Enzalutamid bei mCRPC: IQWiG-Nutzenbewertung
Hintergrund
Der IQWiG-Bericht aus dem Jahr 2015 bewertet den Zusatznutzen von Enzalutamid in einem neuen Anwendungsgebiet. Es geht um erwachsene Männer mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom (mCRPC).
Die Zielgruppe umfasst Patienten mit asymptomatischem oder mild symptomatischem Verlauf nach Versagen der Androgenentzugstherapie. Eine Chemotherapie darf bei diesen Patienten klinisch noch nicht indiziert sein.
Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde das abwartende Vorgehen unter Beibehaltung der bestehenden konventionellen Androgendeprivation (ADT) festgelegt. Die Bewertung basiert maßgeblich auf den Daten der Zulassungsstudie PREVAIL.
Empfehlungen
Der Bericht formuliert folgende Ergebnisse zum Zusatznutzen basierend auf der PREVAIL-Studie:
Gesamtüberleben und Alterseffekte
Die Behandlung mit Enzalutamid plus ADT führt zu einer statistisch signifikanten Verlängerung des Gesamtüberlebens. Dabei zeigt sich eine Modifikation des Effekts durch das Alter der Patienten.
Für Patienten unter 75 Jahren ergibt sich ein Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen. Bei Patienten ab 75 Jahren wird ein Hinweis auf einen erheblichen Zusatznutzen festgestellt.
Morbidität und Lebensqualität
Laut Bewertung ergeben sich für verschiedene Endpunkte der Morbidität und Lebensqualität positive Effekte:
-
Hinweis auf beträchtlichen Zusatznutzen bei der Zeit bis zur ersten skelettbezogenen Komplikation
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Anhaltspunkt für beträchtlichen Zusatznutzen bei der Zeit bis zum schweren Schmerz (Beginn einer Opiattherapie)
-
Anhaltspunkt für erheblichen Zusatznutzen bezüglich der gesundheitsbezogenen Lebensqualität (FACT-P)
Für den Endpunkt Schmerz (BPI-SF) und den Gesundheitszustand (EQ-5D VAS) lagen keine verwertbaren Daten vor. Hier ist ein Zusatznutzen nicht belegt.
Nebenwirkungen und Gesamtaussage
Im Bereich der unerwünschten Ereignisse (UE) zeigt sich überwiegend ein positiver Effekt durch eine längere Zeit bis zum Eintreten. Es gibt Anhaltspunkte für einen beträchtlichen Zusatznutzen bei schweren UE (CTCAE-Grade ≥ 3) und schwerwiegenden UE.
Ein negativer Effekt zeigt sich bei Hitzewallungen. Hier besteht ein Anhaltspunkt für einen größeren Schaden, da diese unter Enzalutamid signifikant früher auftraten.
In der Gesamtschau attestiert das IQWiG Patienten unter 75 Jahren einen Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen. Für Patienten ab 75 Jahren ergibt sich ein Hinweis auf einen erheblichen Zusatznutzen.
Dosierung
Die in der bewerteten Studie angewendete Dosierung stellt sich wie folgt dar:
| Medikament | Dosierung | Begleittherapie |
|---|---|---|
| Enzalutamid | 160 mg (4 Kapseln à 40 mg) einmal täglich | Konventionelle ADT (LHRH-Analoga) oder operative Kastration |
| Placebo | 4 Kapseln einmal täglich | Konventionelle ADT (LHRH-Analoga) oder operative Kastration |
Die Anwendung von Kortikosteroiden bis zu 10 mg/Tag Prednison-Äquivalent war in der Studie erlaubt. Ebenso durften Bisphosphonate bei konstanter Dosierung weitergeführt werden.
Kontraindikationen
In der zugrundeliegenden Studie wurde die Behandlung bei bestimmten Kriterien abgebrochen. Dazu zählten nicht akzeptable Toxizität sowie der Beginn einer zytotoxischen Chemotherapie nach radiografischer Progression oder skelettbezogenen Komplikationen.
💡Praxis-Tipp
Laut IQWiG-Bewertung ist bei der Aufklärung über Enzalutamid besonders auf das signifikant frühere Auftreten von Hitzewallungen hinzuweisen. Zudem wird betont, dass das Ausmaß des Zusatznutzens beim Gesamtüberleben stark altersabhängig ist und Patienten ab 75 Jahren am stärksten profitieren.
Häufig gestellte Fragen
Die Bewertung bezieht sich auf erwachsene Männer mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom (mCRPC). Voraussetzung ist ein asymptomatischer oder mild symptomatischer Verlauf nach Versagen der Androgenentzugstherapie ohne Indikation für eine Chemotherapie.
Das IQWiG definierte das abwartende Vorgehen als Vergleichstherapie. Dabei muss die bestehende konventionelle Androgendeprivation (ADT) beibehalten werden.
Die Daten zeigen eine Effektmodifikation durch das Alter beim Gesamtüberleben. Laut Bericht haben Patienten unter 75 Jahren einen geringen, Patienten ab 75 Jahren jedoch einen erheblichen Zusatznutzen in diesem Endpunkt.
Die Bewertung stellt einen Anhaltspunkt für einen größeren Schaden durch Hitzewallungen fest. Bei schweren und schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen zeigte sich hingegen ein Vorteil für Enzalutamid durch ein späteres Auftreten.
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Quelle: IQWiG A14-48: Enzalutamid (neues Anwendungsgebiet) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (Dossierbewertung) (IQWiG, 2015). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.