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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

MRT-Sicherheit nicht-aktiver Herz-Implantate (DGK)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Nicht-aktive kardiovaskuläre Implantate werden in 'MR safe', 'MR conditional' und 'MR unsafe' eingeteilt.
  • Patienten mit Koronarstents können sofort nach der Implantation bei 1,5 T oder 3 T untersucht werden.
  • Bei schwach ferromagnetischen Implantaten (z.B. bestimmte Coils oder Filter) sollte 6-8 Wochen bis zur Endothelialisierung gewartet werden.
  • Chirurgische und interventionelle Herzklappen (inkl. TAVI, MitraClip) gelten überwiegend als 'MR conditional' und erlauben eine sofortige MRT.
  • Die Überprüfung der spezifischen MRT-Bedingungen via Implantatausweis oder Datenbanken ist vor jeder Untersuchung obligatorisch.
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Hintergrund

Die Magnetresonanztomographie (MRT) birgt durch elektromagnetische Felder potenzielle Risiken für Patienten mit kardiovaskulären Implantaten. Bei nicht-aktiven (passiven) Implantaten resultieren Gefahren primär aus dem statischen Magnetfeld (Zug-/Drehkräfte), den Gradientenfeldern (Spannungspulse) und den Hochfrequenzfeldern (Erwärmung).

Die MRT-Sicherheit wird in drei Kategorien unterteilt:

KlassifikationBedeutung
MR safeKein Risiko im MRT-Umfeld (nicht leitend, nicht metallisch, nicht magnetisch).
MR conditionalSicher unter definierten Bedingungen (z.B. Feldstärke, SAR-Limit, Untersuchungsdauer).
MR unsafeStellt in jeder MRT-Umgebung eine Gefahr dar.

Gefäßimplantate (Stents, Filter, Coils)

Die meisten Gefäßimplantate bestehen aus nicht oder schwach ferromagnetischen Materialien. Durch den Anpressdruck an die Gefäßwand und die Endothelialisierung ist eine Migration unwahrscheinlich.

Koronarstents und periphere Stents

Für Koronarstents besteht eine sehr gute Datenlage. Auch ohne Vorliegen produktspezifischer Herstellerinformationen kann eine MRT-Untersuchung unter folgenden Bedingungen erfolgen:

ParameterEmpfehlung für Koronarstents
ZeitpunktSofort nach Implantation möglich
Feldstärke≤ 3 Tesla (1,5 T / 64 MHz oder 3 T / 128 MHz)
Ganzkörper-SAR≤ 2 W/kg (Normaler Betriebsmodus)
Dauer≤ 15 min pro Pulssequenz

Hinweis zur SAR: Im klinischen Alltag (z.B. kardiale MRT) wird das Limit von 2 W/kg oft überschritten (erste Stufe der kontrollierten Betriebsart). Die Taskforce hält dies bei Koronarstents für vertretbar, empfiehlt jedoch die Aufklärung des Patienten und den Versuch, durch Parameteranpassung im normalen Betriebsmodus zu bleiben.

Vena-cava-Filter und Coils

  • Nicht-ferromagnetisches Material: Sofortige MRT-Untersuchung (≤ 3 T) möglich.
  • Schwach ferromagnetisches Material: Untersuchung sollte erst nach 6-8 Wochen (nach kritischer Nutzen-Risiko-Abwägung) erfolgen.

Herzklappenprothesen

Sowohl chirurgische als auch interventionelle Herzklappen (TAVI, MitraClip, TriClip etc.) gelten überwiegend als "MR conditional". Relevante Erwärmungen oder Dislokationen wurden bis 3 Tesla nicht nachgewiesen.

ParameterEmpfehlung für Herzklappenprothesen
ZeitpunktSofort nach Implantation möglich
Feldstärke1,5 T oder 3 T
Ganzkörper-SAR≤ 2 W/kg
Dauer≤ 15 min pro Pulssequenz

Sondersituation: Bei "Valve-in-Valve"-Prozeduren ist die MRT-Sicherheit nicht explizit getestet und erfordert eine Einzelfallentscheidung.

Okkluder-Systeme

Vorhofohr-Verschluss (LAA-Okkluder)

Systeme wie Watchman, Amulet oder AtriClip sind als "MR conditional" eingestuft und erlauben eine sofortige MRT nach Implantation. Die Bedingungen variieren je nach Hersteller leicht:

  • Watchman / Watchman FLX: ≤ 3 T, SAR ≤ 2 W/kg, max. 15 min/Sequenz.
  • Amplatzer Amulet: ≤ 3 T, SAR ≤ 3 W/kg, max. 15 min/Sequenz.
  • AtriClip (chirurgisch): ≤ 3 T, SAR ≤ 4 W/kg, max. 15 min/Sequenz.

PFO-, ASD- und VSD-Okkluder

  • Nitinol/Titan-Basis (z.B. Amplatzer, Occlutech): Sofort nach Implantation untersuchbar (MR conditional).
  • Edelstahl-Basis (schwach ferromagnetisch): Mindestens 6 Wochen bis zur Endothelialisierung abwarten.

Portkathetersysteme

Patienten mit Portkathetern können sofort nach Implantation bei 1,5 T oder 3 T (SAR ≤ 2 W/kg) untersucht werden. Das Fehlen produktspezifischer Informationen rechtfertigt nicht, dem Patienten eine indizierte MRT vorzuenthalten.

💡Praxis-Tipp

Fragen Sie vor jeder MRT aktiv nach Implantaten und nutzen Sie Online-Datenbanken (z.B. mrisafety.com) oder den Implantatausweis, um die spezifischen 'MR conditional'-Bedingungen des jeweiligen Produkts zu verifizieren.

Häufig gestellte Fragen

Patienten mit Koronarstents können sofort nach der Implantation in einem 1,5-Tesla- oder 3-Tesla-MRT untersucht werden.
Ja, alle bisher getesteten interventionellen Klappenprothesen (inkl. TAVI und MitraClip) gelten als 'MR conditional' und können sofort nach Implantation bei bis zu 3 Tesla untersucht werden.
Bei modernen Okkludern aus Nitinol oder Titan kann das MRT sofort erfolgen. Bei älteren Modellen auf Edelstahlbasis müssen mindestens 6 Wochen bis zur Endothelialisierung abgewartet werden.
Das Implantat ist im MRT sicher, sofern definierte technische Bedingungen (wie maximale Magnetfeldstärke, SAR-Limit und Untersuchungsdauer) strikt eingehalten werden.
Ja, Portkathetersysteme erlauben eine sofortige MRT-Untersuchung bei 1,5 T oder 3 T, auch wenn die spezifischen Herstellerinformationen im Akutfall nicht vorliegen.

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