Diabetes und Schwangerschaft: DDG-Praxisempfehlung 2025

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: DDG (2025)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Ein präexistenter Typ-1- oder Typ-2-Diabetes in der Schwangerschaft gilt als Hochrisikokonstellation. Laut der DDG-Praxisempfehlung (2025) erfordert dies eine interdisziplinäre Betreuung durch spezialisierte Diabetologen, Geburtsmediziner und Neonatologen.

Kinder diabetischer Mütter haben ein im Mittel 1,5- bis 3-fach erhöhtes Risiko für angeborene Fehlbildungen, Frühgeburtlichkeit und Makrosomie. Die mit Abstand häufigste Komplikation bei Neugeborenen ist die postnatale Hypoglykämie, die bis zu 400-fach häufiger auftritt als bei Kindern stoffwechselgesunder Mütter.

Eine unzureichende Stoffwechseleinstellung zum Zeitpunkt der Konzeption erhöht das Risiko für schwangerschaftsspezifische Komplikationen und Fehlbildungen signifikant. Daher wird eine strukturierte präkonzeptionelle Planung und Beratung bei Frauen im fertilen Alter dringend angeraten.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für die Betreuung von Frauen mit präexistentem Diabetes:

Präkonzeptionelle Betreuung

Es wird empfohlen, bereits vor der Konzeption eine normnahe Stoffwechseleinstellung anzustreben. Wenn dies ohne erhöhtes Hypoglykämierisiko möglich ist, gilt ein HbA1c-Wert < 6,5 % als optimales Ziel.

Zur Risikominimierung rät die Leitlinie zu folgenden präkonzeptionellen Maßnahmen:

  • Überprüfung des Schulungsstandes und Einweisung der Angehörigen in die Nutzung eines Glukagon-Notfallsets.

  • Screening auf Schilddrüsenautoantikörper (TPO-AK) und regelmäßige TSH-Kontrollen bei Typ-1-Diabetes.

  • Augenärztliche Kontrolle zum Ausschluss oder zur Behandlung einer diabetischen Retinopathie.

  • Bestimmung der Albuminausscheidung zur Erkennung einer diabetischen Nephropathie.

Zielwerte und Monitoring

Während der Schwangerschaft wird eine strenge Blutzuckerkontrolle empfohlen. Die Leitlinie definiert dafür folgende Zielwerte:

ParameterZielwert
Nüchtern und präprandial65–95 mg/dl (3,8–5,2 mmol/l)
1 Stunde nach Mahlzeitenbeginn≤ 140 mg/dl (≤ 7,7 mmol/l)
2 Stunden nach Mahlzeitenbeginn≤ 120 mg/dl (≤ 6,6 mmol/l)
Time-in-Range (TIR) bei Typ-1-Diabetes> 70 % (63–140 mg/dl)
Time-in-Range (TIR) bei Typ-2-Diabetes> 90 % (63–140 mg/dl)

Ein Selbstmanagement mithilfe von kontinuierlichem Glukosemonitoring (rtCGM) sollte allen Schwangeren angeboten werden. Bei hohem Hypoglykämierisiko im ersten Trimenon wird die Ausstattung mit einem CGM-System ausdrücklich empfohlen.

Medikamentöse Therapie

Als optimale Therapieformen gelten die intensivierte konventionelle Insulintherapie (ICT) oder die kontinuierliche subkutane Insulininfusion (CSII). Der Einsatz von kurzwirksamen und langwirksamen Insulinanaloga wird empfohlen, da diese Vorteile hinsichtlich der HbA1c-Absenkung und ein geringeres Hypoglykämierisiko bieten.

Zukünftig könnte sich das Hybrid Closed-Loop-System (HCLS) als optimale Therapie erweisen. Erste Studien zeigen hier eine signifikante Erhöhung der Zeit im Zielbereich ohne Anstieg der Hypoglykämiefrequenz.

Geburtshilfliches Management

Schwangere mit präexistentem Diabetes sollen zur Entbindung in ein Perinatalzentrum Level I oder II überwiesen werden. Bei Erreichen des erwarteten Entbindungstermins und ausbleibendem Geburtsbeginn wird eine Geburtseinleitung empfohlen.

