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Leitlinienprogramm Onkologie / DKG / AWMF2023OnkologiePsychiatriePsychosomatik

S3-Leitlinie Psychoonkologie: Diagnostik & Therapie (DKG)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Leitlinienprogramm Onkologie / DKG / AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Psychoonkologische Versorgung soll in allen onkologischen Kliniken und Reha-Einrichtungen durch qualifizierte Fachkräfte vorgehalten werden.
  • Bei anhaltenden Schmerzen, starker körperlicher Symptombelastung oder Fatigue soll zwingend auf psychische Störungen gescreent werden.
  • Subsyndromale Belastungen wie Distress, Progredienzangst und Depressivität erfordern frühzeitige ambulante Beratungsangebote.
  • Die Erfassung der Lebensqualität umfasst körperliche, psychische, soziale und spirituelle Dimensionen.
  • Selbsthilfegruppen und Sozialdienste sind essenzielle Bestandteile der sektorenübergreifenden psychoonkologischen Versorgung.
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Hintergrund

Die Psychoonkologie befasst sich mit dem Erleben, Verhalten und den spezifischen Belastungen von Krebspatientinnen sowie deren Angehörigen. Ziel ist es, die Krankheitsverarbeitung zu unterstützen, die Lebensqualität zu erhalten oder zu verbessern und soziale Ressourcen zu stärken. Die S3-Leitlinie (Version 2.0, 2023) definiert die strukturellen Voraussetzungen und klinischen Empfehlungen für die psychoonkologische Diagnostik, Beratung und Behandlung erwachsener Krebspatientinnen.

Strukturelle Voraussetzungen

Die psychoonkologische Versorgung muss sektorenübergreifend und in allen Phasen der Erkrankung sichergestellt sein.

VersorgungsbereichEmpfehlung zur Struktur
KrankenhausEin psychoonkologisches Versorgungsangebot durch qualifizierte Fachkräfte soll in allen onkologischen Kliniken vorgehalten werden.
RehabilitationStationäre und ambulante Reha-Einrichtungen sollen psychoonkologische Fachkräfte integrieren.
SozialdiensteEin Angebot zur sozialen Beratung soll in allen stationären/ambulanten Einrichtungen verfügbar sein.
PalliativversorgungPsychoonkologisch qualifizierte Mitarbeiter*innen sollten auf Palliativstationen etabliert werden.
Ambulanter SektorWohnortnaher Zugang soll gewährleistet sein; psychosoziale Krebsberatungsstellen sollen bei subsyndromalen Belastungen empfohlen werden.
SelbsthilfePatient*innen sollen über Angebote der Krebs-Selbsthilfe informiert werden; diese sollen in die Versorgung einbezogen werden.

Psychosoziale Belastungen und Lebensqualität

Krebspatient*innen sind mit vielfältigen Problemen konfrontiert, die in der psychoonkologischen Versorgung berücksichtigt werden sollen:

  • Körperliche Probleme: Fatigue, Schmerzen, Schlafprobleme, Übelkeit, körperliche Veränderungen.
  • Psychische Probleme: Distress, Progredienz-/Rezidivangst, Depressivität, Trauer, Körperbildstörungen.
  • Soziale Probleme: Isolation, finanzielle Belastungen, berufliche Einschränkungen, familiäre Konflikte.
  • Spirituelle/religiöse Probleme: Sinnverlust, Hoffnungslosigkeit, ethische Konflikte.

Subsyndromale Belastungen

Zu den häufigsten subsyndromalen Belastungen (unterhalb der ICD-10/DSM-IV Kriterien) zählen:

  • Distress: bei bis zu 59 % der Patient*innen
  • Ängste (v. a. Progredienzangst): bei bis zu 48 % (Progredienzangst bis zu 32 %)
  • Depressivität: bei bis zu 58 %

Psychische Komorbidität und Risikofaktoren

Die häufigsten manifesten psychischen Störungen bei Krebspatient*innen sind affektive Störungen, Angststörungen, Anpassungsstörungen und Störungen durch psychotrope Substanzen.

Bestimmte Faktoren begünstigen das Auftreten psychischer Störungen:

  • Schmerzen
  • Hohe körperliche Symptombelastung
  • Fatigue
  • Psychische Störungen in der Vorgeschichte

Empfehlung zur Diagnostik:

  • Vor allem bei anhaltenden Schmerzen, starker körperlicher Symptombelastung oder Fatigue soll die psychische Belastung sowie das Vorliegen einer psychischen Störung abgeklärt werden (Empfehlungsgrad A).

Psychoonkologische Interventionen

Das Spektrum der psychoonkologischen Maßnahmen ist verfahrensübergreifend und umfasst unter anderem:

  • Psychoedukation und psychosoziale Beratung
  • Entspannungsverfahren und imaginative Verfahren
  • Psychotherapeutische Einzel-, Gruppen- und Paarinterventionen
  • Künstlerische Therapien (Kunst-, Musik-, Tanztherapie)
  • Psychoonkologische Krisenintervention
  • E-Health-Anwendungen
  • Psychopharmakologische Behandlung (unter Beachtung von Interaktionen)

💡Praxis-Tipp

Achten Sie bei Krebspatient*innen mit ausgeprägter Fatigue oder starken Schmerzen aktiv auf psychische Komorbiditäten und leiten Sie frühzeitig ein Belastungsscreening ein.

Häufig gestellte Fragen

Die häufigsten psychischen Begleiterkrankungen sind affektive Störungen, Angststörungen, Anpassungsstörungen und Störungen durch psychotrope Substanzen.
Ein gezieltes Screening soll insbesondere bei anhaltenden Schmerzen, starker körperlicher Symptombelastung oder ausgeprägter Fatigue erfolgen.
Sie dienen als niedrigschwellige, ambulante Anlaufstellen, insbesondere bei subsyndromalen psychosozialen Belastungen von Patient*innen und deren Angehörigen.
Dazu zählen allgemeiner Distress, Ängste (wie Progredienz- oder Rezidivangst) und Depressivität, die die Kriterien einer manifesten psychischen Störung nach ICD-10 noch nicht vollständig erfüllen.

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