Osteoporose Leitlinie 2023: Diagnostik & Risiko (DVO)
📋Auf einen Blick
- •Die Leitlinie gilt für postmenopausale Frauen und Männer ab dem 50. Lebensjahr.
- •Osteoporose wird nach WHO durch einen DXA T-Score von < -2,5 SD an LWS oder proximalem Femur definiert.
- •Das Alter ist ein exponentieller Risikofaktor für Frakturen, wobei Frauen ein deutlich höheres Risiko aufweisen als Männer.
- •Prävalente Frakturen (z.B. Femur, Wirbelkörper) erhöhen das Risiko für Folgefrakturen signifikant, besonders im ersten Jahr.
- •Sowohl Diabetes mellitus Typ 1 als auch Typ 2 sind relevante Risikofaktoren für osteoporotische Frakturen.
Hintergrund
Die DVO-Leitlinie 2023 richtet sich an in der Versorgung tätige Ärzte und behandelt die Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und Männern ab dem 50. Lebensjahr. Für Kinder, Jugendliche, prämenopausale Frauen, jüngere Männer sowie Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz (GFR <30 ml/min) gelten gesonderte Empfehlungen.
Osteoporose ist definiert als systemische Skeletterkrankung, charakterisiert durch eine niedrige Knochenmasse und mikroarchitektonische Verschlechterung des Knochengewebes, was zu erhöhter Knochenfragilität führt.
Die operationale Diagnose nach WHO-Kriterien erfordert:
- DXA-Knochendichtemessung: T-Score < -2,5 Standardabweichungen an der Lendenwirbelsäule und/oder am proximalen Femur.
- Ausschluss anderer Erkrankungen: z.B. Osteomalazie.
Epidemiologie und sozioökonomische Relevanz
Die Prävalenz der Osteoporose in Deutschland liegt bei 6,1 % (22,6 % bei Frauen, 6,6 % bei Männern). Die Inzidenz der sogenannten "Major Osteoporotic Fractures" (Schenkelhals, pertrochantär, distaler Radius, proximaler Humerus, Wirbelkörper) steigt nach dem 50. Lebensjahr bei Frauen und nach dem 60. Lebensjahr bei Männern deutlich an.
| Frakturtyp | Inzidenz Frauen (50-59 J.) | Inzidenz Frauen (>90 J.) | Anstieg |
|---|---|---|---|
| Schenkelhals | 33,5 / 100.000 | 1.828,3 / 100.000 | 54,6-fach |
| Pertrochantär | 14,8 / 100.000 | 2.549,9 / 100.000 | 172,3-fach |
| Lendenwirbel | 32,8 / 100.000 | 537,4 / 100.000 | 16,3-fach |
Grundrisikofaktoren: Alter und Geschlecht
Das zunehmende Lebensalter ist ein unabhängiger, exponentieller Risikofaktor für Frakturen. Frauen haben ein signifikant höheres Risiko für Frakturen als Männer gleichen Alters. Nach Adjustierung für den absoluten Wert der Knochendichte nähert sich das Frakturrisiko zwischen den Geschlechtern jedoch an.
Risikofaktor: Prävalente Frakturen
Eine stattgehabte Fraktur erhöht das Risiko für Folgefrakturen massiv. Besonders im ersten Jahr nach einer Fraktur besteht ein imminentes (kurzfristiges) Frakturrisiko.
| Prävalente Fraktur | Risiko für Wirbelkörperfraktur (RR) | Risiko für Hüftfraktur (RR) | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Proximale Femurfraktur | 2,1 | 3,5 | Hohe Altersabhängigkeit; massiv erhöhtes Risiko im 1. Jahr. |
| Wirbelkörperfraktur (WKF) | 2,0 (Grad 1/2) bis 6,1 (Grad 3) | 2,0 (Grad 1/2) bis 3,4 (Grad 3) | Risiko steigt mit Schweregrad nach Genant und Anzahl der WKF. |
| Proximale Humerusfraktur | 1,7 (Mittelwert) | 1,7 (Mittelwert) | Risikoerhöhung im ersten Jahr am stärksten. |
| Beckenfraktur | Keine signifikante Erhöhung | 2,0 | Zunahme der Frakturart um 39 % in 10 Jahren. |
| Unterarmfraktur | 1,4 | 1,8 | Wichtiger Indikator für Osteoporose in jüngerem Alter. |
- Non-Vert-Non-Hip-Frakturen: Gelten als Risikoindikator zur Abklärung eines erhöhten Frakturrisikos, werden aber aufgrund ihrer Inhomogenität nicht als pauschaler Wert in den Risikorechner aufgenommen.
Risikofaktoren aus der Endokrinologie
Sowohl Typ 1 als auch Typ 2 Diabetes mellitus erhöhen das Frakturrisiko signifikant, wobei die Pathophysiologie und Risikohöhe variieren.
| Diabetestyp | Risiko für Wirbelkörperfraktur (RR) | Risiko für Hüftfraktur (RR) | Spezifische Risikofaktoren |
|---|---|---|---|
| Typ 1 | 1,4 | 5,8 | Hüftfrakturrisiko in jüngerer Population (<65 J.) besonders hoch (RR 5,2). |
| Typ 2 | 1,4 (nicht signifikant) | 1,4 | Krankheitsdauer >10 Jahre (RR 2,4) und Insulintherapie (RR 1,8) erhöhen das Risiko weiter. |
💡Praxis-Tipp
Beachten Sie das massiv erhöhte kurzfristige Folgefrakturrisiko (imminentes Frakturrisiko) im ersten Jahr nach einer stattgehabten Wirbelkörper- oder Schenkelhalsfraktur.