Gadoliniumablagerungen im Herz-MRT: Kontrastmittelwahl
Hintergrund
Gadoliniumhaltige Kontrastmittel (Gd-KM) sind ein zentraler Bestandteil der kardialen Magnetresonanztomographie (MRT). Sie gelten als sehr gut verträglich, verursachen nur selten allergische Reaktionen und sind nicht nierenschädigend.
Neben der nephrogenen systemischen Fibrose (NSF) rückt die Ablagerung von Gadolinium im Gehirn zunehmend in den Fokus. Etwa ein Prozent des verabreichten Gadoliniums verbleibt im Körper, wobei sich Ablagerungen unter anderem im Nucleus dentatus, Globus pallidus und Pons zeigen können.
Diese zerebralen Ablagerungen treten auch bei Patienten mit normaler Nierenfunktion auf. Bislang sind diese Einlagerungen jedoch mit keiner bekannten Gesundheitsschädigung oder neurologischen Symptomatik verknüpft, weshalb die MRT mit Kontrastmittel weiterhin als sicher eingestuft wird.
Klinischer Kontext
Epidemiologie: Gadoliniumhaltige Kontrastmittel werden weltweit millionenfach in der Magnetresonanztomographie eingesetzt, insbesondere auch in der kardialen MRT zur Beurteilung von Myokardvitalität und Perfusion.
Pathophysiologie: Nach mehrfacher intravenöser Gabe kann es zu einer Ablagerung von Gadolinium in verschiedenen Geweben kommen, darunter auch in bestimmten Hirnarealen wie dem Nucleus dentatus und dem Globus pallidus. Lineare Kontrastmittel neigen aufgrund ihrer geringeren thermodynamischen Stabilität eher zu diesen Retentionen als makrozyklische Wirkstoffe.
Klinische Bedeutung: Bislang konnten bei Patienten mit normaler Nierenfunktion keine eindeutigen neurologischen Symptome oder Erkrankungen direkt auf diese zerebralen Ablagerungen zurückgeführt werden. Dennoch erfordert das Phänomen eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung bei jeder Kontrastmittelindikation.
Diagnostische Grundlagen: Zerebrale Gadoliniumretentionen lassen sich typischerweise als T1-Hyperintensitäten in nativen MRT-Aufnahmen des Gehirns nachweisen. Da in der kardialen Bildgebung das sogenannte Late Gadolinium Enhancement essenziell für die Diagnostik ist, bleibt die Kontrastmittelgabe hier oft unverzichtbar.
Wissenswertes
Grundsätzlich können alle gadoliniumhaltigen Kontrastmittel zu Geweberetentionen führen. Lineare Kontrastmittel zeigen jedoch eine deutlich höhere Neigung zu zerebralen Ablagerungen als makrozyklische Präparate, da letztere den Gadolinium-Ion-Komplex stabiler binden.
Nach derzeitigem medizinischen Kenntnisstand sind bei Patienten mit intakter Nierenfunktion keine klinischen Symptome oder neurologischen Schäden durch zerebrale Gadoliniumablagerungen belegt. Die langfristigen Auswirkungen werden jedoch weiterhin wissenschaftlich untersucht.
Eine Retention von Gadolinium im Gehirn zeigt sich typischerweise durch eine Signalsteigerung (Hyperintensität) in unkontrastierten T1-gewichteten MRT-Aufnahmen. Diese Veränderungen finden sich bevorzugt im Nucleus dentatus und im Globus pallidus.
In der kardialen Magnetresonanztomographie ist Gadolinium entscheidend für die Darstellung von Narbengewebe, Fibrosen und akuten Entzündungen des Herzmuskels. Das sogenannte Late Gadolinium Enhancement (LGE) gilt als Goldstandard zur Beurteilung der Myokardvitalität.
Der Großteil des Kontrastmittels wird bei nierengesunden Patienten innerhalb weniger Stunden über die Nieren ausgeschieden. Geringe Spuren können jedoch über Monate oder Jahre in Knochen, Haut und Gehirngewebe verbleiben.
Makrozyklische Kontrastmittel umschließen das toxische Gadolinium-Ion wie ein Käfig und sind dadurch chemisch sehr stabil. Lineare Kontrastmittel haben eine offene Struktur, wodurch sich das Gadolinium-Ion leichter aus der Bindung lösen und im Gewebe ablagern kann.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Obwohl zerebrale Gadoliniumablagerungen radiologisch nachweisbar sind, gehen sie nach derzeitigem Kenntnisstand mit keinerlei neurologischen Symptomen oder Gesundheitsschäden einher. Es wird in der Stellungnahme betont, dass indizierte kardiale MRT-Untersuchungen nicht aus Sorge vor Ablagerungen unterlassen werden sollten. Bei Risikopatienten oder absehbaren Mehrfachuntersuchungen wird jedoch der präventive Einsatz stabiler, makrozyklischer Kontrastmittel angeraten.
Häufig gestellte Fragen
Ja, die DGK-Stellungnahme stuft die MRT mit Kontrastmittel weiterhin als sicher ein. Bislang gibt es keine Hinweise auf gesundheitliche Schäden oder Symptome durch zerebrale Ablagerungen.
Ein stärkerer Signalanstieg im Gehirn wird insbesondere bei Patienten mit multipler Sklerose, Hirntumoren oder Diabetes beobachtet. Auch eine hohe Anzahl an Kontrastmittelapplikationen erhöht laut Leitlinie die Ablagerungsrate.
Laut Stellungnahme wird bei absehbaren Verlaufskontrollen die Nutzung möglichst stabiler, makrozyklischer Kontrastmittel empfohlen. Diese setzen das toxische Gadolinium seltener frei als lineare Chelate.
Nein, die zerebralen Ablagerungen können laut den vorliegenden Daten auch bei Patienten mit völlig normaler Nierenfunktion beobachtet werden.
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Quelle: Zerebrale Gadoliniumablagerungen bei der Magnetresonanztomographie des Herzens Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung (DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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