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WHO2021

Symptomatische STI: Leitlinie zur Behandlung (WHO)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Molekulare Tests (NAAT) werden für die Diagnostik von STI-Symptomen empfohlen. Bei Nichtverfügbarkeit erfolgt eine syndromische Same-Day-Therapie.
  • Urethraler Ausfluss: Testung auf N. gonorrhoeae und C. trachomatis; bei Persistenz nach 21 Tagen erneute Testung inkl. M. genitalium und T. vaginalis.
  • Vaginaler Ausfluss: Therapie auf N. gonorrhoeae, C. trachomatis und/oder T. vaginalis am selben Tag, idealerweise basierend auf molekularen oder POC-Tests.
  • Unterbauchschmerzen bei Frauen: Syndromische Therapie der PID bei zervikalem Schiebeschmerz oder Unterbauchdruckschmerz mit Reevaluation nach 3 Tagen.
  • Genitalulzera: Primäre Testung auf HSV und Syphilis; syndromische Simultanbehandlung beider Erreger bei fehlender Diagnostik.
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Hintergrund

Sexuell übertragbare Infektionen (STI) stellen weltweit ein erhebliches Gesundheitsproblem dar. Die WHO-Leitlinie zum Management symptomatischer STI zielt darauf ab, die Übertragung durch frühzeitige und adäquate Behandlung zu stoppen. Der Fokus liegt auf dem Übergang von der rein syndromischen Behandlung hin zu einer ätiologischen Diagnostik mittels molekularer Tests (NAAT), wo immer dies möglich ist. Ist dies nicht der Fall, bleibt die syndromische Therapie am Tag der Vorstellung (Same-Day-Treatment) der Standard.

Urethraler Ausfluss

Das Management des urethralen Ausflusses beim Mann richtet sich nach der Verfügbarkeit von Diagnostik:

SettingDiagnostik & TherapieEmpfehlungsgrad
Mit NAATTestung auf N. gonorrhoeae und C. trachomatis. Gezielte Therapie am selben Tag. Bei negativem Test: Therapie auf Non-Gonokokken/Non-Chlamydien-Urethritis.Starke Empfehlung, moderate Evidenz
Ohne NAATSyndromische Therapie auf N. gonorrhoeae und C. trachomatis am selben Tag bei klinisch bestätigtem Ausfluss.Bedingte Empfehlung, niedrige Evidenz
  • Persistenz/Rezidiv: Bei anhaltenden Beschwerden sollte nach 21 Tagen ein erneuter NAAT erfolgen, der zusätzlich M. genitalium und T. vaginalis sowie Resistenzen abdeckt.

Vaginaler Ausfluss

Vaginaler Ausfluss wird häufig durch bakterielle Vaginose (BV), T. vaginalis oder Candida verursacht, kann aber auch auf eine Zervizitis (N. gonorrhoeae, C. trachomatis) hindeuten.

Diagnostische StufeVorgehen
1. Molekulare Tests (NAAT)Gezielte Therapie auf N. gonorrhoeae, C. trachomatis und/oder T. vaginalis.
2. POC-SchnelltestsNutzung von Tests mit >80% Sensitivität und >90% Spezifität.
3. SpekulumuntersuchungTherapie auf Gonokokken/Chlamydien bei Zeichen einer Zervizitis.
4. Ohne Spekulum/TestSyndromische Therapie bei Hochrisikopatientinnen oder sichtbarem Ausfluss.
  • Zusatztherapie: Behandlung auf BV oder Candidiasis basierend auf der Art des Ausflusses (z.B. bröckelig bei Candida) oder Mikroskopie. (Starke Empfehlung)

Unterbauchschmerzen bei Frauen

Bei sexuell aktiven Frauen mit Unterbauchschmerzen muss eine Pelvic Inflammatory Disease (PID) evaluiert werden.

  • Therapieindikation: Bei zervikalem Schiebeschmerz oder Unterbauchdruckschmerz in der bimanualen Untersuchung sollte am selben Tag eine syndromische PID-Therapie eingeleitet werden. (Bedingte Empfehlung, moderate Evidenz)
  • Follow-up: Klinische Reevaluation nach 3 Tagen. Bei fehlender Besserung ist eine Überweisung indiziert.
Warnzeichen (Red Flags) für sofortige chirurgische/gynäkologische ÜberweisungBemerkung
Ausbleibende oder überfällige MenstruationAusschluss Extrauteringravidität
Kürzliche Entbindung, Abort oder FehlgeburtInfektionsrisiko erhöht
Abwehrspannung und/oder LoslassschmerzVerdacht auf akutes Abdomen
Abnormale vaginale BlutungenMehr als Schmierblutungen
Tastbare abdominale RaumforderungAbklärung erforderlich

Genitalulzera und Anorektale Läsionen

Genitalulzera erhöhen das Risiko einer HIV-Transmission erheblich. Häufigste Ursache ist das Herpes-simplex-Virus (HSV), gefolgt von Syphilis (T. pallidum).

SyndromEmpfohlenes Vorgehen bei fehlender NAAT-Diagnostik
GenitalulzeraSyndromische Simultantherapie auf Syphilis und HSV am selben Tag. Therapie auf Ulcus molle (Chancroid) nur in Endemiegebieten. (Bedingte Empfehlung)
Anorektaler AusflussSyndromische Therapie auf N. gonorrhoeae und C. trachomatis. Bei anorektalen Schmerzen zusätzlich auf HSV behandeln. (Bedingte Empfehlung)
  • Gute klinische Praxis: Bei allen Patienten mit STI-Symptomen sollte eine ausführliche Sexualanamnese erhoben, eine körperliche Untersuchung durchgeführt und eine HIV- sowie Syphilis-Testung angeboten werden.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei Frauen mit vaginalem Ausfluss eine Spekulumuntersuchung durch. Zeigen sich Zeichen einer Zervizitis, therapieren Sie syndromisch auf N. gonorrhoeae und C. trachomatis, falls keine molekularen Tests verfügbar sind.

Häufig gestellte Fragen

Nach 21 Tagen sollte ein erneuter molekularer Test (NAAT) erfolgen, der auch M. genitalium und T. vaginalis abdeckt.
Bei fehlender Diagnostik wird eine Spekulumuntersuchung empfohlen. Zeigen sich Zeichen einer Zervizitis, wird auf N. gonorrhoeae und C. trachomatis behandelt.
Die syndromische Therapie sollte am selben Tag sowohl Syphilis als auch Herpes simplex (HSV) abdecken.
Bei ausbleibender Besserung nach 3 Tagen Therapie oder bei Warnzeichen wie verpasster Periode, Abwehrspannung oder vaginalen Blutungen.

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