ClariMedClariMed
DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Herz-MRT mit Schrittmacher & ICD: DGK-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Herz-MRT-Untersuchungen sind sowohl bei bedingt MRT-sicheren als auch bei nicht MRT-getesteten CIEDs unter strengen Voraussetzungen sicher durchführbar.
  • Die Untersuchung erfordert ein erfahrenes, interdisziplinäres Team aus Kardiologie und Radiologie sowie ein kontinuierliches Patientenmonitoring.
  • Nicht MRT-getestete Systeme werden im Off-label-Use untersucht und erfordern eine besonders sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung.
  • Zur Reduktion von CIED-bedingten Artefakten sollten sGRE-Sequenzen (statt bSSFP) und Wideband-Inversionspulse (für LGE) genutzt werden.
  • Stillgelegte endokardiale Elektroden stellen ein geringes Risiko dar, bei epikardialen Elektroden ist hingegen größere Zurückhaltung geboten.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die kardiovaskuläre Magnetresonanztomographie (CMR) spielt eine zentrale Rolle in der Diagnostik. Dank technischer Fortschritte können heutzutage CMR-Untersuchungen sowohl bei Patienten mit bedingt MRT-sicheren als auch mit nicht MRT-getesteten (älteren) kardialen implantierbaren elektronischen Geräten (CIEDs, wie Herzschrittmacher und ICDs) sicher durchgeführt werden. Voraussetzung ist eine strenge Nutzen-Risiko-Abwägung und die Durchführung in erfahrenen Zentren.

Voraussetzungen und Sicherheit

Die Untersuchung von CIED-Patienten erfordert eine interdisziplinäre Kooperation (Kardiologie/Rhythmologie und MRT-Expertise). Ein kontinuierliches Monitoring (Blutdruck, Puls, Sauerstoffsättigung) während der Untersuchung ist zwingend erforderlich.

Vor der Untersuchung muss das individuelle Risiko bewertet werden:

RisikostufePatienten- und Device-Faktoren
Hohes RisikoBatterieerschöpfung, Parameter außerhalb der Norm, Sondenbruch, stillgelegte epikardiale Elektroden, temporäre Devices, Implantation vor 2002
Mittleres RisikoFehlender Eigenrhythmus bei nicht MRT-getestetem Aggregat, stillgelegte endokardiale Elektroden, Implantation in den letzten 7 Tagen
Niedriges RisikoIntakte Devices (auch bei thorakaler Ausschluss-Zone), Implantation vor 2-6 Wochen

Hinweis: Die Untersuchung von nicht MRT-getesteten Systemen erfolgt formal im "Off-label"-Use und erfordert eine gesonderte Patientenaufklärung.

Abbruchkriterien und Device-Kontrolle

Klinische Abbruchkriterien umfassen symptomatische Brady- oder Tachykardien, ineffektive Stimulation oder relevante Sättigungsabfälle. Nach der MRT-Untersuchung muss das Device erneut abgefragt werden. Folgende technische Veränderungen gelten als klinisch relevant:

ParameterRelevante Veränderung nach MRT
BatteriespannungAbfall ≥ 0,04 V
ReizschwelleAnstieg ≥ 0,5 V bzw. ≥ 50 %
StimulationsimpedanzVeränderung ≥ 50 Ω
SchocksondenimpedanzVeränderung ≥ 3 Ω
P-/R-Wellen-AmplitudeAbnahme P-Welle ≥ 50 % oder R-Welle ≥ 25 %

Bildoptimierung und Artefaktmanagement

CIEDs verursachen Magnetfeldinhomogenitäten ("Off-resonance"-Effekte), die zu massiven Bildartefakten führen können. Die Wahl der richtigen MRT-Sequenz ist entscheidend:

BildgebungsartStandard-SequenzEmpfohlene CIED-SequenzBemerkung
Cine-BildgebungbSSFPsGRE ("spoiled" Gradientenecho)sGRE reduziert Phasenakkumulation und Artefakte deutlich, hat aber ein geringeres Signal-zu-Rausch-Verhältnis.
LGE (Narben)Schmaler InversionspulsBreitband (Wideband) InversionspulsReduziert hyperintense Artefakte. Frequenz-Offset anpassen (+1500 Hz bei pektoral, -1500 Hz bei S-ICD).
T1-MappingbSSFP-basiert (MOLLI)sGRE + Wideband-AnsatzStandard-MOLLI ist meist nicht verwertbar. T2*-Mapping ist extrem anfällig, stattdessen T2-Mapping bevorzugen.
PerfusionbSSFPsGRE-basiertGeneriert in bis zu 98 % diagnostische Aufnahmen.

Praktische Maßnahmen zur Artefaktreduktion:

  • Untersuchung in Inspirationslage (vergrößert den Abstand zwischen Herz und Aggregat).
  • Armhochlagerung auf der ipsilateralen Seite (bringt im Schnitt ca. 2 cm mehr Abstand).
  • Intravenöse Kontrastmittelgabe beschleunigt die transversale Relaxation und reduziert akkumulierte Phasen.

Besondere Konstellationen

  • Stillgelegte Elektroden: Endokardiale stillgelegte Elektroden weisen ersten Studienergebnissen zufolge ein niedriges Risiko auf (Kühlung durch Blutfluss). Bei epikardialen Elektroden ist das Risiko höher, eine MRT ist nur nach strenger Einzelfallabwägung durchzuführen.
  • Feldstärke: Die meiste Erfahrung liegt für 1,5-Tesla vor. Bei 3,0-T ist die Hochfrequenzenergie (SAR) um das 4-fache erhöht, was das Erwärmungsrisiko prinzipiell steigert.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie bei CIED-Patienten primär sGRE-Sequenzen statt bSSFP für die Cine- und Perfusionsbildgebung und setzen Sie Wideband-Inversionspulse für das LGE ein. Lagern Sie den ipsilateralen Arm hoch und untersuchen Sie in Inspirationslage, um den Abstand zwischen Device und Herz zu maximieren.

Häufig gestellte Fragen

Ja, unter strengen Voraussetzungen und in erfahrenen Zentren ist dies als Off-label-Use möglich. Es erfordert jedoch eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung, spezielle Aufklärung und lückenloses Monitoring.
Die größte klinische Erfahrung und Sicherheit besteht bei 1,5-Tesla-Systemen. Bei 3,0-Tesla ist die Hochfrequenzenergie (SAR) viermal so hoch, was das Risiko für Gewebeerwärmungen erhöht.
Nein. Stillgelegte endokardiale Elektroden gelten mittlerweile als risikoarm. Bei stillgelegten epikardialen Elektroden ist das Risiko jedoch höher, weshalb hier eine strengere Einzelfallentscheidung nötig ist.
Durch die Verwendung von Breitband-Inversionspulsen (Wideband-LGE) anstelle von klassischen schmalen Inversionspulsen lassen sich hyperintense Artefakte signifikant reduzieren.

Verwandte Leitlinien