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Prävention und Therapie der Gonarthrose: S3-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Topische NSAR werden als medikamentöse Erstlinientherapie stark empfohlen; Paracetamol und Opioide sollen nicht routinemäßig eingesetzt werden.
  • Bewegungstherapie und Gewichtsreduktion bilden die Basis der konservativen Behandlung; passive Maßnahmen wie TENS oder Ultraschall werden nicht empfohlen.
  • Die alleinige Arthroskopie mit Lavage oder Débridement wird bei gesicherter Gonarthrose nicht empfohlen.
  • Vor einer Knieendoprothetik müssen Risikofaktoren wie Nikotinkonsum (4 Wochen Karenz) und ein schlecht eingestellter Diabetes (HbA1c < 8%) optimiert werden.
  • Bei der Endoprothetik wird die Gabe von Tranexamsäure stark empfohlen, auf das Legen einer intraartikulären Drainage soll verzichtet werden.
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Hintergrund

Unter Gonarthrose werden alle degenerativen Erkrankungen des Kniegelenkes (femoro-tibial und femoro-patellar) zusammengefasst. Sie ist gekennzeichnet durch eine progressive Zerstörung des Gelenkknorpels unter Mitbeteiligung von Bändern, Knochen, Gelenkkapsel und Muskulatur. Die Erkrankung verläuft oft in entzündlichen ("aktivierte Arthrose") und nicht-entzündlichen Phasen.

Diagnostik und Klassifikation

Die Diagnose basiert auf Anamnese, körperlicher Untersuchung und radiologischen Befunden. Eine routinemäßige Bestimmung von Biomarkern wird nicht empfohlen. Das Ausmaß der Gelenkschädigung sollte röntgenologisch klassifiziert werden, standardmäßig nach Kellgren und Lawrence:

StadiumRadiologische Kriterien nach Kellgren und Lawrence
1Geringe subchondrale Sklerosierung, keine Osteophyten, keine Gelenkspaltverschmälerung
2Geringe Gelenkspaltverschmälerung, beginnende Osteophyten, angedeutete Unregelmäßigkeit
3Ausgeprägte Osteophyten, Gelenkspaltverschmälerung, deutliche Unregelmäßigkeit
4Ausgeprägte Gelenkspaltverschmälerung bis Destruktion, Deformierung/Nekrose

Konservative Therapie: Medikamentös

Die medikamentöse Therapie soll unterstützend zur Bewegungstherapie in der niedrigsten wirksamen Dosis und so kurz wie möglich erfolgen.

WirkstoffEmpfehlungBemerkung
Topische NSARStarke Empfehlung dafürMittel der ersten Wahl.
Orale NSAREmpfehlung dafürWenn topische NSAR unwirksam/ungeeignet. Ggf. mit PPI-Schutz.
ParacetamolStarke Empfehlung dagegenKeine routinemäßige Gabe. Nur bei Kontraindikationen anderer Analgetika.
Schwache/Starke OpioideStarke Empfehlung dagegenKeine routinemäßige Therapie.
MetamizolEmpfehlung dafürNur bei starken Schmerzen, wenn andere Analgetika versagen.
GlucosaminStarke Empfehlung dagegenKein sicherer Beleg für chondroprotektive Wirkung.
Kortikosteroide (intraartikulär)Empfehlung dafürNur für kurzzeitige Therapie (2-10 Wochen).

Konservative Therapie: Nicht-medikamentös

Die Basis der Behandlung bilden Aufklärung, Gewichtsmanagement bei Adipositas und Bewegungstherapie.

  • Bewegungstherapie: Landbasierte und aquatische Bewegungstherapie werden stark empfohlen. Sie sollten idealerweise unter Aufsicht und an individuelle Bedürfnisse angepasst stattfinden.
  • Hilfsmittel: Gehhilfen zur Entlastung werden empfohlen. Der routinemäßige Einsatz von Orthesen, Schuhzurichtungen oder Tapes wird nicht empfohlen (nur in Einzelfällen bei Instabilität).
  • Elektrotherapie: TENS, Ultraschall, Lasertherapie und Interferenzstrom werden aufgrund unzureichender Belege nicht empfohlen.

Operative Therapie: Gelenkerhaltend

Die alleinige Arthroskopie mit Lavage und/oder Débridement wird bei klinisch und radiologisch gesicherter Gonarthrose nicht empfohlen. Bei isolierter Varusfehlstellung (Kellgren Lawrence ≤ III.°) kann eine hohe Tibiakopfosteotomie (HTO) erwogen werden.

Operative Therapie: Gelenkersatz (Endoprothetik)

Die Indikation zur Knie-TEP oder unikondylären Schlittenprothese erfordert ein "Shared Decision Making" und ein striktes Management von Risikofaktoren.

Präoperatives Risikomanagement

  • Nikotin: Mindestens 4 Wochen präoperative Nikotinkarenz wird stark empfohlen.
  • Diabetes mellitus: Einstellung des Blutzuckers; ein HbA1c-Wert < 8% sollte angestrebt werden (starke Empfehlung).
  • Depression: Fachspezifische Vorstellung und Therapieoptimierung präoperativ empfohlen, da ein schlechterer mentaler Status das postoperative Outcome negativ beeinflusst.
  • Adipositas: Erhöhtes Komplikationsrisiko (besonders BMI > 40), jedoch vergleichbarer Gewinn an Lebensqualität. Ein generelles Vorenthalten der OP ist ethisch nicht gerechtfertigt.

Perioperatives Management

MaßnahmeEmpfehlungBemerkung
AnästhesieStarke Empfehlung dafürSpinal- oder Allgemeinanästhesie, kombiniert mit lokaler Infiltrationsanästhesie (LIA) oder Nervenblockade.
TranexamsäureStarke Empfehlung dafürIntravenös + topisch (max. 3g Gesamtdosis) zur Blutungsreduktion.
DrainagenStarke Empfehlung dagegenAuf das Legen einer Drainage soll verzichtet werden.
BlutsperreKann erwogen werdenDauer so kurz wie möglich halten.

Hinweis zu Mindestmengen: Endoprothetische Eingriffe sollen gemäß der Mindestmengenregelung des G-BA in Zentren mit entsprechenden Fallzahlen durchgeführt werden.

💡Praxis-Tipp

Achten Sie bei der Verordnung von topischem Diclofenac auf den Umweltschutz: Weisen Sie Patienten an, die Hände nach dem Auftragen erst mit einem Papiertuch abzuwischen und dieses im Restmüll zu entsorgen, bevor sie die Hände waschen.

Häufig gestellte Fragen

Nein, die Leitlinie spricht eine starke Empfehlung gegen den routinemäßigen Einsatz von Paracetamol aus. Es soll nur bei Kontraindikationen anderer Analgetika erwogen werden.
Nein, die alleinige Arthroskopie mit Lavage und/oder Débridement wird bei klinisch und radiologisch gesicherter Gonarthrose nicht empfohlen.
Topische NSAR werden stark empfohlen. Orale NSAR sollten nur eingesetzt werden, wenn topische Präparate unwirksam oder ungeeignet sind (ggf. mit PPI-Schutz).
Adipositas (auch BMI > 40) ist keine absolute Kontraindikation. Das Komplikationsrisiko ist erhöht, der Gewinn an Lebensqualität ist jedoch vergleichbar mit normalgewichtigen Patienten.
Nein, die Leitlinie empfiehlt stark, im Rahmen der Knieprothesenimplantation auf das Legen einer Drainage zu verzichten.

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