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Gestationsdiabetes (GDM): Leitlinie (AWMF/DDG)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnose des GDM erfolgt idealerweise durch einen 75-g-oGTT zwischen 24+0 und 27+6 SSW nach IADPSG-Kriterien.
  • Ein GDM liegt vor, wenn im 75-g-oGTT mindestens ein Grenzwert (nüchtern >92, 1h ≥180, 2h >153 mg/dl) erreicht wird.
  • Bei Risikofaktoren (z.B. Adipositas, Z.n. GDM) soll bereits im ersten Trimenon ein Frühscreening mittels Nüchternblutzucker erfolgen.
  • Das zweizeitige Screening (50-g-Suchtest) der Mutterschaftsrichtlinien wird wegen fraglicher Validität von den Fachgesellschaften kritisch gesehen.
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Hintergrund

Der Gestationsdiabetes mellitus (GDM) ist definiert als eine Glukosetoleranzstörung, die erstmals in der Schwangerschaft mit einem 75-g-oralen Glukosetoleranztest (oGTT) diagnostiziert wird. Die Pathophysiologie ähnelt der des Typ-2-Diabetes, basierend auf einer genetischen Prädisposition, Übergewicht und der physiologischen Insulinresistenz in der zweiten Schwangerschaftshälfte.

Risikofaktoren

Zu den bedeutendsten Risikofaktoren für die Entwicklung eines GDM zählen:

  • Z.n. Gestationsdiabetes (Wiederholungsrisiko 35–50 %)
  • Übergewicht und Adipositas (BMI-abhängiger Risikoanstieg)
  • Erhöhtes mütterliches Alter
  • Positive Familienanamnese für Typ-2-Diabetes
  • Ethnizität (z.B. Mittlerer Osten, Asien)
  • Z.n. Geburt eines makrosomen Kindes (> 4.500 g)

Screening und Diagnostik (24+0 bis 27+6 SSW)

Nach der vorliegenden Evidenz soll bei Schwangeren ein 75-g-oGTT zwischen 24+0 SSW und 27+6 SSW durchgeführt werden (Empfehlungsgrad A).

Die deutschen Mutterschaftsrichtlinien sehen primär einen 50-g-Suchtest (Glucose Challenge Test) vor. Wegen fraglicher Validität entspricht dies jedoch nicht den Empfehlungen der Fachgesellschaften.

VorgehenKriteriumKonsequenz
50-g-Suchtest (nicht nüchtern)< 135 mg/dlNegativ
50-g-Suchtest135 - 200 mg/dl75-g-oGTT erforderlich
50-g-Suchtest> 200 mg/dlDiagnose GDM

Diagnostische Grenzwerte (75-g-oGTT)

Als diagnostische Grenzwerte sollen einheitlich die IADPSG-Kriterien verwendet werden (Empfehlungsgrad A). Die Diagnose GDM wird gestellt, wenn mindestens ein Wert im venösen Plasma erreicht oder überschritten wird:

ZeitpunktGrenzwert (mg/dl)Grenzwert (mmol/l)
Nüchtern> 92> 5,1
Nach 1 Stunde≥ 180≥ 10,0
Nach 2 Stunden> 153> 8,5

Wird nüchtern ein Wert ≥ 126 mg/dl (7,0 mmol/l) oder nach 2 Stunden > 200 mg/dl (11,1 mmol/l) gemessen, liegt ein manifester Diabetes vor.

Frühscreening im 1. Trimenon

Bei Erstvorstellung im ersten Trimenon sollen Risikofaktoren für Diabetes abgeklärt werden (Empfehlungsgrad A). Liegen diese vor, soll primär eine Nüchternblutglukosebestimmung durchgeführt werden (Empfehlungsgrad A).

NüchternblutzuckerDiagnose / Konsequenz
< 92 mg/dlUnauffällig, reguläres Screening in 24-28 SSW
92 - 125 mg/dlFrüher GDM (nach Zweitmessung)
≥ 126 mg/dlManifester Diabetes (nach Zweitmessung)

Die Bestimmung des HbA1c soll wegen der schlechten Sensitivität nicht als alleinige Bestimmung zum Screening eingesetzt werden (Empfehlungsgrad A). Wird er dennoch gemessen, erfordert ein Wert von 5,9–6,5 % einen oGTT.

Folgen für Mutter und Kind

Ein GDM birgt signifikante Risiken. Es besteht ein erhöhtes Risiko für hypertensive Erkrankungen, Infektionen, Frühgeburt, Sectio, Geburtsverletzungen und Depressionen (Empfehlungsgrad A).

Für das Kind führt der fetale Hyperinsulinismus zur Makrosomie (LGA), neonatalen Hypoglykämien und Atemstörungen. Langfristig haben Frauen nach einem GDM ein deutlich erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen und Typ-2-Diabetes.

Prävention

Bei Frauen mit Übergewicht und Adipositas sollte bereits bei Schwangerschaftsplanung empfohlen werden, eine Gewichtsreduzierung durch gesunden Lebensstil zu beginnen und diesen in der Schwangerschaft beizubehalten (Empfehlungsgrad B). Lebensstilinterventionen, die erst in der Schwangerschaft beginnen, zeigen in Studien widersprüchliche und oft unzureichende Effekte zur GDM-Prävention.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei Schwangeren mit hohem Risiko (z.B. Z.n. GDM oder Adipositas) bereits im 1. Trimenon eine Nüchternblutzuckerbestimmung durch. Verlassen Sie sich bei klinischem Verdacht im 3. Trimenon nicht auf einen unauffälligen 50-g-Suchtest, sondern führen Sie direkt einen 75-g-oGTT durch.

Häufig gestellte Fragen

Nüchtern > 92 mg/dl, nach 1 Stunde ≥ 180 mg/dl, nach 2 Stunden > 153 mg/dl. Ein einziger pathologischer Wert reicht für die Diagnose.
Zwischen 24+0 und 27+6 Schwangerschaftswochen (SSW).
Die Leitlinie sieht den 50-g-Test kritisch. Bei klinischen Anzeichen (z.B. Makrosomie, Polyhydramnion) sollte trotz negativem 50-g-Test ein 75-g-oGTT erfolgen.
Ein durch Zweitmessung bestätigter Nüchternwert zwischen 92 und 125 mg/dl im 1. Trimenon definiert einen frühen GDM.

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