Enzalutamid bei nmCRPC: Indikation und Therapie-Nutzen
Hintergrund
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat das IQWiG mit der Nutzenbewertung von Enzalutamid beauftragt. Die Bewertung untersucht den Zusatznutzen bei erwachsenen Männern mit nicht metastasiertem, kastrationsresistentem Hochrisiko-Prostatakarzinom (Hochrisiko-nmCRPC).
Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde ein abwartendes Vorgehen unter Beibehaltung der bestehenden konventionellen Androgendeprivationstherapie (ADT) festgelegt. Die ADT erfolgt durch operative Kastration oder medikamentös mittels GnRH-Agonisten beziehungsweise GnRH-Antagonisten.
Die Bewertung basiert maßgeblich auf der randomisierten, doppelblinden Phase-3-Studie PROSPER. In dieser wurde Enzalutamid in Kombination mit einer ADT gegen Placebo plus ADT verglichen.
Empfehlungen
Die IQWiG-Nutzenbewertung formuliert folgende Kernaussagen basierend auf der PROSPER-Studie:
Gesamtüberleben und Morbidität
Laut IQWiG zeigt sich für das Gesamtüberleben kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen. Auch für die Endpunkte stärkster Schmerz, Beeinträchtigung durch Schmerz und den allgemeinen Gesundheitszustand (EQ-5D VAS) lässt sich kein Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen ableiten.
Gesundheitsbezogene Lebensqualität
Die gesundheitsbezogene Lebensqualität wurde mittels des FACT-P-Fragebogens erhoben. Für die Zeit bis zur erstmaligen Verschlechterung ergibt sich laut Bericht kein statistisch signifikanter Unterschied. Ein Zusatznutzen ist in diesem Bereich somit nicht belegt.
Nebenwirkungen und Schadenspotenzial
In der Kategorie der unerwünschten Ereignisse (UE) zeigen sich sowohl positive als auch negative Effekte für Enzalutamid:
-
Es gibt einen Anhaltspunkt für einen geringeren Schaden bei Erkrankungen der Niere und Harnwege (schwere UE).
-
Bei Harnwegsinfektionen zeigt sich ein geringerer Schaden nur für die Subgruppe mit einem Gleason Score <= 7.
-
Ein Anhaltspunkt für einen höheren Schaden besteht bei Erkrankungen des Nervensystems, Fatigue, Appetitabnahme und Gefäßerkrankungen.
-
Bei Patienten ab 75 Jahren zeigt sich ein Anhaltspunkt für einen höheren Schaden durch Stürze.
Gesamtaussage zum Zusatznutzen
In der Gesamtschau relativieren sich die positiven und negativen Effekte im Bereich der Nebenwirkungen. Zusammenfassend gibt es laut IQWiG für Patienten mit Hochrisiko-nmCRPC keinen Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen von Enzalutamid plus ADT gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie. Der Zusatznutzen gilt als nicht belegt.
Dosierung
Der Bericht zitiert folgende Dosierungsempfehlungen aus der Fachinformation:
| Medikament | Dosis | Indikation | Anwendungshinweis |
|---|---|---|---|
| Enzalutamid | 160 mg (einmal täglich) | Hochrisiko-nmCRPC | Oral als Ganzes mit Wasser, unabhängig von Mahlzeiten |
| LHRH-Analogon | Fortführung der bestehenden Therapie | Hochrisiko-nmCRPC | Zwingend bei Patienten ohne chirurgische Kastration |
Bei toxischen Wirkungen vom Schweregrad >= 3 oder intolerablen Nebenwirkungen ist laut Fachinformation eine Dosisunterbrechung oder -reduktion auf 120 mg oder 80 mg täglich erlaubt.
Kontraindikationen
Laut Fachinformation, die im Bericht zitiert wird, gelten folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:
-
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder sonstige Bestandteile.
-
Anwendung bei Frauen (insbesondere bei möglicher Schwangerschaft).
-
Warnhinweis bei Krampfanfällen in der Vorgeschichte oder prädisponierenden Faktoren.
-
Warnhinweis bezüglich des posterioren reversiblen Enzephalopathie-Syndroms (PRES).
-
Vorsicht bei schwerer Nieren- oder Leberfunktionsstörung sowie bei kürzlich erlittenem Myokardinfarkt oder instabiler Angina pectoris.
💡Praxis-Tipp
Der Bericht hebt hervor, dass bei der Behandlung mit Enzalutamid ein erhöhtes Risiko für Stürze besteht, welches insbesondere bei Patienten ab einem Alter von 75 Jahren signifikant zum Tragen kommt. Es wird zudem darauf hingewiesen, dass die konventionelle Androgendeprivationstherapie (ADT) während der Gabe von Enzalutamid zwingend fortgeführt werden muss, sofern keine chirurgische Kastration vorliegt.
Häufig gestellte Fragen
Die empfohlene Dosis beträgt 160 mg als tägliche Einmalgabe. Die Einnahme erfolgt oral mit Wasser und ist unabhängig von den Mahlzeiten möglich.
Ja, laut Fachinformation muss eine medikamentöse Kastration mit einem LHRH-Analogon während der Behandlung fortgeführt werden. Dies gilt für alle Patienten, die nicht chirurgisch kastriert sind.
Das IQWiG sieht den Zusatznutzen von Enzalutamid in dieser Indikation als nicht belegt an. Es zeigten sich in der Zulassungsstudie keine signifikanten Vorteile beim Gesamtüberleben oder der Lebensqualität, während im Bereich der Nebenwirkungen sowohl positive als auch negative Effekte auftraten.
Der Bericht verzeichnet unter Enzalutamid einen Anhaltspunkt für einen höheren Schaden bei Fatigue, Appetitabnahme, Gefäßerkrankungen und Erkrankungen des Nervensystems. Bei älteren Patienten ab 75 Jahren wurde zudem ein erhöhtes Sturzrisiko beobachtet.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: IQWiG A18-80: Enzalutamid (Prostatakrebs) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
IQWiG A14-48: Enzalutamid (neues Anwendungsgebiet) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (Dossierbewertung)
IQWiG A20-46: Enzalutamid (Prostatakarzinom) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (Ablauf Befristung)
IQWiG A19-09: Apalutamid (Prostatakarzinom) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V
IQWiG A13-33: Enzalutamid - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (Dossierbewertung)
IQWiG A17-64: Abirateronacetat (Prostatakarzinom) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen