DMP Brustkrebs: Diagnostik und Therapie-Empfehlungen
Hintergrund
Der IQWiG-Bericht V12-02 aus dem Jahr 2014 untersucht den Aktualisierungs- und Ergänzungsbedarf für das Disease-Management-Programm (DMP) Brustkrebs. Hierfür wurde eine systematische Recherche und methodische Bewertung von 26 internationalen und nationalen Leitlinien durchgeführt.
Ziel der Untersuchung war es, durch die Synthese aktueller Leitlinienempfehlungen neue Versorgungsaspekte zu identifizieren. Der Bericht formuliert keine eigenen Nutzenbewertungen, sondern gleicht die externe Evidenz mit der bestehenden DMP-Richtlinie ab.
Dabei wurden Bereiche identifiziert, in denen ein definitiver Aktualisierungsbedarf besteht, sowie Themen, die aufgrund uneinheitlicher Evidenz diskutiert werden müssen. Besondere Schwerpunkte liegen auf der Primärdiagnostik, der operativen Therapie und der strukturierten Nachsorge.
Empfehlungen
Klassifikation des Aktualisierungsbedarfs
Der Bericht klassifiziert die Leitlinienempfehlungen nach ihrem Potenzial für eine Anpassung des DMP Brustkrebs:
| Versorgungsaspekt | Definitiver Aktualisierungsbedarf | Diskussionsbedarf | Inkonsistente Aussagen |
|---|---|---|---|
| Diagnostik | Keine routinemäßige MRT | PET-Einsatz, minimalinvasive Biopsien | Keine |
| Operative Therapie | Shared Decision Making, Verzicht auf Axilladissektion bei DCIS | Schnittrandbreite, Axilladissektion bei 1-2 positiven Lymphknoten | Keine |
| Systemtherapie | Taxan-/Anthrazyklin-basierte Chemo | Trastuzumab-Monitoring, Bisphosphonate | Bevacizumab bei Metastasen |
Diagnostik
Laut IQWiG-Bericht wird von einer routinemäßigen Durchführung einer Magnetresonanztomografie (MRT) im Rahmen der Primärdiagnostik abgeraten (hohe Empfehlungskategorie).
Ein Einsatz der MRT wird nur bei spezifischen Indikationen empfohlen.
Zudem wird von einer Feinnadelaspiration als Standardmethode zur Diagnosesicherung abgeraten. Stattdessen werden folgende minimalinvasive Verfahren empfohlen:
-
Stanzbiopsie
-
Vakuumbiopsie
-
Offene Exzisionsbiopsie
Operative Therapie
Der Bericht betont die Wichtigkeit der gemeinsamen Entscheidungsfindung (Shared Decision Making) mit der informierten Patientin über das geeignete operative Verfahren.
Bei einem duktalen Carcinoma in situ (DCIS) wird laut den ausgewerteten Leitlinien von einer routinemäßigen Axilladissektion grundsätzlich abgeraten (hohe Empfehlungskategorie).
Auch eine routinemäßige Wächterlymphknoten-Biopsie wird bei präoperativer DCIS-Diagnose nicht empfohlen.
Strahlentherapie
Es wird der Einsatz einer hypofraktionierten Strahlentherapie als relevanter Aktualisierungsbedarf für das DMP identifiziert (hohe Evidenzkategorie).
Von einer Teilbrustbestrahlung als alleinige intra- oder postoperative Strahlentherapie wird in den zugrundeliegenden Leitlinien abgeraten.
Systemische Therapie
Für die adjuvante Chemotherapie wird die Indikation für Taxan-haltige und/oder Anthrazyklin-basierte Regime hervorgehoben.
Bei einer Therapie mit Trastuzumab wird eine regelmäßige Überprüfung der Herzfunktion empfohlen.
Bezüglich des Einsatzes von Bisphosphonaten wird von einer routinemäßigen Gabe abgeraten, ein Einsatz bei ausgewählten Patientinnen kann jedoch diskutiert werden.
Nachsorge und Aufklärung
Ein zentraler Aspekt ist die frühzeitige Aufklärung der Patientinnen. Folgende Themen sollen laut Bericht zwingend besprochen werden:
-
Risiken und Prävention eines Lymphödems
-
Behandlungsmöglichkeiten eines bestehenden Lymphödems
-
Nutzen und Risiken operativer oder strahlentherapeutischer Maßnahmen der Axilla
Kontraindikationen
Der Bericht hebt basierend auf den Leitlinien folgende negative Empfehlungen und Kontraindikationen hervor:
-
Routinemäßige MRT: Wird in der Primärdiagnostik nicht empfohlen.
-
Axilladissektion bei DCIS: Von diesem Eingriff wird bei einem duktalen Carcinoma in situ grundsätzlich abgeraten.
-
Bevacizumab: Aufgrund eines Rote-Hand-Briefes (Mai 2013) bestehen inkonsistente Aussagen zur Therapie bei metastasierten Erkrankungen.
-
Hormonersatztherapie: Es wird auf Kontraindikationen für eine Hormonersatztherapie in der Nachsorge hingewiesen.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Praxisaspekt des Berichts ist der Verzicht auf überflüssige Diagnostik und Radikalität. So wird explizit von einer routinemäßigen MRT in der Primärdiagnostik sowie von einer generellen Axilladissektion bei einem DCIS abgeraten. Stattdessen wird eine umfassende Aufklärung der Patientin über die Risiken eines Lymphödems und die gemeinsame Entscheidungsfindung bei der Operationsplanung empfohlen.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem IQWiG-Bericht wird von einer routinemäßigen Magnetresonanztomografie (MRT) in der Primärdiagnostik abgeraten. Ein MRT sollte nur bei spezifischen Indikationen durchgeführt werden.
Die ausgewerteten Leitlinien raten von einer routinemäßigen Axilladissektion bei einem duktalen Carcinoma in situ (DCIS) grundsätzlich ab. Auch eine Wächterlymphknoten-Biopsie wird bei präoperativer DCIS-Diagnose in der Regel nicht empfohlen.
Zur histologischen Diagnosesicherung werden Stanzbiopsien, Vakuumbiopsien oder offene Exzisionsbiopsien empfohlen. Von einer Feinnadelaspiration als Standardmethode wird laut Bericht abgeraten.
Der Bericht identifiziert eine starke Empfehlung für den Einsatz von Taxan-haltigen und/oder Anthrazyklin-basierten Regimen in der adjuvanten Chemotherapie. Die genaue Auswahl richtet sich nach den individuellen Tumorparametern.
Bei einer zielgerichteten Therapie mit Trastuzumab wird eine regelmäßige Überprüfung der Herzfunktion empfohlen. Dies dient der frühzeitigen Erkennung potenzieller kardiotoxischer Nebenwirkungen.
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Quelle: IQWiG V12-02: Systematische Leitlinienrecherche und -bewertung sowie Extraktion neuer und relevanter Empfehlungen für das DMP Brustkrebs (IQWiG, 2014). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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