Unter der Geburt wird eine stündliche Blutzuckerkontrolle angeraten. Dabei sollten Zielwerte zwischen 90 und 126 mg/dl erreicht werden, um postnatale Hypoglykämien beim Neugeborenen zu vermeiden.

Dosierung

Die Leitlinie nennt folgende spezifische Dosierungen für die Begleitmedikation und Prophylaxe:

WirkstoffDosierungIndikation / Bemerkung
Folsäure0,4 mg/Tag (bei Adipositas 0,8 mg/Tag)Präkonzeptionell und in der Schwangerschaft
Jod100–200 µg/TagPräkonzeptionell und in der Schwangerschaft (auch bei Hashimoto-Thyreoiditis)
Acetylsalicylsäure (ASS)150 mg/TagPräeklampsie-Prophylaxe (Beginn vor 16+0 SSW bis 35+0 SSW)
Glukosegel 40 %bukkalNeugeborene (im Alter von 1 h) zur Hypoglykämie-Prophylaxe
Betamethason2 × 12 mg über 24 hFetale Lungenreife-Induktion bei drohender Frühgeburt (Insulindosis anpassen!)

Kontraindikationen

Die Leitlinie führt folgende Warnhinweise und Kontraindikationen auf:

  • Orale Antidiabetika (OAD): Aufgrund der Plazentagängigkeit und fehlender Langzeitdaten wird eine präkonzeptionelle Umstellung auf Insulin empfohlen. Metformin sollte nicht routinemäßig eingesetzt werden.

  • Insulin Glulisin: Es liegen keine ausreichenden Daten für die Schwangerschaft vor, ein Einsatz wird nicht empfohlen.

  • Blutdrucksenker: ACE-Hemmer und AT-1-Antagonisten müssen bei Kinderwunsch abgesetzt und gegen Alpha-Methyldopa getauscht werden.

  • Lipidsenker: Statine, Bempedoinsäure, PCSK9-Inhibitoren, Fibrate und Niacin müssen bei Schwangerschaftsplanung abgesetzt werden.

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💡Praxis-Tipp

Laut Leitlinie sinkt der mütterliche Insulinbedarf mit Wehenbeginn rasch auf etwa 50 % ab. Nach der Geburt der Plazenta fällt der Bedarf nochmals abrupt ab, was ein stark erhöhtes Hypoglykämierisiko birgt. Es wird daher eine engmaschige, stündliche Blutzuckerkontrolle unter der Geburt sowie eine sofortige, niedrigdosierte Dosisanpassung postpartal empfohlen.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt nüchtern und präprandial Werte zwischen 65 und 95 mg/dl. Eine Stunde nach der Mahlzeit sollte der Wert unter 140 mg/dl liegen, nach zwei Stunden unter 120 mg/dl.

Es wird empfohlen, orale Antidiabetika bereits bei Kinderwunsch auf Insulin umzustellen. Nur in Einzelfällen bei ausgeprägter Insulinresistenz kann Metformin laut Leitlinie zusätzlich zur Insulintherapie fortgeführt werden.

Für Schwangere mit präexistentem Diabetes gelten grundsätzlich die gleichen Einleitungsindikationen wie für stoffwechselgesunde Frauen. Bei Erreichen des erwarteten Entbindungstermins und ausbleibendem Geburtsbeginn wird jedoch eine Geburtseinleitung empfohlen.

Nachkommen von Frauen mit Typ-1-Diabetes haben laut Leitlinie ein Risiko von etwa 2 bis 5 Prozent, im Laufe ihres Lebens ebenfalls an Typ-1-Diabetes zu erkranken.

Die Leitlinie rät dazu, ACE-Hemmer und AT-1-Antagonisten bereits bei Kinderwunsch abzusetzen. Als sichere Alternative wird eine Umstellung auf Alpha-Methyldopa empfohlen.

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Quelle: DDG: PE_Diabetes_und_Schwangerschaft.pdf pdf (DDG, 2025). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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