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Mammakarzinom der Frau: Leitlinie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Das Mammakarzinom ist der häufigste maligne Tumor der Frau mit einem mittleren Erkrankungsalter von 64 Jahren.
  • Die brusterhaltende Therapie (BET) mit anschließender Bestrahlung ist der Mastektomie im frühen Stadium prognostisch gleichwertig.
  • Bei klinisch unauffälliger Axilla (cN0) ist die Sentinel-Lymph-Node-Exzision (SLNE) der Standard.
  • Die adjuvante Systemtherapie richtet sich nach den molekularen Subtypen (Hormonrezeptor-Status, HER2-Status, Ki67).
  • Im metastasierten Stadium stehen endokrine Therapien (oft kombiniert mit CDK4/6-Inhibitoren), Anti-HER2-Therapien und Chemotherapien im Vordergrund.
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Hintergrund

Das Mammakarzinom ist der häufigste maligne Tumor der Frau. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei etwa 64 Jahren. Durch Fortschritte in Diagnostik und Therapie ist die krebsspezifische Mortalität kontinuierlich gesunken. Die relative 5-Jahres-Überlebensrate aller Patientinnen liegt bei 87 %, bei lokal begrenzten Stadien deutlich höher.

Risikofaktoren

Das Risiko, an einem Mammakarzinom zu erkranken, wird durch verschiedene Faktoren erhöht:

  • Genetisch: Keimbahnmutationen in BRCA1, BRCA2, PALB2 oder RAD51C (hohes Risiko) sowie STK11, ATM, PTEN oder CHEK-2 (mittleres Risiko).
  • Hormonell: Frühe Menarche, späte Menopause, späte oder keine Gravidität, Adipositas (postmenopausal), Hormonersatz-Therapie.
  • Toxisch: Strahlenexposition der Brust in jungen Jahren, Rauchen, hoher Alkoholkonsum.

Diagnostik

Bei neu aufgetretenen Symptomen erfolgt die Abklärung stufenweise:

UntersuchungEmpfehlung / Indikation
Röntgen-MammographieMethode der 1. Wahl bei Frauen ≥ 50 Jahre
Sonographie1. Wahl bei Frauen < 40 Jahre; komplementär bei ≥ 40 Jahre
MRTKeine Standarduntersuchung (nur bei speziellen Fragestellungen)
BiopsieStanz- oder Vakuumbiopsie bei BI-RADS IV oder V

Ein Staging (Skelettszintigraphie, CT Thorax/Abdomen) ist bei Tumoren ≥ pT2 > pN0 oder bei klinischen Symptomen indiziert.

Molekulare Subtypen

Die Einteilung in biologische Subtypen ist prädiktiv für die medikamentöse Therapie:

SubtypRezeptorstatusKi67 (Proliferation)
Luminal A-likeER+ und PgR+, HER2-Niedrig
Luminal B-like (HER2-)ER+, HER2-Hoch oder PgR-
Luminal B-like (HER2+)ER+, HER2+Beliebig
HER2-enrichedER-, PgR-, HER2+Beliebig
Basal-like (Triple-negativ)ER-, PgR-, HER2-Beliebig

Therapie im lokal begrenzten Stadium (I, IIA)

Der Therapieanspruch ist kurativ.

  • Operation: Die brusterhaltende Therapie (BET) mit adjuvanter Bestrahlung ist der modifizierten radikalen Mastektomie (MRM) bezüglich des Überlebens gleichwertig.
  • Axilla-Staging: Standard bei cN0 ist die Sentinel-Lymph-Node-Exzision (SLNE).
  • Verzicht auf Axilladissektion: Möglich bei max. 2 befallenen Sentinel-Lymphknoten, T1/T2-Tumor, cN0 präoperativ, geplanter BET mit Bestrahlung und adäquater adjuvanter Systemtherapie.
  • Bestrahlung: Nach BET ist eine Bestrahlung der verbliebenen Brust zwingend indiziert (konventionell oder hypofraktioniert). Ein Boost (Dosiseskalation im Tumorbett) senkt die Lokalrezidivrate weiter.

Adjuvante medikamentöse Therapie

Die Systemtherapie richtet sich nach dem molekularen Subtyp:

SubtypTherapieempfehlungBemerkung
HR-positivEndokrine Therapie (Tamoxifen, Aromatasehemmer)Standarddauer 5 Jahre, ggf. Erweiterung auf 10 Jahre. Bei Prämenopausalen ggf. plus GnRH-Analoga.
HER2-positivAnti-HER2-Therapie (Trastuzumab) + ChemotherapieTrastuzumab über 1 Jahr. Duale Blockade (Pertuzumab) bei hohem Risiko.
Triple-negativChemotherapieAnthrazykline und Taxane sind Basis der Therapie.

Indikation zur Chemotherapie: Abhängig von Risikofaktoren (Grading, Tumorgröße, Nodalstatus, Ki67). Genexpressionsanalysen können bei HR+, HER2- Tumoren mit unklarer Chemotherapie-Indikation zur Entscheidungsfindung beitragen.

Therapie im lokal fortgeschrittenen Stadium (IIB, III)

  • Oft primäre (neoadjuvante) medikamentöse Therapie, um eine pathologische Komplettremission (pCR) zu erreichen und die Rate an brusterhaltenden Operationen zu erhöhen.
  • Bei HER2-positiven und triple-negativen Tumoren wird die neoadjuvante Chemotherapie bevorzugt.
  • Postoperativ erfolgt die Komplettierung der Therapie (Bestrahlung der Brustwand/Lymphabflusswege bei hohem Risiko, Fortführung der endokrinen/Anti-HER2-Therapie).

Palliative Therapie (Fernmetastasen)

Das Ziel ist Lebensverlängerung und Symptomkontrolle.

  • HR-positiv: Endokrine Therapie steht an erster Stelle (außer bei vitaler Bedrohung). Einsatz von Aromatasehemmern, Fulvestrant und CDK4/6-Inhibitoren (Palbociclib, Ribociclib, Abemaciclib).
  • HER2-positiv: Anti-HER2-Therapie (Trastuzumab, Pertuzumab, T-DM1, Lapatinib) kombiniert mit Chemotherapie oder endokriner Therapie.
  • Knochenmetastasen: Supportive Therapie mit Bisphosphonaten oder Denosumab zur Prävention skelettbezogener Komplikationen.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei cN0 und maximal 2 befallenen Sentinel-Lymphknoten auf eine Axilladissektion, sofern eine brusterhaltende Operation mit Bestrahlung und adäquater adjuvanter Systemtherapie geplant ist.

Häufig gestellte Fragen

Bei Patientinnen mit HR-positivem, HER2-negativem Tumor und mindestens einem Risikofaktor, wenn die klinischen und immunhistochemischen Parameter keine eindeutige Risikoeinteilung für oder gegen eine Chemotherapie erlauben.
Maximal 2 befallene Sentinel-Lymphknoten, Tumorstadium T1 oder T2, präoperativ cN0, geplante brusterhaltende Operation mit Bestrahlung und eine adäquate adjuvante medikamentöse Tumortherapie.
Der Standard orientiert sich an 5 Jahren. Eine erweiterte Therapie auf bis zu 10 Jahre sollte nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen, insbesondere bei erhöhtem Rezidivrisiko.
Eine adjuvante Therapie mit Trastuzumab über ein Jahr, in der Regel in Kombination mit einer Chemotherapie (Anthrazykline/Taxane).
Bisphosphonate (z. B. Zoledronat, Pamidronat) oder der Anti-RANKL-Antikörper Denosumab.

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