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Fibromyalgiesyndrom (FMS): S3-Leitlinie DGPPN

Diese Leitlinie stammt aus 2017 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: DGPPN (2017)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Das Fibromyalgiesyndrom (FMS) wird als funktionelles somatisches Syndrom klassifiziert. Kernsymptome sind chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen, Schlafstörungen und eine körperliche sowie geistige Erschöpfungsneigung.

Die Ätiologie ist nicht vollständig geklärt, jedoch wird ein biopsychosoziales Modell postuliert. Biologische Faktoren, psychische Belastungen und Lebensstilfaktoren können mit der Entstehung assoziiert sein.

Die Mortalität beim FMS ist laut Leitlinie nicht erhöht. Es wird betont, dass das FMS nicht pauschal mit einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung oder einer depressiven Störung gleichzusetzen ist, auch wenn häufig Überlappungen und Komorbiditäten bestehen.

Empfehlungen

Die S3-Leitlinie der DGPPN (2017) formuliert folgende Kernempfehlungen zur Diagnostik und Therapie des Fibromyalgiesyndroms.

Klinische Diagnostik

Die Diagnose beruht auf der Anamnese eines typischen Symptomkomplexes, der klinischen Untersuchung und dem Ausschluss anderer körperlicher Erkrankungen. Es wird empfohlen, die Diagnose nach den ACR-1990-Kriterien oder den modifizierten ACR-2010-Kriterien zu stellen (starker Konsens).

Bei der Erstevaluation wird eine obligate Basisdiagnostik empfohlen:

  • Vollständige medizinische Anamnese und körperliche Untersuchung

  • Ausfüllen einer Schmerzskizze und des Fibromyalgie-Symptomfragebogens

  • Basislabor (BSG, CRP, kleines Blutbild, CK, Kalzium, TSH basal, Vitamin D)

  • Screening auf seelische Symptombelastung (z. B. mit PHQ-4)

Bei unauffälligem Basislabor und fehlenden Hinweisen auf andere Erkrankungen soll auf weiterführende apparative Diagnostik verzichtet werden (starker Konsens).

Allgemeine Behandlungsgrundsätze

Es wird empfohlen, die Patientin über die Diagnose aufzuklären und ein biopsychosoziales Krankheitsmodell zu vermitteln (starke Empfehlung). Die Erarbeitung realistischer Therapieziele, wie eine 30-prozentige Symptomreduktion oder die Verbesserung der Alltagsfunktion, wird angeraten.

Bei leichten Verlaufsformen wird zu körperlicher und psychosozialer Aktivierung ermutigt. Bei schweren Verläufen wird eine multimodale Therapie sowie eine zeitlich befristete medikamentöse Therapie empfohlen.

Nicht-medikamentöse Therapie

Körperliches Training und psychologische Verfahren bilden die Basis der Behandlung. Die Leitlinie empfiehlt:

  • Ausdauertraining mit geringer bis mittlerer Intensität, 2-3 mal pro Woche für mindestens 30 Minuten (starke Empfehlung)

  • Wassergymnastik und Trockengymnastik (starke Empfehlung)

  • Kognitive Verhaltenstherapie (starke Empfehlung)

  • Multimodale Therapie, bestehend aus mindestens einem aktivierenden und einem psychotherapeutischen Verfahren (starke Empfehlung)

Von passiven Verfahren wie Massage, Chirotherapie oder TENS wird abgeraten (negative Empfehlung).

Dosierung

Die Leitlinie weist darauf hin, dass in Deutschland kein Medikament explizit für das FMS zugelassen ist. Medikamentöse Therapien erfolgen off-label oder zur Behandlung von Komorbiditäten.

WirkstoffDosierungIndikation / BemerkungEmpfehlungsgrad
Amitriptylin10-50 mg/dZeitlich befristeter Einsatz (Off-Label)Empfehlung
Duloxetin60 mg/dBei komorbider Major Depression / generalisierter AngststörungEmpfehlung
Pregabalin150-450 mg/dBei komorbider generalisierter AngststörungEmpfehlung
Quetiapin50-300 mg/dBei komorbider Major Depression, wenn Duloxetin versagtOffene Empfehlung

Es wird empfohlen, eine medikamentöse Therapie nach spätestens sechs Monaten auf eine Dosisreduktion mit dem Ziel des Absetzens zu überprüfen.

Kontraindikationen

Die Leitlinie spricht sich explizit gegen den Einsatz bestimmter Medikamentengruppen zur Behandlung des FMS aus.

Folgende Substanzklassen sollen laut Leitlinie nicht eingesetzt werden (stark negative Empfehlung):

  • Starke Opioide

  • Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)

  • Hypnotika und Anxiolytika

  • Hormone (z. B. Glukokortikoide, Schilddrüsenhormone)

  • Milnacipran (100-200 mg/d) aufgrund unzureichender Wirksamkeit und hoher Abbruchraten

Bei Kindern und Jugendlichen wird generell empfohlen, keine medikamentöse Therapie zur Behandlung des FMS durchzuführen.

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💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie betont, dass eine medikamentöse Therapie beim Fibromyalgiesyndrom nicht zwingend notwendig ist und die Risiken genau gegen den Nutzen abgewogen werden müssen. Es wird darauf hingewiesen, dass nicht-medikamentöse Verfahren wie Ausdauertraining und kognitive Verhaltenstherapie eine vergleichbare Wirksamkeit wie Medikamente aufweisen, jedoch ein deutlich geringeres Risiko für schwerwiegende Nebenwirkungen bergen. Bei fehlendem Ansprechen einer Medikation nach vier Wochen wird ein Absetzen empfohlen.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt eine klinische Diagnose basierend auf der Anamnese, einer körperlichen Untersuchung und dem Ausschluss anderer Erkrankungen. Die Diagnose kann anhand der ACR-1990-Kriterien (Tender Points) oder der modifizierten ACR-2010-Kriterien gestellt werden.

Es wird eine Basisdiagnostik mit Bestimmung von BSG, CRP, kleinem Blutbild, Kreatinkinase, Kalzium, TSH basal und Vitamin D empfohlen. Bei unauffälligen Werten soll auf eine weiterführende apparative Diagnostik verzichtet werden.

Die Leitlinie empfiehlt Ausdauertraining mit geringer bis mittlerer Intensität, wie schnelles Spazierengehen, Walking, Fahrradfahren oder Aquajogging. Dieses sollte zwei- bis dreimal wöchentlich für mindestens 30 Minuten durchgeführt werden.

Nein, die Leitlinie rät vom Einsatz nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAR) und starker Opioide ab. Starke Opioide wurden von Betroffenen sogar als die am schädlichsten bewertete Medikamentenklasse eingestuft.

Es wird empfohlen, bei Kindern und Jugendlichen mit chronischen Schmerzen in mehreren Körperregionen keine medikamentöse Schmerztherapie durchzuführen. Stattdessen wird eine multimodale Schmerztherapie angeraten.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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