Nuklearkardiologie 2018: Leitlinie (DGK/DGN)
📋Auf einen Blick
- •Die Myokard-Perfusions-SPECT ist das Standardverfahren bei stabiler KHK mit einer Vortestwahrscheinlichkeit von 15-85 %.
- •Ab einer Ischaemielast von ≥10 % (Summed Difference Score >8) profitieren Patienten eher von einer Revaskularisation.
- •Zur Vitalitaetsdiagnostik bei LVEF <35 % ist die F-18-FDG-PET-CT der SPECT ueberlegen.
- •Bei Verdacht auf kardiale Sarkoidose ist ein Suppressionsprotokoll vor der F-18-FDG-PET-CT essenziell.
- •Die F-18-FDG-PET-CT ist ein wichtiges Kriterium in der Diagnostik der Klappenprothesen-Endokarditis.
Hintergrund
Das Positionspapier der DGK und DGN fasst den aktuellen Stand der nuklearkardiologischen Diagnostik zusammen. Das am haeufigsten angewandte Verfahren ist die Myokard-Perfusions-SPECT. Sie umfasst standardmaessig eine Belastungsuntersuchung (ergometrisch oder pharmakologisch), eine EKG-getriggerte Akquisition zur Bestimmung der linksventrikulaeren Ejektionsfraktion (LVEF) sowie die Ermittlung semiquantitativer Scores zur Abschaetzung der Ischaemielast.
Diagnostik der stenosierenden KHK
Bei Verdacht auf eine stabile chronische KHK richtet sich die Diagnostik nach der Vortestwahrscheinlichkeit. Die Myokard-Perfusions-SPECT zeigt hierbei eine Sensitivitaet und Spezifitaet von 70–90 %.
- Optimaler Einsatzbereich: Vortestwahrscheinlichkeit zwischen 15 und 85 %
- Therapieentscheidung: Die Ausdehnung der Ischaemie hilft bei der Entscheidung zwischen medikamentoeser Therapie und Revaskularisation.
| Ischaemielast (linksventrikulaeres Myokard) | Summed Difference Score | Empfehlung |
|---|---|---|
| < 10 % | ≤ 8 | Eher alleinige medikamentoese Therapie |
| ≥ 10 % | > 8 | Profitieren im Allgemeinen von Revaskularisation |
Vitalitaetsdiagnostik
Vor einer revaskularisierenden Intervention bei eingeschraenkter Pumpfunktion muss vitales, erholungsfaehiges Myokard nachgewiesen werden.
- Hauptindikation: Stabile chronische KHK, LVEF < 35 % und klinische Zeichen der Herzinsuffizienz.
- Verfahren der Wahl: Bei deutlich eingeschraenkter LVEF (< 30–40 %) ist die F-18-FDG-PET-CT aufgrund der hoeheren Genauigkeit der SPECT vorzuziehen.
Kardiomyopathien und infiltrative Erkrankungen
Nuklearkardiologische Verfahren spielen eine zunehmende Rolle bei speziellen Fragestellungen:
| Erkrankung | Bevorzugtes Verfahren | Bemerkung |
|---|---|---|
| Kardiale Sarkoidose | F-18-FDG-PET-CT | Zwingend mit Suppressionsprotokoll (kohlenhydratfreie, fettreiche Diaet + Nuechternheit), um physiologischen Myokardstoffwechsel zu unterdruecken. |
| Kardiale Amyloidose | Knochenszintigraphie | Phosphat-/Phosphonat-Tracer reichern sich bei Transthyretin-Amyloidose diffus im Myokard an. |
| Ischaemische Kardiomyopathie | PET-CT (z. B. N-13-Ammoniak) | Zur Perfusionsdiagnostik und Abgrenzung von nicht-ischaemischen Formen. |
Infektioese Endokarditis
Bei Verdacht auf eine Entzuendung im Bereich von Herzklappenprothesen oder kardialen Implantaten (Schrittmacher, Defibrillatoren) sind nuklearmedizinische Verfahren in den ESC-Leitlinien verankert.
- F-18-FDG-PET-CT: Hohe Sensitivitaet, aber niedrigere Spezifitaet (erfasst auch sterile Entzuendungen/Fremdkoerperreaktionen).
- Leukozytenszintigraphie (SPECT): Hochspezifisch, aber weniger sensitiv. Einsatz oft als Stufendiagnostik bei unklaren PET-Befunden.
Strahlenexposition
Durch technische Fortschritte (CZT-Halbleiterdetektoren, Stress-only-Protokolle, Tc-99m statt Tl-201) konnte die Strahlenexposition deutlich gesenkt werden:
| Untersuchung | Durchschnittliche effektive Dosis |
|---|---|
| Myokard-Perfusions-SPECT (Standard) | ~ 6,5 mSv |
| F-18-FDG-PET | ~ 5,0 mSv |
| SPECT (Stress-only Protokoll) | ~ 2,0 mSv |
| SPECT mit CZT-Detektoren | bis ca. 1,0 mSv |
💡Praxis-Tipp
Weisen Sie Patienten vor einer F-18-FDG-PET-CT zur Sarkoidose-Diagnostik zwingend auf das Suppressionsprotokoll hin (kohlenhydratfreie, fettreiche Diaet am Vorabend und Nuechternheit), um falsch-positive Befunde durch den physiologischen Glukosestoffwechsel des Herzens zu vermeiden.