AkdÄ2021

AstraZeneca-Impfung & Thrombosen: AkdÄ/GTH-Stellungnahme

Diese Leitlinie stammt aus 2021 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: AkdÄ (2021)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die Stellungnahme der Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung (GTH), publiziert über die AkdÄ, adressiert das Auftreten seltener Thrombosen nach der Impfung mit dem AstraZeneca COVID-19-Vakzin. Diese Ereignisse, oft in Kombination mit einer Thrombozytopenie, traten vorwiegend bei Frauen unter 60 Jahren auf.

Als Ursache wird ein immunologisches Geschehen beschrieben, das der heparininduzierten Thrombozytopenie (HIT) ähnelt. Durch die Impfung kommt es zur Bildung von Antikörpern gegen Plättchenantigene, was eine massive Thrombozytenaktivierung auslöst.

Dieses Krankheitsbild wird als Vakzin-induzierte prothrombotische Immunthrombozytopenie (VIPIT) bezeichnet. Die Symptome treten typischerweise 4 bis 16 Tage nach der Impfung auf.

Empfehlungen

Die Stellungnahme formuliert folgende Kernempfehlungen zum klinischen Management:

Klinische Symptomatik und Basisdiagnostik

Grippeähnliche Symptome für ein bis zwei Tage nach der Impfung gelten laut Stellungnahme als unbedenklich. Halten Beschwerden wie starke Kopfschmerzen, Sehstörungen, Luftnot oder akute Schmerzen länger als drei Tage an, wird eine ärztliche Abklärung empfohlen.

Die Basisdiagnostik sollte folgende Untersuchungen umfassen:

  • Blutbild mit Bestimmung der Thrombozytenzahl

  • Blutausstrich und D-Dimere

  • Bildgebende Verfahren je nach Symptomatik (z.B. cMRT, Ultraschall, CT)

Spezifische Labordiagnostik

Bei Nachweis einer Thrombozytopenie oder Thrombose wird ein stufenweises Vorgehen empfohlen. Zunächst sollte ein Screening auf HIT (PF4/Heparin-Antikörper) erfolgen.

  • Bei negativem Screening ist eine HIT-ähnliche Genese ausgeschlossen.

  • Bei positivem Screening wird ein klassischer HIPA-Test oder Serotoninfreisetzungstest (SRA) empfohlen.

  • Fällt der klassische HIPA-Test negativ aus, sollte ein modifizierter HIPA-Test zur Bestätigung einer VIPIT durchgeführt werden.

Therapeutisches Vorgehen

Bis zum Ausschluss einer autoimmunen HIT wird empfohlen, auf Heparine zu verzichten. Stattdessen sollten alternative Präparate wie Danaparoid, Argatroban oder direkte orale Antikoagulanzien (DOAK) eingesetzt werden.

Bei bestätigter VIPIT oder autoimmuner HIT mit kritischen Thrombosen (z.B. Sinusvenenthrombose) wird die Gabe von hochdosierten intravenösen Immunglobulinen (IVIG) empfohlen. Die Blutentnahme für die Labordiagnostik muss zwingend vor der IVIG-Gabe erfolgen.

Thromboseprophylaxe

Eine routinemäßige medikamentöse Prophylaxe zur Verhinderung dieser spezifischen Impfkomplikation ist laut Stellungnahme nicht indiziert. Bestehende orale Antikoagulationen sollen unverändert fortgeführt werden.

Dosierung

Die Stellungnahme nennt folgende Dosierungen für spezifische therapeutische und prophylaktische Interventionen:

WirkstoffDosierungIndikation / Anmerkung
Intravenöse Immunglobuline (IVIG)1 g/kg Körpergewicht pro Tag an 2 aufeinanderfolgenden TagenBestätigte (autoimmune) HIT oder VIPIT mit kritischen Thrombosen
Rivaroxaban1 x 10 mg/TagVTE-Prophylaxe bei hohem Risiko und ausgeprägter Impfreaktion (Off-Label)
Apixaban2 x 2,5 mg/TagVTE-Prophylaxe bei hohem Risiko und ausgeprägter Impfreaktion (Off-Label)

Kontraindikationen

Heparine sind bei einer bestätigten autoimmunen HIT streng kontraindiziert.

In der frühen Phase nach der Impfung wird bei ausgeprägter Impfreaktion von der prophylaktischen Gabe von niedermolekularem Heparin und Fondaparinux abgeraten. Es kann aktuell nicht ausgeschlossen werden, dass diese Präparate die Ausbildung von funktionell aktiven Antikörpern begünstigen.

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💡Praxis-Tipp

Ein entscheidender Hinweis der Stellungnahme betrifft die Reihenfolge von Diagnostik und Therapie bei Verdacht auf VIPIT. Es wird dringend darauf hingewiesen, die Labordiagnostik auf HIT/VIPIT unbedingt vor der Verabreichung von intravenösen Immunglobulinen (IVIG) durchzuführen. Eine vorherige IVIG-Gabe kann zu falsch negativen Testergebnissen führen und die korrekte Diagnosestellung verhindern.

Häufig gestellte Fragen

Laut Stellungnahme manifestieren sich die thrombotischen Ereignisse in der Regel 4 bis 16 Tage nach der Impfung. Grippeähnliche Symptome in den ersten ein bis zwei Tagen sind hingegen eine normale Impfreaktion.

Die Leitlinie stellt klar, dass Patienten mit positiver Thromboseanamnese oder bekannter Thrombophilie kein erhöhtes Risiko für diese spezifische Komplikation haben. Die Ursache der VIPIT ist rein immunologisch bedingt.

Bis zum sicheren Ausschluss einer autoimmunen HIT wird empfohlen, auf Heparine zu verzichten. Es sollte auf alternative Antikoagulanzien wie Argatroban, Danaparoid oder DOAKs ausgewichen werden.

Eine routinemäßige Prophylaxe mit Antikoagulanzien oder Thrombozytenhemmern zur Verhinderung einer VIPIT ist nicht indiziert. Eine bestehende Dauertherapie mit oralen Antikoagulanzien sollte jedoch unverändert fortgeführt werden.

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Quelle: AkdÄ: Meldung unerwünschter Wirkungen von COVID-19-Impfstoffen – Hinweise zu wichtigen Angaben bei der Meldung. (AkdÄ, 2021). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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