Gestationsdiabetes (GDM): Frühscreening und Diagnostik
Hintergrund
Der vorliegende Evidenzbericht des IQWiG untersucht den Nutzen eines Frühscreenings auf Gestationsdiabetes mellitus (GDM). Im Fokus stehen Schwangere mit mindestens einem Risikofaktor, aber ohne bekannten präexistenten Diabetes.
Verglichen wird ein frühes Screening vor der 24. Schwangerschaftswoche (SSW) mit dem regulären Screening ab der 24. SSW. Ziel ist es, die Datenlage für die Aktualisierung der interdisziplinären S3-Leitlinie zu GDM aufzubereiten.
Der Bericht wertet vier randomisierte kontrollierte Studien aus. Dabei werden sowohl einstufige als auch zweistufige Screening-Verfahren hinsichtlich maternaler und fetaler Endpunkte betrachtet.
Empfehlungen
Der IQWiG-Bericht fasst die Evidenz zu verschiedenen maternalen und fetalen Endpunkten zusammen:
Zweistufiges Screening
Laut Bericht zeigt sich beim frühen zweistufigen Screening ein statistisch signifikanter Nachteil bezüglich der fetalen und neonatalen Mortalität (hohe Vertrauenswürdigkeit).
Für den Endpunkt Gestationshypertonie/Präeklampsie wird ein knapp nicht signifikanter Unterschied zum Nachteil des frühen Screenings beschrieben.
Bei weiteren Endpunkten ergeben sich keine signifikanten Unterschiede zwischen frühem und spätem Screening:
| Endpunkt | Effekt des frühen Screenings | Vertrauenswürdigkeit |
|---|---|---|
| Fetale/neonatale Mortalität | Signifikanter Nachteil | Hoch |
| Gestationshypertonie/Präeklampsie | Numerischer Nachteil | Moderat |
| Kaiserschnitt | Kein signifikanter Unterschied | Moderat |
| Schulterdystokie | Kein signifikanter Unterschied | Hoch |
| Neonatale Hypoglykämie | Kein signifikanter Unterschied | Moderat |
Einstufiges Screening
Bei Schwangeren, die im frühen einstufigen Screening positiv getestet wurden, vergleicht der Bericht eine sofortige Behandlung mit einem späten Screening.
Es zeigt sich kein statistisch signifikanter Unterschied bei der fetalen/neonatalen Mortalität, jedoch ein numerischer Nachteil der frühen Behandlung.
Auch bei Präeklampsie, Kaiserschnitt, Schulterdystokie und neonataler Hypoglykämie lassen sich gemäß der Auswertung keine signifikanten Unterschiede belegen.
Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SUE)
Der Bericht stellt für maternale Blutungen einen statistisch signifikanten Vorteil der frühen Behandlung im Vergleich zum späten Screening fest (hohe Vertrauenswürdigkeit).
Für maternale Infektionen, neonatale Atemwegserkrankungen und kongenitale Anomalien zeigen sich keine signifikanten Gruppenunterschiede.
Risiko der Überdiagnostik
Das IQWiG weist darauf hin, dass nicht alle Schwangeren mit einem frühen positiven Testergebnis auch zu einem späteren Zeitpunkt positiv getestet würden.
Dies birgt laut Bericht das Risiko einer Überdiagnose und Übertherapie. Ein frühes negatives Ergebnis könnte zudem zu einer falschen Sicherheit und negativen Lebensstilveränderungen führen.
💡Praxis-Tipp
Der Bericht weist darauf hin, dass ein frühes Screening auf Gestationsdiabetes zu Überdiagnosen führen kann. Schwangere könnten eine Diagnose und Behandlung erhalten, die bei einem regulären späten Screening nie aufgefallen wäre und möglicherweise keine klinische Relevanz gehabt hätte.
Häufig gestellte Fragen
Der IQWiG-Bericht untersucht das Frühscreening vor der 24. Schwangerschaftswoche bei Frauen mit Risikofaktoren. Der Bericht formuliert jedoch keine eigene Empfehlung, sondern weist auf potenziell erhöhte Risiken wie eine höhere fetale Mortalität hin.
Laut IQWiG-Auswertung zeigt ein frühes zweistufiges Screening einen signifikanten Nachteil bei der fetalen und neonatalen Mortalität. Zudem wird das Risiko einer Überdiagnose und einer potenziell unnötigen Behandlung betont.
Der Evidenzbericht stellt fest, dass es keinen signifikanten Unterschied in der Kaiserschnittrate zwischen einem frühen und einem regulären späten Screening gibt. Dies gilt sowohl für einstufige als auch für zweistufige Testverfahren.
Gemäß den ausgewerteten Studien zeigt sich kein signifikanter Unterschied bezüglich "Large for gestational Age" (LGA) zwischen frühem und spätem Screening. Die Vertrauenswürdigkeit dieser Evidenz wird als hoch eingestuft.
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Quelle: IQWiG V24-03: Evidenzrecherche zur S3-Leitlinie Gestationsdiabetes mellitus (GDM), Diagnostik, Therapie und Nachsorge (IQWiG, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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