DMP Osteoporose: Diagnostik, Therapie & Frakturrisiko
Hintergrund
Der vorliegende Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) aus dem Jahr 2024 dient als Leitliniensynopse. Ziel ist die inhaltliche Vorbereitung für eine Aktualisierung des Disease-Management-Programms (DMP) Osteoporose durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA).
Für die Analyse wurden 17 aktuelle, evidenzbasierte Leitlinien internationaler und nationaler Fachgesellschaften systematisch ausgewertet. Die identifizierten Empfehlungen wurden mit der aktuell gültigen DMP-Anforderungen-Richtlinie (DMP-A-RL) abgeglichen.
Der Fokus der Synopse liegt auf der Identifikation von Diskrepanzen zwischen dem aktuellen wissenschaftlichen Stand und den bestehenden DMP-Vorgaben. Dabei werden insbesondere Empfehlungen mit hohem Empfehlungs- oder Evidenzgrad hervorgehoben.
Empfehlungen
Die IQWiG-Leitliniensynopse identifiziert in mehreren Versorgungsaspekten Aktualisierungsbedarf für das DMP Osteoporose.
Diagnostik und Frakturrisiko
Zur präzisen Bestimmung des Frakturrisikos wird die Nutzung etablierter Risikorechner empfohlen. Die Synopse verweist hierbei auf das neue DVO-Risikomodell sowie internationale Tools wie FRAX.
Zudem wird empfohlen, bei der Risikobewertung weitere Parameter zu berücksichtigen. Dazu zählen:
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Ergebnisse des Trabecular Bone Scores (TBS)
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Ein stark erniedrigter absoluter Wert in der quantitativen Computertomografie (QCT)
-
Ein auffälliger Timed-up-and-go-Test (TUG) bei Personen ab 70 Jahren
Nicht-medikamentöse Maßnahmen
Im Bereich der Ernährung wird eine eiweißreiche Kost für Menschen ab 65 Jahren mit erhöhtem Frakturrisiko empfohlen (Evidenzgrad B). Von einer spezifischen Supplementierung mit hochdosiertem Vitamin K2 zur Frakturprävention wird abgeraten.
Zur Sturzprophylaxe und nach Wirbelkörperfrakturen wird ein gezieltes körperliches Training empfohlen. Dies umfasst insbesondere ein progressives muskelstärkendes Training sowie Balance-Übungen.
Medikamentöse Therapie
Die Indikationsstellung zur spezifischen medikamentösen Therapie sollte laut den ausgewerteten Leitlinien auf Basis des absoluten Frakturrisikos erfolgen.
| Risikoprofil | Empfohlene Therapieoptionen | Besonderheiten |
|---|---|---|
| 3-Jahres-Frakturrisiko ab 5 % | Antiresorptiva (z. B. Bisphosphonate, Denosumab) | Standardindikation |
| 3-Jahres-Frakturrisiko ab 10 % | Osteoanabole Therapie (Romosozumab, Teriparatid) | Bei sehr hohem/imminentem Risiko |
| Glukokortikoid-Therapie (> 3 Monate) | Orale Bisphosphonate, Teriparatid, Denosumab | Zeitnaher Beginn wichtig |
| Tumortherapie (Aromatasehemmer/Antiandrogene) | Bisphosphonate, Denosumab | Osteoprotektive Indikation |
Bezüglich der Therapiedauer wird eine regelmäßige Reevaluation empfohlen. Bei Bisphosphonaten sollte nach 3 bis 5 Jahren eine Therapiepause (Drug Holiday) erwogen werden, sofern das Frakturrisiko gesunken ist.
Bei einer Therapie mit Denosumab, Teriparatid oder Romosozumab wird nach Beendigung zwingend eine antiresorptive Anschlusstherapie empfohlen. Dies dient der Verhinderung eines raschen Knochendichteverlusts (Rebound-Effekt).
Versorgungsstrukturen
Zur Vermeidung von Folgefrakturen wird die Implementierung strukturierter Versorgungsmodelle empfohlen. Insbesondere sogenannte Fracture Liaison Services (FLS) sollen den Übergang zwischen stationärer und ambulanter Versorgung nach einer Fragilitätsfraktur koordinieren.
Kontraindikationen
Die Synopse hebt spezifische Warnhinweise der zugrundeliegenden Leitlinien hervor:
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Romosozumab: Der Einsatz wird bei Personen mit hohem Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen oder stattgehabtem Schlaganfall sowie Myokardinfarkt nicht empfohlen.
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Denosumab: Von einem ungeplanten Absetzen oder Pausieren der Therapie wird aufgrund des Risikos für einen raschen Knochenabbau und multiple Wirbelkörperfrakturen (Rebound-Effekt) strikt abgeraten.
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Zahnärztliche Eingriffe: Vor Beginn einer antiresorptiven Therapie wird eine zahnärztliche Untersuchung empfohlen, der Therapiestart sollte dadurch jedoch nicht verzögert werden.
💡Praxis-Tipp
Die Leitliniensynopse betont die Wichtigkeit einer lückenlosen Sequenztherapie bei bestimmten Osteoporose-Medikamenten. Es wird dringend darauf hingewiesen, dass nach Beendigung einer Therapie mit Denosumab, Romosozumab oder Teriparatid zeitnah eine antiresorptive Anschlusstherapie (beispielsweise mit Bisphosphonaten) erfolgen muss. Ohne diese Anschlussbehandlung droht ein massiver Rebound-Effekt mit raschem Knochenverlust und einem stark erhöhten Risiko für multiple Wirbelkörperfrakturen.
Häufig gestellte Fragen
Laut den ausgewerteten Leitlinien wird eine osteoanabole Therapie mit Romosozumab oder Teriparatid ab einem 3-Jahres-Frakturrisiko von 10 % für Schenkelhals- und Wirbelkörperfrakturen empfohlen. Dies betrifft vor allem Personen mit sehr hohem oder imminentem Frakturrisiko.
Es wird empfohlen, das Frakturrisiko nach 3 bis 5 Jahren Bisphosphonat-Therapie neu zu bewerten. Bei einem gesunkenen Risiko kann eine Therapiepause (Drug Holiday) erwogen werden, während bei anhaltend hohem Risiko eine Fortführung indiziert ist.
Die Synopse warnt vor einem ungeplanten Absetzen von Denosumab aufgrund des Rebound-Effekts. Es wird empfohlen, exakt 6 Monate nach der letzten Injektion eine antiresorptive Anschlusstherapie, beispielsweise mit Zoledronat, einzuleiten.
Die aktuellen Leitlinien raten von einer spezifischen Supplementierung mit hochdosiertem Vitamin K2 zur Therapie der Osteoporose oder zur Frakturprävention ab. Ein nachgewiesener Vitamin-K-Mangel sollte jedoch ausgeglichen werden.
Ein FLS ist ein strukturiertes, multidisziplinäres Versorgungsmodell zur Sekundärprävention von Frakturen. Es wird empfohlen, um Patientinnen und Patienten nach einer Fragilitätsfraktur systematisch zu identifizieren und eine adäquate Diagnostik sowie Therapie einzuleiten.
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Quelle: IQWiG V23-03: Leitliniensynopse für die Aktualisierung des DMP Osteoporose (IQWiG, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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