Indikation Knieendoprothese: S2k-Leitlinie (AWMF/DGOU)
📋Auf einen Blick
- •Die Indikation erfordert zwingend Knieschmerz, Strukturschaden (K&L Grad 3-4), frustrane konservative Therapie (>3 Monate) sowie hohen Leidensdruck.
- •Absolute Kontraindikationen sind floride Infektionen und akute kardiovaskuläre Ereignisse.
- •Modifizierbare Risikofaktoren wie ein HbA1c >8 %, BMI ≥30 oder Rauchen sollen präoperativ bestmöglich optimiert werden.
- •Nach intraartikulärer Glukokortikoid-Injektion sollte die OP frühestens nach 6 Wochen, idealerweise erst nach 3 Monaten erfolgen.
Hintergrund
Die Implantation einer Knieendoprothese bei Gonarthrose oder Osteonekrose ist ein häufiger elektiver Eingriff. Um eine bedarfsgerechte Versorgung zu gewährleisten und realistische Therapieziele zu erreichen, definiert die S2k-Leitlinie klare, evidenzbasierte Kriterien für die Indikationsstellung.
Hauptkriterien für die Indikation
Für die Indikation zur Knieendoprothese sollen alle folgenden fünf Hauptkriterien erfüllt sein:
| Kriterium | Spezifikation / Voraussetzung |
|---|---|
| Knieschmerz | Beeinträchtigende Schmerzen über mindestens 3 Monate. |
| Strukturschaden | Gonarthrose: Kellgren & Lawrence Grad 3 oder 4 (Röntgen unter Belastung). Osteonekrose: Deformierung/Defekt der Gelenkfläche. |
| Konservative Therapie | Erfolgloser Versuch über mindestens 3 Monate (medikamentös und nicht-medikamentös). |
| Lebensqualität | Einschränkung bezogen auf das Kniegelenk über mindestens 3 Monate. |
| Leidensdruck | Subjektiver Leidensdruck (Erfassung durch validierte PROMs wie EQ-5D, KOOS, OKS empfohlen). |
Nebenkriterien
Folgende Faktoren sind nicht zwingend erforderlich, sollten aber erfasst werden, da sie die Empfehlungsstärke für eine Operation beeinflussen:
- Einschränkungen der Gehstrecke, beim Stehen oder Treppensteigen
- Fehlstellung der Beinachse oder Instabilität des Kniegelenks
- Bewegungseinschränkung oder Kraftminderung
- Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten (Körperhygiene, Haushalt, Verkehrsmittel)
- Einschränkungen im sozialen Leben, Beruf und Sport
- Vermeidung kardiovaskulärer Nebenerkrankungen
Kontraindikationen
| Art | Kontraindikation |
|---|---|
| Absolut | Floride Infektion im Kniegelenk |
| Absolut | Aktive Infektion (Gelenke, Weichteile, hämatogen streuend) - muss vor OP ausgeheilt sein |
| Absolut | Akutes kardiovaskuläres Ereignis (typisch für elektive Eingriffe) |
| Relativ | Sehr hoher BMI (≥ 40 kg/m²) |
| Relativ | Deutlich verkürzte Lebenserwartung durch Begleiterkrankungen |
Modifizierbare Risikofaktoren
Diese Faktoren sind mit einem erhöhten Komplikationsrisiko verbunden und sollen vor der Operation bestmöglich optimiert werden:
| Risikofaktor | Präoperative Maßnahme / Ziel |
|---|---|
| Diabetes mellitus | Blutzucker bestmöglich einstellen, HbA1c < 8 % anstreben. |
| Adipositas (BMI ≥ 30) | Gewichtsreduktion empfehlen. |
| Rauchen | Nikotinkarenz mindestens 1 Monat vor der OP empfehlen. |
| Anämie | Diagnostik und Optimierung bei Behandlungsbedürftigkeit. |
| Intraartikuläre Glukokortikoide | OP frühestens nach 6 Wochen, empfohlen erst nach 3 Monaten. |
| Psychische Erkrankung | Fachspezifische Abklärung bei Verdacht auf unzureichende Therapie. |
| Rheumatische Erkrankungen | Adäquat kontrolliert; max. 7,5 mg Prednisolon/Tag. |
Partizipative Entscheidungsfindung
Patienten sollen dazu angeregt werden, individuelle Therapieziele zu formulieren. Der Operateur muss ausführlich über realistische Erwartungen hinsichtlich der Operation, des Verlaufs und des Ergebnisses aufklären. Die gemeinsam erarbeiteten Ziele sind zu dokumentieren.
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie validierte PROMs (z.B. EQ-5D, KOOS, OKS), um den subjektiven Leidensdruck und die Einschränkung der Lebensqualität objektivierbar zu dokumentieren. Planen Sie elektive Eingriffe frühestens 3 Monate nach der letzten intraartikulären Glukokortikoid-Injektion.