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Heparin-induzierte Thrombozytopenie (HIT): BfArM-Warnung

Diese Leitlinie stammt aus 1998 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: BfArM (1998)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die Sicherheitswarnung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) aus dem Jahr 1998 thematisiert das Risiko der Antikörper-vermittelten Heparin-induzierten Thrombozytopenie Typ II (HIT). Diese potenziell lebensbedrohliche Arzneimittelnebenwirkung tritt bei Verfahren mit extrakorporalen Kreisläufen wie der Hämodialyse oder der LDL-Apherese auf.

Eine HIT ist durch einen deutlichen Abfall der Thrombozytenzahl auf unter 50 Prozent des Ausgangswertes gekennzeichnet. Der Zeitpunkt des Abfalls hängt von der vorherigen Sensibilisierung ab:

PatientenstatusBeginn des Thrombozytenabfalls
Nicht sensibilisiert5 bis 15 Tage nach Erstgabe
SensibilisiertInnerhalb weniger Stunden nach Re-Exposition

Die Komplikationsrate ist hoch, da es bei einem Großteil der Betroffenen zu Thrombosen und Gefäßverschlüssen (White-Clot-Syndrom) kommt. Die Mortalität wird mit etwa 20 Prozent angegeben, und bei weiteren 20 Prozent kommt es zu bleibenden Schäden wie Amputationen oder neurologischen Ausfällen.

Empfehlungen

Die BfArM-Warnung formuliert folgende Kernaspekte für den klinischen Umgang:

Diagnostik und Überwachung

Ein leichter Abfall der Thrombozytenzahl um 5 bis 10 Prozent durch die extrakorporale Plasmafiltration gilt als technisch bedingt und unbedenklich. Tritt jedoch ein stärkerer Abfall auf, wird eine gezielte Labordiagnostik empfohlen.

Die Warnung nennt hierfür folgende Testverfahren:

  • Heparin-induzierter Plättchenaktivierungstest (HIPA)

  • Plättchenfaktor 4/Heparin-ELISA

Konsequenzen bei bestätigter HIT

Werden eindeutig Heparin-abhängige Antikörper nachgewiesen, muss von einer HIT ausgegangen werden. In diesem Fall formuliert das Dokument folgende strikte Vorgaben:

  • Die betroffene Person darf nie wieder Heparin erhalten.

  • Dies schließt auch die Verwendung von Heparin-beschichteten Kathetern ein.

  • Eine erneute Hämodialyse oder LDL-Apherese darf nur nach strenger individueller Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen.

  • Es wird der Einsatz von Apherese-Verfahren empfohlen, die ohne Heparin durchgeführt werden können (beispielsweise die DALI-Apherese).

Meldepflicht

Das BfArM ruft dazu auf, aufgetretene Fälle von HIT sowie thromboembolische Komplikationen im Rahmen von Hämodialysen oder LDL-Apheresen umfassend zu dokumentieren. Es wird darum gebeten, diese Fälle an das Bundesinstitut zu melden, um das seltene Risiko besser bewerten zu können.

Kontraindikationen

Bei nachgewiesenen Heparin-abhängigen Antikörpern (bestätigte HIT) besteht eine absolute Kontraindikation für jegliche weitere Heparingabe. Dies betrifft laut BfArM auch explizit den Einsatz von Heparin-beschichteten Kathetern, da diese ebenfalls eine HIT induzieren können.

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💡Praxis-Tipp

Ein Thrombozytenabfall von 5 bis 10 Prozent ist bei extrakorporaler Plasmafiltration technisch bedingt und unbedenklich. Bei einem stärkeren Abfall, insbesondere 5 bis 15 Tage nach Erstexposition oder innerhalb weniger Stunden nach Re-Exposition, wird jedoch dringend eine spezifische HIT-Diagnostik empfohlen, um lebensbedrohliche thromboembolische Komplikationen abzuwenden.

Häufig gestellte Fragen

Laut BfArM ist die HIT durch eine deutliche Abnahme der Thrombozytenzahl auf weniger als 50 Prozent des Ausgangswertes gekennzeichnet. Oft sinkt die absolute Zahl auf 30.000 bis 50.000 Thrombozyten pro Mikroliter.

Es kann zu einem White-Clot-Syndrom mit venösen und arteriellen Gefäßverschlüssen sowie Lungenembolien kommen. Die Mortalität liegt bei etwa 20 Prozent, und ebenso viele Betroffene erleiden bleibende Schäden wie Amputationen oder neurologische Ausfälle.

Das BfArM empfiehlt den Einsatz von Apherese-Verfahren, die ohne die Verwendung von Heparin durchgeführt werden können. Als Beispiel wird in der Warnung die DALI-Apherese genannt.

Nein, bei einer bestätigten HIT dürfen auch keine Heparin-beschichteten Katheter mehr verwendet werden. Die Warnung betont, dass auch diese eine HIT induzieren können.

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Quelle: Heparin-induzierte Thrombozytopenie bei Verfahren, in denen extrakorporale Kreisläufe eingesetzt werden (Hämodialyse, LDL-Apherese) (BfArM, 1998). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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