Koxarthrose: S2k-Leitlinie zur Diagnostik & Therapie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Die Diagnosestellung erfolgt primär klinisch und radiologisch nach den ACR-Kriterien.
- •Die radiologische Stadieneinteilung wird nach Kellgren und Lawrence (Grad I-IV) vorgenommen.
- •Basis der konservativen Therapie sind Bewegungstherapie (Land/Wasser) und Edukation.
- •NSAR und Coxibe sollen in der niedrigsten effektiven Dosis so kurz wie möglich eingesetzt werden.
- •Gelenkerhaltende Operationen sind bei präarthrotischen Deformitäten wie FAI oder Dysplasie indiziert.
Hintergrund
Die Koxarthrose gehört zu den häufigsten Gelenkerkrankungen. Die Diagnose kann in den meisten Fällen mit hinreichender Wahrscheinlichkeit anhand von Anamnese sowie klinischem und radiologischem Befund gestellt werden (Starker Konsens).
Diagnostik und Kriterien
Für die Diagnose sollen die Kriterien des American College of Rheumatology (ACR) erfüllt sein (Konsens).
| Kriterium-Gruppe | Erforderliche Befunde |
|---|---|
| Gruppe 1 | Hüftschmerz + Innenrotation < 15° + BSG ≤ 45 mm/Std. (oder Flexion ≤ 115°) |
| Gruppe 2 | Hüftschmerz + Innenrotation < 15° + Morgensteifigkeit ≤ 60 Min. + Alter > 50 Jahre |
| Gruppe 3 | Hüftschmerz + 2 von 3: BSG ≤ 20 mm/Std., Osteophyten, Gelenkspaltverschmälerung |
Die klinische Untersuchung umfasst das Gangbild, Beckenstand, Beinlänge, Bewegungsausmaß (Neutral-Null-Methode) sowie Leistendruck- und Trochanterklopfschmerz.
Bildgebung und Klassifikation
Bei Verdacht auf Koxarthrose sollte zunächst eine ap-Aufnahme der betroffenen Hüfte angefertigt werden (Konsens). Zur Differentialdiagnostik ist eine Beckenübersichtsaufnahme sinnvoll (Starker Konsens).
Die radiologische Stadieneinteilung erfolgt nach Kellgren und Lawrence (Konsens):
| Grad | Radiologische Zeichen |
|---|---|
| Grad I | Gelenkspaltverschmälerung möglich, Osteophyten möglich |
| Grad II | Gelenkspaltverschmälerung sicher, Osteophyten möglich, minimale Sklerose |
| Grad III | Deutliche Gelenkspaltverschmälerung, geringe Osteophyten, geringe Sklerose |
| Grad IV | Erhebliche Gelenkspaltverschmälerung, große Osteophyten, Sklerose, Zysten, Deformierung |
Für die klinische Stadieneinteilung können Scores wie WOMAC, Harris Hip Score (HHS) oder Lequesne verwendet werden.
Konservative Therapie
Die konservative Therapie ruht auf nicht-medikamentösen und medikamentösen Säulen.
- Physiotherapie: Bewegungstherapie (Kraft und Ausdauer) ist Kernelement (Konsens).
- Physikalische Therapie: Hydrotherapie im Bewegungsbad wird zur Funktionsverbesserung empfohlen (Konsens).
- Hilfsmittel: Gehhilfen können das Gelenk entlasten und Schmerzen reduzieren (Starker Konsens).
Medikamentöse Therapie
| Wirkstoffgruppe | Indikation / Bemerkung | Empfehlungsgrad |
|---|---|---|
| NSAR und Coxibe | Bei inadäquater Schmerzlinderung. Niedrigste Dosis, so kurz wie möglich. Bei Alter >60 an PPI-Schutz denken. | Starker Konsens |
| Metamizol | Kurzzeitig bei Kontraindikationen/Unverträglichkeit von NSAR. Risikoaufklärung zwingend! | Konsens |
| Schwache Opioide | Kurzfristig bei inoperablen Patienten oder zur Überbrückung bis zur OP. | Konsens |
| Glucosamin | Kann bei NSAR-Unverträglichkeit erwogen werden. Strukturmodifizierende Wirkung ist nicht belegt. | Konsens |
Operative Therapie
Die operative Therapie zielt bei präarthrotischen Deformitäten auf den Gelenkerhalt ab. Eine fortgeschrittene Arthrose ist eine Kontraindikation für gelenkerhaltende Eingriffe.
- Arthroskopische Verfahren: Indiziert bei symptomatischem femoroazetabulärem Impingement (FAI) (Starker Konsens) und Labrumläsionen. Ein Labrumerhalt durch Refixation ist anzustreben.
- Offene Verfahren: Periazetabuläre Beckenosteotomie (PAO) oder Dreifache Beckenosteotomie (Triple OT) bei Hüftdysplasie. Intertrochantäre Femurosteotomien (ITO) bei Fehlstellungen des proximalen Femurs.
💡Praxis-Tipp
Denken Sie bei Patienten ab 60 Jahren unter NSAR-Therapie stets an den Magenschutz (PPI). Metamizol sollte nur nach strenger Risikoaufklärung verordnet werden.