Geburtseinleitung: Rizinusöl, Akupunktur & Evidenzlage
Hintergrund
Der IQWiG ThemenCheck-Bericht T23-01 untersucht den Nutzen und potenziellen Schaden nicht medikamentöser Verfahren zur Geburtseinleitung. Im Fokus stehen Schwangere ab der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche mit einem Einling, bei denen ein physiologischer Geburtsverlauf zu erwarten ist.
Zu den untersuchten Methoden zählen unter anderem Rizinusöl, Akupunktur, Akupressur, Mamillenstimulation, Nachtkerzenöl und die Empfehlung zu Geschlechtsverkehr. Diese Verfahren werden in der Praxis häufig bei Terminüberschreitungen angewendet, um dem Wunsch vieler Schwangerer nach Alternativen zu medikamentösen Interventionen nachzukommen.
Die Bewertung basiert auf zwölf randomisierten und quasi-randomisierten kontrollierten Studien. Die eingeschlossenen Studien weisen jedoch eine hohe klinische und methodische Heterogenität sowie überwiegend geringe Teilnehmerzahlen auf, weshalb die Aussagekraft der Ergebnisse limitiert ist.
Empfehlungen
Zusammenfassende Evidenzbewertung
Laut Bericht reicht die vorliegende Evidenz nicht aus, um belastbare Aussagen zum Nutzen oder Schaden der untersuchten nicht medikamentösen Verfahren zu treffen. Es wird betont, dass diese Methoden bei medizinischer Dringlichkeit keine Alternative zur medikamentösen Einleitung darstellen.
Spezifische Verfahren im Überblick
Der Bericht fasst die Ergebnisse der Einzelstudien zu den verschiedenen Methoden wie folgt zusammen:
-
Rizinusöl: Es konnte weder ein Nutzen noch ein Schaden eindeutig belegt werden. Einzelne Daten deuten darauf hin, dass bei Mehrgebärenden die Zeit bis zum Weheneintritt verkürzt werden könnte.
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Mamillenstimulation: Für Mehrgebärende ergab sich ein Anhaltspunkt für einen Nutzen hinsichtlich eines geringeren postpartalen Blutverlusts. Zudem zeigte sich ein positiver Effekt auf die Zeit bis zur aktiven Geburtsphase.
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Nachtkerzenöl: Es ergab sich ein Anhaltspunkt für einen potenziellen Schaden, da in der Interventionsgruppe häufiger zusätzliche medikamentöse Einleitungsverfahren benötigt wurden.
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Akupunktur, Akupressur und Geschlechtsverkehr: Für diese Interventionen ließen sich keine signifikanten Effekte auf patientenrelevante Endpunkte ableiten.
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Nelkenöl: Es konnten keine Studien identifiziert werden, die den Einsatz zur Geburtseinleitung untersuchen.
Übersicht der Evidenzbewertung
| Verfahren | Untersuchte Endpunkte mit signifikanten Effekten | Evidenzbewertung laut IQWiG |
|---|---|---|
| Rizinusöl | Zeit bis zum Weheneintritt (bei Mehrgebärenden) | Kein Beleg für Nutzen/Schaden |
| Mamillenstimulation | Postpartaler Blutverlust (Nutzen), Zeit bis Geburtsphase | Anhaltspunkt für Nutzen (Blutverlust) |
| Nachtkerzenöl | Zusätzlicher Einsatz medikamentöser Verfahren (Schaden) | Anhaltspunkt für Schaden |
| Akupunktur / Akupressur | Keine signifikanten Effekte auf patientenrelevante Endpunkte | Kein Beleg für Nutzen/Schaden |
| Geschlechtsverkehr | Keine signifikanten Effekte auf patientenrelevante Endpunkte | Kein Beleg für Nutzen/Schaden |
Patientenrelevante Endpunkte
Wichtige Endpunkte wie die gesundheitsbezogene Lebensqualität, das Geburtserleben oder höhergradige Geburtsverletzungen wurden in keiner der eingeschlossenen Studien untersucht. Der Bericht hebt hervor, dass zukünftige Forschung diese Aspekte zwingend berücksichtigen sollte.
Aufklärung und Entscheidungsfindung
Es wird eine frühzeitige und umfassende Aufklärung der Schwangeren über die unzureichende Evidenzlage der nicht medikamentösen Verfahren empfohlen. Die partizipative Entscheidungsfindung wird als zentrales Element der geburtshilflichen Betreuung hervorgehoben, um einem Autonomieverlust unter der Geburt vorzubeugen.
💡Praxis-Tipp
Der Bericht weist darauf hin, dass bei der Anwendung von Nachtkerzenöl zur Geburtseinleitung ein Anhaltspunkt für einen potenziellen Schaden besteht, da in Studien vermehrt zusätzliche medikamentöse Einleitungsverfahren notwendig wurden. Zudem wird nachdrücklich betont, dass bei medizinischer Dringlichkeit nicht medikamentöse Verfahren keine Alternative zu etablierten medikamentösen Methoden darstellen.
Häufig gestellte Fragen
Der Bericht spricht keine Empfehlung für nicht medikamentöse Verfahren aus, da die aktuelle Studienlage unzureichend ist. Es konnte für keines der Verfahren ein eindeutiger Nutzen oder Schaden belegt werden.
Laut Bericht gibt es Hinweise darauf, dass Rizinusöl die Zeit bis zum Weheneintritt verkürzen kann, insbesondere bei Mehrgebärenden. Eine abschließende Aussage zu Nutzen oder Schaden lässt die Evidenz jedoch nicht zu.
Die Auswertung der Studien ergab einen Anhaltspunkt für einen potenziellen Schaden durch Nachtkerzenöl. Es zeigte sich, dass nach der Anwendung häufiger zusätzliche medikamentöse Einleitungsverfahren erforderlich waren.
Die Materialkosten für nicht medikamentöse Verfahren sind sehr gering und werden im klinischen Setting über die Fallpauschalen (DRG) der Geburt abgerechnet. Es besteht aus Sicht der gesetzlichen Krankenversicherung kein Unterschied zu medikamentösen Verfahren.
Der Bericht betont die Wichtigkeit einer frühzeitigen und umfassenden Aufklärung im Sinne einer partizipativen Entscheidungsfindung. Schwangere sollten transparent über die fehlende Evidenz und die Unsicherheiten der nicht medikamentösen Verfahren informiert werden.
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Quelle: IQWiG T23-01 : Geburtseinleitung: Helfen nicht medikamentöse Verfahren wie Rizinusöl oder Akupunktur? (IQWiG, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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