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Osteoporose bei Erwachsenen: DVO-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Osteoporose ist definiert durch einen DXA T-Score < -2,5 SD nach Ausschluss anderer Ursachen.
  • Die Prävalenz in Deutschland liegt bei 22,6 % für Frauen und 6,6 % für Männer.
  • Das Alter ist ein dominanter Risikofaktor; die Frakturinzidenz steigt ab dem 50. Lebensjahr exponentiell.
  • Vorherige Frakturen (v. a. Wirbelkörper und proximales Femur) erhöhen das Risiko für Folgefrakturen massiv.
  • Endokrinologische Erkrankungen wie Diabetes mellitus (Typ 1 und 2) und primärer Hyperparathyreoidismus sind signifikante Risikofaktoren.
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Hintergrund

Die Osteoporose ist eine systemische Skeletterkrankung, charakterisiert durch eine niedrige Knochenmasse und eine mikroarchitektonische Verschlechterung des Knochengewebes. Dies führt zu einer erhöhten Knochenfragilität und einem gesteigerten Frakturrisiko.

Nach der operationalen Definition der WHO liegt eine Osteoporose vor, wenn der Knochenmineralgehalt in der DXA-Knochendichtemessung (Lendenwirbelsäule und/oder proximales Femur) um mehr als 2,5 Standardabweichungen (T-Score < -2,5) vom Mittelwert einer 20- bis 29-jährigen Frau abweicht. Diese Diagnose darf erst nach Ausschluss anderer Ursachen (z. B. Osteomalazie) gestellt werden.

In Deutschland beträgt die Prävalenz der Osteoporose 22,6 % bei Frauen und 6,6 % bei Männern.

Grundrisikofaktoren

Das Frakturrisiko wird maßgeblich durch Alter und Geschlecht bestimmt:

  • Lebensalter: Das Risiko für "Major Osteoporotic Fractures" (Hüfte, Wirbelkörper, Oberarm, Unterarm) verdoppelt sich in etwa pro Dekade zwischen dem 50. und 90. Lebensjahr.
  • Geschlecht: Frauen haben ein höheres absolutes Frakturrisiko als Männer gleichen Alters. Nach Adjustierung für den Absolutwert der Knochendichte ist das Risiko jedoch ähnlich.

Frakturvorgeschichte als Risikofaktor

Bereits stattgehabte Frakturen sind starke Prädiktoren für Folgefrakturen. Das kurzfristige Risiko (imminentes Frakturrisiko) ist im ersten Jahr nach einer Fraktur besonders hoch.

Vorangegangene FrakturRelatives Risiko (RR)Bemerkung
Proximale FemurfrakturRR 3,5 (für neue Femurfraktur)Hohe Altersabhängigkeit; höchstes Risiko im 1. Jahr
Wirbelkörperfraktur (WKF)RR 2,0 bis 6,6 (für neue WKF)Risiko steigt mit Schweregrad (nach Genant) und Anzahl
Proximale HumerusfrakturRR 1,7 (Gesamt)Risiko im ersten Jahr am stärksten erhöht
BeckenfrakturRR 2,0 (für Hüftfraktur)-
UnterarmfrakturRR 1,4 (für Hüftfraktur)Wichtiger Indikator für Osteoporose in jüngerem Alter

Endokrinologische Risikofaktoren

Verschiedene endokrine Erkrankungen erhöhen das Frakturrisiko signifikant und unabhängig von der Knochendichte.

ErkrankungFrakturrisikoBemerkung
Diabetes mellitus Typ 1RR 4,9 - 5,8 (Hüfte)Deutlich erhöhtes Risiko, besonders bei Alter <65 Jahre
Diabetes mellitus Typ 2RR 1,4 (Hüfte)Risiko steigt bei Dauer >10 Jahre (RR 2,4) und Insulintherapie (RR 1,8)
Primärer HyperparathyreoidismusOR 3,0 (Wirbel)Bei postmenopausalen Frauen bis OR 8 erhöht; postoperativ oft reversibel
Cushing-SyndromErhöhtAuch bei subklinischem Hyperkortisolismus erhöht
WachstumshormonmangelErhöhtBei Hypophyseninsuffizienz; Substitution vermindert Risiko
Männlicher HypogonadismusErhöhtTestosteron <200 ng/ml oder hormonablative Therapie

💡Praxis-Tipp

Beachten Sie das 'imminente Frakturrisiko': Im ersten Jahr nach einer osteoporotischen Fraktur (insbesondere Schenkelhals oder Wirbelkörper) ist das Risiko für eine Folgefraktur am höchsten. Leiten Sie hier zügig eine Diagnostik und Therapie ein. Bei Typ-2-Diabetikern steigt das Frakturrisiko besonders bei einer Krankheitsdauer von über 10 Jahren oder unter Insulintherapie.

Häufig gestellte Fragen

Nach der WHO-Definition liegt eine Osteoporose bei einem DXA T-Score von < -2,5 Standardabweichungen vor, sofern andere Ursachen ausgeschlossen wurden.
Eine vorherige Wirbelkörperfraktur erhöht das Risiko für weitere Wirbelkörperfrakturen um den Faktor 2,0 bis 6,6, abhängig vom Schweregrad (nach Genant) und der Anzahl der Vorfrakturen.
Ja. Typ-1-Diabetiker haben ein massiv erhöhtes Hüftfrakturrisiko (RR ~5). Bei Typ-2-Diabetikern ist das Risiko moderat erhöht (RR 1,4), steigt aber bei einer Krankheitsdauer über 10 Jahre oder Insulintherapie deutlich an.
Das imminente Frakturrisiko beschreibt das stark erhöhte Risiko, innerhalb der ersten 1 bis 2 Jahre nach einer ersten osteoporotischen Fraktur eine weitere Fraktur zu erleiden.

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