Kardio-MRT bei Interventionen: DGK-Positionspapier
📋Auf einen Blick
- •Die k-MRT ist ein zentrales Werkzeug für die periprozedurale Planung von Koronar-, Klappen- und elektrophysiologischen Interventionen.
- •Bei Patienten mit Devices (HSM/ICD) ist eine k-MRT unter Beachtung spezifischer Protokolle und nach Ablauf von 6 Wochen post-Implantation meist sicher durchführbar.
- •Für die Kontrastmittelgabe sollten ausschließlich makrozyklische Gadolinium-basierte Kontrastmittel (GBCA) in der geringstmöglichen Dosis verwendet werden.
- •In der Ischämiediagnostik dient die Stress-Perfusions-MRT als wichtiger Gatekeeper zur Indikationsstellung für eine invasive Koronarangiographie.
- •Die LGE-basierte Bestimmung der Narbentransmuralität prädiziert zuverlässig die Erholung der Myokardfunktion nach einer Revaskularisation.
Hintergrund
Die kardiovaskuläre Magnetresonanztomographie (k-MRT) hat sich als zentraler Bestandteil der kardialen Diagnostik etabliert. Sie bietet einzigartige Möglichkeiten zur umfassenden Analyse der myokardialen Morphologie, Funktion und nicht-invasiven Gewebedifferenzierung. Das aktuelle Positionspapier der DGK beleuchtet den Einsatz der k-MRT zur periprozeduralen Planung und Steuerung in der interventionellen Kardiologie.
Technische Voraussetzungen und Kontrastmittel
Für die k-MRT werden klinisch meist Scanner mit 1,5 T oder 3 T eingesetzt. Während 1,5 T weniger artefaktanfällig bei der EKG-Triggerung ist, bietet 3 T theoretische Vorteile in der Perfusionsbildgebung.
Bei der Kontrastmittelgabe gelten folgende Grundsätze:
- Es kommen nur noch makrozyklische Gadolinium-basierte Kontrastmittel (GBCA) zur Anwendung.
- Die Dosis sollte für eine angemessene Bildqualität so niedrig wie möglich gehalten werden.
- Bei Niereninsuffizienz ist das Risiko einer Gadoliniumretention oder nephrogenen systemischen Fibrose (NSF) zu beachten.
k-MRT bei Patienten mit Devices (HSM/ICD)
Die k-MRT bei Patienten mit implantierten Devices erfordert spezielle Protokolle und eine lückenlose Überwachung. Nach einer Implantation muss ein Mindestabstand von in der Regel 6 Wochen eingehalten werden, um eine Sondenstabilisierung zu gewährleisten.
| MRT-Klassifikation | Bedeutung für die k-MRT |
|---|---|
| MR safe | MRT-sicher, uneingeschränkt möglich |
| MR conditional | Bedingt MRT-sicher, Untersuchung unter speziellen Vorgaben möglich |
| MR unlabelled | Nicht MRT-getestet, bei intakten Systemen (ab 2002) an 1,5 T oft sicher durchführbar |
| Abandoned leads | Stillgelegte Sonden bergen ein erhöhtes Erwärmungsrisiko, Einzelfallabwägung an 1,5 T möglich |
Planung von Koronarinterventionen
Die k-MRT dient als wichtiger Gatekeeper vor invasiven Koronarangiographien. Die Stress-Perfusions-MRT (z. B. mit Adenosin) deckt funktionell relevante Ischämien auf.
Zur Beurteilung der Myokardvitalität wird das Late Gadolinium Enhancement (LGE) genutzt. Die Transmuralität der Narbe prädiziert die Erholung der linksventrikulären Funktion nach einer Revaskularisation:
| Transmuralität der Narbe | Wahrscheinlichkeit der Funktionserholung | Bemerkung |
|---|---|---|
| < 25 % | Hoch | Revaskularisation empfohlen |
| 25 - 75 % | Intermediär | Dobutamin-Stress-MRT zur weiteren Differenzierung sinnvoll |
| > 75 % | Gering | Revaskularisation meist ohne funktionellen Benefit |
Bei chronischen Totalverschlüssen (CTO) gilt eine Infarkttransmuralität von ≤ 50 % als Cut-off für eine relevante Funktionserholung.
Planung von elektrophysiologischen Eingriffen
Vor der Ablation ventrikulärer Tachykardien (VT) wird die k-MRT zur Bestimmung von Lokalisation und Ausdehnung der strukturellen Myokardschädigung eingesetzt. Besonders der Nachweis eines epikardialen Substrats beeinflusst die Prozedurplanung (z. B. Notwendigkeit eines chirurgischen Zugangs) entscheidend.
Planung von Klappeninterventionen
Mit der Zunahme kathetergestützter Klappeninterventionen wächst die Bedeutung der k-MRT für die präzise anatomische und funktionelle Evaluation:
| Klappenvitium | Nutzen der k-MRT |
|---|---|
| Aortenklappenstenose (TAVI) | Strahlenfreie Alternative zum CT (Annulus, Koronarostien), Beurteilung des myokardialen Remodellings (ECV) |
| Mitralklappeninsuffizienz | Präzise Quantifizierung von Regurgitationsvolumina, Lokalisation des Koronarvenensinus |
| Trikuspidalklappenvitien | Goldstandard zur Beurteilung rechtsventrikulärer und -atrialer Volumina und Funktion |
Zudem kann die k-MRT nach Interventionen (z. B. TEER-Verfahren) zur Reevaluation verbleibender Insuffizienzen genutzt werden, insbesondere wenn die Echokardiographie durch Artefakte eingeschränkt ist.
💡Praxis-Tipp
Halten Sie nach der Implantation von Herzschrittmachern oder ICDs zwingend einen zeitlichen Mindestabstand von 6 Wochen ein, bevor Sie eine k-MRT anordnen, um eine ausreichende Wundheilung und Sondenstabilisierung zu gewährleisten.