
HIV1. PränatalbesuchWiederholung im 3. Trimenon bei hohem Risiko.
Syphilis1. PränatalbesuchWiederholung bei 28 Wochen und zur Geburt bei Risiko.
Hepatitis B1. PränatalbesuchHBsAg-Testung.
Hepatitis CIn jeder SchwangerschaftAußer in Settings mit Prävalenz <0,1 %.
Chlamydien & Gonorrhö1. PränatalbesuchFür alle <25 Jahre und Ältere mit erhöhtem Risiko.

Jugendliche

  • Chlamydien & Gonorrhö: Jährliches Routine-Screening für alle sexuell aktiven Frauen <25 Jahre.
  • HIV: Einmaliges Basis-Screening, Wiederholung je nach Risiko.
  • Zervixkarzinom: Screening-Beginn ab 21 Jahren (USPSTF/ACOG) bzw. 25 Jahren (ACS).

Männer, die Sex mit Männern haben (MSM)

MSM haben ein überproportionales Risiko für HIV und andere STI. Rektale und pharyngeale Infektionen sind oft asymptomatisch. Bis zu 70 % der Gonokokken- und Chlamydieninfektionen werden bei rein urogenitaler Testung übersehen.

Lokalisation / ErregerIndikation für Screening (mind. jährlich)
Urethral (Gonorrhö/Chlamydien)Insertiver Verkehr im letzten Jahr (Urin-NAAT bevorzugt)
Rektal (Gonorrhö/Chlamydien)Rezeptiver Analverkehr im letzten Jahr (Rektal-NAAT bevorzugt)
Pharyngeal (Gonorrhö)Rezeptiver Oralverkehr im letzten Jahr (Pharyngeal-NAAT bevorzugt)
Syphilis & HIVRoutinemäßig für alle sexuell aktiven MSM

Hinweis: Ein Test auf pharyngeale Chlamydien wird nicht empfohlen. Ein vierteljährliches Screening auf Gonorrhö, Chlamydien und Syphilis wird für MSM mit hohem Risiko (z. B. unter PrEP) empfohlen, um Infektionsketten effektiv zu unterbrechen.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei MSM routinemäßig extragenitale Abstriche (rektal und pharyngeal) mittels NAAT durch, da bis zu 70 % der Gonokokken- und Chlamydieninfektionen bei rein urogenitaler Testung übersehen werden.

Häufig gestellte Fragen

Alle sexuell aktiven Frauen unter 25 Jahren sollten jährlich gescreent werden, ebenso ältere Frauen mit Risikofaktoren sowie MSM je nach sexueller Praktik (inklusive extragenitaler Abstriche).
Bei der EPT erhalten Patienten mit Chlamydien oder Gonorrhö Medikamente oder Rezepte zur Mitgabe an ihre Sexualpartner, ohne dass diese vorher ärztlich untersucht wurden.
Beim ersten Pränatalbesuch sollten alle Schwangeren auf HIV, Syphilis, Hepatitis B und Hepatitis C getestet werden. Bei Frauen unter 25 Jahren oder bei Risikofaktoren zusätzlich auf Chlamydien und Gonorrhö.
Nein. Naturdarmkondome schützen zwar vor Schwangerschaften, lassen aber Viren wie HIV, HBV und HSV passieren und werden daher zur STI-Prävention nicht empfohlen.
Mindestens jährlich. Bei hohem Risiko, wechselnden Partnern oder der Einnahme von HIV-PrEP wird ein vierteljährliches Screening auf Syphilis, Gonorrhö und Chlamydien empfohlen.

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