DGOOCS32021Orthopädie

Indikation zur Hüft-TEP: DGOOC Leitlinie

Diese Leitlinie stammt aus 2021 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: DGOOC (2021)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die Implantation einer Hüfttotalendoprothese (Hüft-TEP) ist der häufigste endoprothetische Eingriff in Deutschland. Die DGOOC-Leitlinie EKIT-Hüfte formuliert evidenz- und konsensbasierte Empfehlungen, um die Indikationsstellung zu standardisieren und eine bedarfsgerechte Versorgung sicherzustellen.

Die Coxarthrose ist eine degenerative Gelenkerkrankung, deren Prävalenz mit dem Alter steigt. Zu Beginn steht die konservative Therapie im Vordergrund, während im fortgeschrittenen Stadium der operative Gelenkersatz das Mittel der Wahl ist.

Die korrekte Indikationsstellung erfordert eine sorgfältige Abwägung von objektiven Befunden, subjektivem Leidensdruck und möglichen Risikofaktoren im Rahmen einer partizipativen Entscheidungsfindung.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für den Prozess der Indikationsstellung:

Diagnostik

Laut Leitlinie wird die Diagnose klinisch anhand von Hüftschmerzen, einer Morgensteifigkeit von unter 60 Minuten sowie einer schmerzhaften Innenrotation und eingeschränkten Flexion gestellt (Expertenkonsens).

Vor der Indikationsstellung zur Hüft-TEP wird eine konventionelle Röntgenaufnahme (Beckenübersicht und zweite Ebene) zur Sicherung und Schweregradbeurteilung empfohlen. Eine weiterführende Bildgebung mittels MRT oder CT soll nur bei Diskrepanzen zwischen Klinik und Röntgen erfolgen.

Konservative Therapie

Vor einer Operation wird eine Kombination aus medikamentöser und nicht-medikamentöser Therapie über mindestens drei Monate empfohlen (starke Empfehlung).

Als Kernelemente der konservativen Therapie nennt die Leitlinie:

  • Patientenedukation und Aufklärung

  • Bewegungstherapie und Förderung der körperlichen Aktivität

  • Gewichtsreduktion bei einem BMI ab 30 kg/m²

Indikationsstellung zur Hüft-TEP

Die Indikation zur Operation wird bei einem hohen subjektiven Leidensdruck trotz konservativer Therapie gestellt. Zur Erfassung des Leidensdrucks wird die Nutzung validierter Instrumente (PROMs) empfohlen.

Objektiv wird die Operation nur bei einer radiologisch nachgewiesenen, fortgeschrittenen Gelenkzerstörung empfohlen:

  • Coxarthrose: Kellgren & Lawrence Grad 3 oder 4 (starke Empfehlung)

  • Hüftkopfnekrose: Ab ARCO Stadium IIIc

Optimierung modifizierbarer Risikofaktoren

Zur Minimierung postoperativer Komplikationen empfiehlt die Leitlinie die präoperative Optimierung spezifischer Risikofaktoren. Es wird empfohlen, die Operation bis zur Erreichung der Zielwerte zu verschieben.

RisikofaktorEmpfohlene Maßnahme / ZielwertPräoperatives Intervall
NikotinkonsumVollständige KarenzMindestens 1 Monat
Diabetes mellitusBestmögliche Einstellung (HbA1c < 8 %)Vor elektivem Eingriff
BMI ≥ 30 kg/m²GewichtsreduktionVor elektivem Eingriff
Cortikosteroid-InjektionAbwarten zur Infektionsprävention6 Wochen bis 3 Monate
AnämieDiagnostik und OptimierungVor elektivem Eingriff

Kontraindikationen

Die Leitlinie definiert klare Kontraindikationen und Warnhinweise für die Implantation einer Hüft-TEP.

Eine aktive Infektion (Gelenke, Weichteile oder hämatogen streuend) stellt eine absolute Kontraindikation dar und muss vor dem Eingriff vollständig ausgeheilt sein (starke Empfehlung). Bei vorangegangenen Infektionen des Hüftgelenks wird eine strenge Prüfung auf verbliebene Aktivität gefordert.

Bei einem BMI ab 40 kg/m² wird aufgrund einer deutlich erhöhten Komplikationsgefahr, insbesondere für periprothetische Infektionen, eine besonders kritische Abwägung von Nutzen und Risiken verlangt (starke Empfehlung).

Zudem wird explizit davon abgeraten, eine asymptomatische Bakteriurie vor einer geplanten Hüft-TEP antibiotisch zu behandeln.

Frage zu dieser Leitlinie stellen...

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie warnt davor, eine asymptomatische Bakteriurie vor einer Hüft-TEP-Operation antibiotisch zu behandeln, da dies das Infektionsrisiko nicht senkt. Zudem wird betont, dass eine intraartikuläre Cortikosteroid-Injektion das Risiko für periprothetische Infektionen erhöht. Es wird daher empfohlen, nach einer solchen Injektion idealerweise drei Monate bis zur Implantation der Endoprothese zu warten.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt die Implantation einer Hüft-TEP erst bei einer fortgeschrittenen Coxarthrose. Dies entspricht radiologisch einem Kellgren & Lawrence Grad 3 oder 4.

Es wird ein konservativer Behandlungsversuch über mindestens drei Monate empfohlen. Dieser sollte eine Kombination aus medikamentösen und nicht-medikamentösen Maßnahmen umfassen.

Ein strikter BMI-Grenzwert als absolute Kontraindikation wird nicht genannt, jedoch wird bei einem BMI ab 40 kg/m² eine besonders kritische Nutzen-Risiko-Abwägung gefordert. Bei einem BMI ab 30 kg/m² wird eine präoperative Gewichtsreduktion empfohlen.

Laut Leitlinie sollte die Operation frühestens 6 Wochen nach einer intraartikulären Cortikosteroid-Injektion erfolgen. Empfohlen wird jedoch ein Abstand von 3 Monaten, um das Infektionsrisiko zu minimieren.

Nein, die Leitlinie rät explizit von einer antibiotischen Behandlung einer asymptomatischen Bakteriurie vor der Operation ab. Es gibt keine Evidenz, dass dies das Risiko für periprothetische Infektionen senkt.

War diese Zusammenfassung hilfreich?

Quelle: DGOOC: Evidenz- und konsensbasierte Indikationskriterien zur Hüfttotalendoprothese bei Coxarthrose (EKIT-Hüfte) (DGOOC, 2021). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

Verwandte Leitlinien