Fibromyalgiesyndrom (FMS): Diagnostik und Therapie
Hintergrund
Das Fibromyalgiesyndrom (FMS) wird in der AWMF S3-Leitlinie als funktionelles somatisches Syndrom klassifiziert. Es ist durch chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen, Schlafstörungen und eine ausgeprägte körperliche sowie geistige Erschöpfungsneigung (Fatigue) gekennzeichnet.
Als Erklärungsmodell wird ein biopsychosoziales Modell postuliert. Dabei lösen physikalische, biologische oder psychosoziale Stressoren bei entsprechender Prädisposition Veränderungen in der zentralen Schmerzverarbeitung aus. Die Leitlinie betont, dass dem FMS keine strukturelle Gewebsschädigung oder entzündlich-rheumatische Erkrankung zugrunde liegt.
Die Prävalenz in Deutschland liegt bei etwa 2,1 Prozent, wobei in klinischen Einrichtungen überwiegend Frauen mittleren Alters vorstellig werden. Die Mortalität ist bei FMS nicht erhöht, jedoch kann die Lebensqualität der Betroffenen stark eingeschränkt sein.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Hinweis der Leitlinie ist, dass nicht-medikamentöse Verfahren wie Ausdauertraining und kognitive Verhaltenstherapie eine vergleichbare Wirksamkeit wie Medikamente aufweisen, jedoch deutlich geringere Risiken für schwerwiegende Nebenwirkungen bergen. Bei einer medikamentösen Therapie wird empfohlen, die Indikation streng zu stellen und nach spätestens sechs Monaten einen Auslassversuch zu erwägen.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt als Basislabor die Bestimmung von Blutsenkungsgeschwindigkeit, CRP, kleinem Blutbild, Kreatinkinase, Kalzium, basalem TSH und 25-OH-Vitamin D. Weitere apparative Diagnostik wird bei unauffälligem Befund nicht empfohlen.
Nein, die Leitlinie rät vom Einsatz nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAR) sowie starker Opioide explizit ab. Für diese Substanzklassen ist keine Wirksamkeit beim Fibromyalgiesyndrom belegt.
Es wird ein Ausdauertraining mit geringer bis mittlerer Intensität (z. B. schnelles Spazierengehen, Walking, Fahrradfahren, Aquajogging) für 2-3 Mal pro Woche über mindestens 30 Minuten stark empfohlen. Auch Trocken- und Wassergymnastik werden positiv bewertet.
Bei Kindern und Jugendlichen wird laut Leitlinie von einer medikamentösen Therapie abgeraten. Stattdessen wird ein biopsychosozialer Ansatz mit Edukation, psychologischen Verfahren und Physiotherapie im Rahmen einer multimodalen Schmerztherapie empfohlen.
Eine psychotherapeutische Behandlung, insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie, wird bei maladaptiver Krankheitsbewältigung, starker Beeinflussung der Beschwerden durch Alltagsstress oder bei komorbiden psychischen Störungen empfohlen.
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Quelle: AWMF 145-004: S3-Leitlinie Fibromyalgiesyndrom (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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