Asymptomatische STI: WHO-Leitlinie 2025
📋Auf einen Blick
- •Ein Screening auf N. gonorrhoeae und C. trachomatis wird für Schwangere in Hochprävalenzsettings (ab 10 % kombinierter Prävalenz) empfohlen.
- •Bei Jugendlichen (10-24 Jahre) wird ein Screening ab einer Prävalenz von 15-20 % empfohlen, wobei junge Frauen priorisiert werden sollten.
- •Für Sexarbeitende und MSM wird ein routinemäßiges Screening (mindestens jährlich oder alle 6 Monate) empfohlen.
- •Als Testverfahren eignen sich NAAT oder Schnelltests mit einer Sensitivität von mindestens 80 % und Spezifität von 90 %.
- •Sexualpartner von positiv getesteten Personen müssen ebenfalls getestet und bei positivem Befund behandelt werden.
Hintergrund
Sexuell übertragbare Infektionen (STI) wie Chlamydia trachomatis und Neisseria gonorrhoeae verursachen weltweit erhebliche Morbidität. Eine besondere Herausforderung ist der hohe Anteil asymptomatischer Verläufe: Bei Frauen verlaufen zervikale Infektionen in 50–97 % der Fälle asymptomatisch. An extragenitalen Lokalisationen (anorektal, oropharyngeal) fehlen Symptome sogar in bis zu 85 % der Fälle. Unbehandelt können diese Infektionen zu schwerwiegenden Komplikationen wie Beckenentzündungen (PID), Infertilität, ektopen Schwangerschaften und einer erhöhten HIV-Transmission führen. Die WHO-Leitlinie (2025) fokussiert sich auf das Screening dieser asymptomatischen Infektionen.
Zielgruppen und Empfehlungen zum Screening
Die Empfehlungen basieren auf der kombinierten Prävalenz von N. gonorrhoeae und C. trachomatis auf Populationsebene, nicht auf einer individuellen Risikobewertung.
| Zielgruppe | Prävalenz-Schwellenwert | Empfehlung | Empfehlungsgrad |
|---|---|---|---|
| Schwangere | Hoch (ca. ≥ 10 %) | Screening bei Routine-Vorsorgeuntersuchungen | Bedingte Empfehlung |
| Jugendliche (10–24 J.) | Hoch (ca. 15–20 %) | Screening bei Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen | Bedingte Empfehlung |
| Sexarbeitende | Unabhängig vom Schwellenwert | Routinemäßiges Screening (mind. jährlich oder alle 6 Monate) | Bedingte Empfehlung |
| MSM | Unabhängig vom Schwellenwert | Routinemäßiges Screening (mind. jährlich oder alle 6 Monate) | Bedingte Empfehlung |
Hinweis zu Jugendlichen: Bei begrenzten Ressourcen sollten heranwachsende Mädchen und junge Frauen priorisiert werden.
Anforderungen an die Testverfahren
Für das Screening asymptomatischer Personen definiert die WHO klare Mindestanforderungen an die Diagnostik:
- Molekulare Assays: Qualitätsgesicherte Nukleinsäure-Amplifikations-Tests (NAAT) gelten als Goldstandard.
- Schnelltests (Point-of-Care): Müssen eine Sensitivität von mindestens 80 % und eine Spezifität von mindestens 90 % aufweisen.
- Probenpooling: Bei Sexarbeitenden und MSM kann das Pooling von Proben verschiedener anatomischer Lokalisationen (je nach Sexualverhalten) die Kosten senken und die Ausbeute erhöhen.
Therapie und Partnermanagement
- Therapie: Die Behandlung von N. gonorrhoeae und/oder C. trachomatis erfolgt auf Basis der nationalen Behandlungsrichtlinien nach einem positiven, qualitätsgesicherten Testergebnis.
- Partnermanagement: Sexualpartner von positiv getesteten Personen müssen zwingend ebenfalls getestet und bei positivem Befund behandelt werden.
- Freiwilligkeit: Das Screening muss stets freiwillig und nach informierter Einwilligung (Informed Consent) erfolgen.
Syphilis-Screening (Bestehende Empfehlungen)
Zusätzlich zum Screening auf Gonorrhö und Chlamydien bekräftigt die WHO bestehende Empfehlungen zur Syphilis-Diagnostik:
| Zielgruppe | Empfehlung | Empfehlungsgrad |
|---|---|---|
| Schwangere | Screening aller Schwangeren, idealerweise beim ersten Vorsorgetermin | Starke Empfehlung |
| MSM / Trans-Personen | Periodisches serologisches Screening | Starke Empfehlung |
| Sexarbeitende | Periodisches serologisches Screening | Bedingte Empfehlung |
💡Praxis-Tipp
Setzen Sie bei asymptomatischen Personen bevorzugt molekulare Tests (NAAT) ein. Denken Sie bei jedem positiven Befund zwingend an die Partnerdiagnostik und -mitbehandlung, um Infektionsketten zu durchbrechen.