MRT-Sicherheit nicht-aktiver Herz-Implantate (DGK)
📋Auf einen Blick
- •Nicht-aktive kardiovaskuläre Implantate werden in 'MR safe', 'MR conditional' und 'MR unsafe' eingeteilt.
- •Patienten mit Koronarstents können sofort nach der Implantation bei 1,5 T oder 3 T untersucht werden.
- •Bei schwach ferromagnetischen Implantaten (z.B. bestimmte Coils oder Filter) sollte 6-8 Wochen bis zur Endothelialisierung gewartet werden.
- •Chirurgische und interventionelle Herzklappen (inkl. TAVI, MitraClip) gelten überwiegend als 'MR conditional' und erlauben eine sofortige MRT.
- •Die Überprüfung der spezifischen MRT-Bedingungen via Implantatausweis oder Datenbanken ist vor jeder Untersuchung obligatorisch.
Hintergrund
Die Magnetresonanztomographie (MRT) birgt durch elektromagnetische Felder potenzielle Risiken für Patienten mit kardiovaskulären Implantaten. Bei nicht-aktiven (passiven) Implantaten resultieren Gefahren primär aus dem statischen Magnetfeld (Zug-/Drehkräfte), den Gradientenfeldern (Spannungspulse) und den Hochfrequenzfeldern (Erwärmung).
Die MRT-Sicherheit wird in drei Kategorien unterteilt:
| Klassifikation | Bedeutung |
|---|---|
| MR safe | Kein Risiko im MRT-Umfeld (nicht leitend, nicht metallisch, nicht magnetisch). |
| MR conditional | Sicher unter definierten Bedingungen (z.B. Feldstärke, SAR-Limit, Untersuchungsdauer). |
| MR unsafe | Stellt in jeder MRT-Umgebung eine Gefahr dar. |
Gefäßimplantate (Stents, Filter, Coils)
Die meisten Gefäßimplantate bestehen aus nicht oder schwach ferromagnetischen Materialien. Durch den Anpressdruck an die Gefäßwand und die Endothelialisierung ist eine Migration unwahrscheinlich.
Koronarstents und periphere Stents
Für Koronarstents besteht eine sehr gute Datenlage. Auch ohne Vorliegen produktspezifischer Herstellerinformationen kann eine MRT-Untersuchung unter folgenden Bedingungen erfolgen:
| Parameter | Empfehlung für Koronarstents |
|---|---|
| Zeitpunkt | Sofort nach Implantation möglich |
| Feldstärke | ≤ 3 Tesla (1,5 T / 64 MHz oder 3 T / 128 MHz) |
| Ganzkörper-SAR | ≤ 2 W/kg (Normaler Betriebsmodus) |
| Dauer | ≤ 15 min pro Pulssequenz |
Hinweis zur SAR: Im klinischen Alltag (z.B. kardiale MRT) wird das Limit von 2 W/kg oft überschritten (erste Stufe der kontrollierten Betriebsart). Die Taskforce hält dies bei Koronarstents für vertretbar, empfiehlt jedoch die Aufklärung des Patienten und den Versuch, durch Parameteranpassung im normalen Betriebsmodus zu bleiben.
Vena-cava-Filter und Coils
- Nicht-ferromagnetisches Material: Sofortige MRT-Untersuchung (≤ 3 T) möglich.
- Schwach ferromagnetisches Material: Untersuchung sollte erst nach 6-8 Wochen (nach kritischer Nutzen-Risiko-Abwägung) erfolgen.
Herzklappenprothesen
Sowohl chirurgische als auch interventionelle Herzklappen (TAVI, MitraClip, TriClip etc.) gelten überwiegend als "MR conditional". Relevante Erwärmungen oder Dislokationen wurden bis 3 Tesla nicht nachgewiesen.
| Parameter | Empfehlung für Herzklappenprothesen |
|---|---|
| Zeitpunkt | Sofort nach Implantation möglich |
| Feldstärke | 1,5 T oder 3 T |
| Ganzkörper-SAR | ≤ 2 W/kg |
| Dauer | ≤ 15 min pro Pulssequenz |
Sondersituation: Bei "Valve-in-Valve"-Prozeduren ist die MRT-Sicherheit nicht explizit getestet und erfordert eine Einzelfallentscheidung.
Okkluder-Systeme
Vorhofohr-Verschluss (LAA-Okkluder)
Systeme wie Watchman, Amulet oder AtriClip sind als "MR conditional" eingestuft und erlauben eine sofortige MRT nach Implantation. Die Bedingungen variieren je nach Hersteller leicht:
- Watchman / Watchman FLX: ≤ 3 T, SAR ≤ 2 W/kg, max. 15 min/Sequenz.
- Amplatzer Amulet: ≤ 3 T, SAR ≤ 3 W/kg, max. 15 min/Sequenz.
- AtriClip (chirurgisch): ≤ 3 T, SAR ≤ 4 W/kg, max. 15 min/Sequenz.
PFO-, ASD- und VSD-Okkluder
- Nitinol/Titan-Basis (z.B. Amplatzer, Occlutech): Sofort nach Implantation untersuchbar (MR conditional).
- Edelstahl-Basis (schwach ferromagnetisch): Mindestens 6 Wochen bis zur Endothelialisierung abwarten.
Portkathetersysteme
Patienten mit Portkathetern können sofort nach Implantation bei 1,5 T oder 3 T (SAR ≤ 2 W/kg) untersucht werden. Das Fehlen produktspezifischer Informationen rechtfertigt nicht, dem Patienten eine indizierte MRT vorzuenthalten.
💡Praxis-Tipp
Fragen Sie vor jeder MRT aktiv nach Implantaten und nutzen Sie Online-Datenbanken (z.B. mrisafety.com) oder den Implantatausweis, um die spezifischen 'MR conditional'-Bedingungen des jeweiligen Produkts zu verifizieren.