SARS-CoV-2-Impfstoffe: Wirksamkeit & Einsatz (DGK/AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Alle zugelassenen SARS-CoV-2-Impfstoffe verhindern schwere Verläufe und Todesfälle zu fast 100 %.
- •Der AstraZeneca-Impfstoff wird aufgrund seltener Sinus-/Hirnvenenthrombosen regelhaft nur noch für Personen ab 60 Jahren empfohlen.
- •Jüngere Personen (< 60 Jahre) sollen bei der Zweitimpfung nach einer AstraZeneca-Erstimpfung einen anderen Impfstoff erhalten.
- •Eine bekannte Thrombophilie oder positive Thromboseanamnese stellt kein erhöhtes Risiko für die impfassoziierten atypischen Thrombosen dar.
- •Bei anhaltenden oder neuartigen Symptomen > 3 Tage nach Impfung (z. B. starke Kopfschmerzen) ist eine ärztliche Abklärung auf Thrombosen indiziert.
Hintergrund
Die Vielfalt der verfügbaren SARS-CoV-2-Impfstoffe ist ein wesentlicher Baustein zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie. Stand April 2021 stehen in Deutschland Impfstoffe von BioNTech/Pfizer, Moderna, AstraZeneca sowie Johnson & Johnson zur Verfügung. Der zentrale Schutz aller Impfungen besteht in der Vermeidung schwerer Krankheitsverläufe und der Entlastung des Gesundheitssystems.
Wirksamkeit der Impfstoffe
Alle zugelassenen Impfstoffe zeigen einen hervorragenden Schutz vor schweren Infektionen. Die Wirksamkeit bezüglich der Verhinderung jeglicher Erkrankung unterscheidet sich je nach Impfstofftyp:
| Impfstoff | Typ | Verhinderung Erkrankung (alle Verläufe) | Verhinderung schwere Verläufe/Tod |
|---|---|---|---|
| BioNTech/Pfizer | mRNA | 95,0 % | fast 100 % |
| Moderna | mRNA | 94,1 % | fast 100 % |
| AstraZeneca | Vektor | ca. 59,5 % | fast 100 % |
| Johnson & Johnson | Vektor | ca. 90 % (symptomatisch) | fast 100 % |
Wirksamkeit gegen Virusmutanten: Die mRNA-Impfstoffe zeigen in vitro einen sehr guten Schutz gegen die Variante B.1.1.7 und einen leicht verminderten Schutz gegen B.1.351. Für AstraZeneca zeigte sich in Studien (u.a. in Südafrika und Brasilien) bislang keine Einschränkung hinsichtlich der Verhinderung klinisch hochrelevanter schwerer Verläufe.
Unerwünschte Wirkungen: Fokus AstraZeneca
Nach der Impfung mit dem AstraZeneca-Vakzin wurden seltene Fälle von Sinus- oder Hirnvenenthrombosen (teilweise mit tödlichem Ausgang) beobachtet. Diese traten 4–16 Tage nach der Impfung auf, ganz überwiegend bei Personen unter 60 Jahren. Begleitend lag eine Thrombozytopenie vor, was auf ein immunologisches Geschehen hinweist.
Daraus resultierende STIKO-Empfehlungen:
- Altersbeschränkung: Der AstraZeneca-Impfstoff soll regelhaft nur noch bei Personen ab 60 Jahren eingesetzt werden.
- Zweitimpfung: Jüngere Personen (< 60 Jahre), die bereits eine Erstimpfung mit AstraZeneca erhalten haben, sollen bis auf Weiteres einen anderen Impfstoff für die Zweitimpfung erhalten.
Diagnostik und Management nach Impfung
Patienten mit positiver Thromboseanamnese oder bekannter Thrombophilie haben kein erhöhtes Risiko für diese spezifische, immunologisch bedingte Komplikation. Typische Thrombosen (Beinvene, Lungenembolie) treten nach der Impfung nicht häufiger auf als in der Normalbevölkerung.
| Symptomatik nach Impfung | Zeitfenster | Empfohlenes Vorgehen |
|---|---|---|
| Grippeähnlich (Gelenk-, Muskel-, Kopfschmerzen) | 1–2 Tage | Keine Sorge, häufige und harmlose Nebenwirkung |
| Neuartig/anhaltend (Schwindel, starke Kopfschmerzen, Luftnot, Schmerzen in Brust/Abdomen/Bein) | > 3 Tage | Weitere ärztliche Diagnostik zur Abklärung einer Thrombose |
| Neurologische Ausfälle (Lähmungen, Gefühls-/Sprachstörungen, Krampfanfälle) | 2–3 Wochen | Umgehende neurologische Diagnostik |
Labordiagnostik bei Verdacht: Bei Nachweis einer Thrombozytopenie und/oder Thrombose muss eine Testung auf pathophysiologisch relevante Antikörper erfolgen. Der erste Schritt ist ein Screeningtest auf Heparin-induzierte Thrombozytopenie (HIT) (Nachweis von Antikörpern gegen den Komplex aus Plättchenfaktor 4 (PF4) und Heparin). Ist dieser negativ, kann eine HIT-ähnliche Genese ausgeschlossen werden.
💡Praxis-Tipp
Klären Sie Patienten darüber auf, dass grippeähnliche Symptome in den ersten 1-2 Tagen nach der Impfung normal sind. Bei starken, therapieresistenten Kopfschmerzen oder neurologischen Ausfällen, die länger als 3 Tage anhalten oder neu auftreten, muss jedoch zwingend eine Thrombosediagnostik (inkl. HIT-Screening) eingeleitet werden.