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Indikation Knieendoprothese: S2k-Leitlinie (AWMF/DGOU)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Indikation erfordert zwingend Knieschmerz, Strukturschaden (K&L Grad 3-4), frustrane konservative Therapie (>3 Monate) sowie hohen Leidensdruck.
  • Absolute Kontraindikationen sind floride Infektionen und akute kardiovaskuläre Ereignisse.
  • Modifizierbare Risikofaktoren wie ein HbA1c >8 %, BMI ≥30 oder Rauchen sollen präoperativ bestmöglich optimiert werden.
  • Nach intraartikulärer Glukokortikoid-Injektion sollte die OP frühestens nach 6 Wochen, idealerweise erst nach 3 Monaten erfolgen.
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Hintergrund

Die Implantation einer Knieendoprothese bei Gonarthrose oder Osteonekrose ist ein häufiger elektiver Eingriff. Um eine bedarfsgerechte Versorgung zu gewährleisten und realistische Therapieziele zu erreichen, definiert die S2k-Leitlinie klare, evidenzbasierte Kriterien für die Indikationsstellung.

Hauptkriterien für die Indikation

Für die Indikation zur Knieendoprothese sollen alle folgenden fünf Hauptkriterien erfüllt sein:

KriteriumSpezifikation / Voraussetzung
KnieschmerzBeeinträchtigende Schmerzen über mindestens 3 Monate.
StrukturschadenGonarthrose: Kellgren & Lawrence Grad 3 oder 4 (Röntgen unter Belastung). Osteonekrose: Deformierung/Defekt der Gelenkfläche.
Konservative TherapieErfolgloser Versuch über mindestens 3 Monate (medikamentös und nicht-medikamentös).
LebensqualitätEinschränkung bezogen auf das Kniegelenk über mindestens 3 Monate.
LeidensdruckSubjektiver Leidensdruck (Erfassung durch validierte PROMs wie EQ-5D, KOOS, OKS empfohlen).

Nebenkriterien

Folgende Faktoren sind nicht zwingend erforderlich, sollten aber erfasst werden, da sie die Empfehlungsstärke für eine Operation beeinflussen:

  • Einschränkungen der Gehstrecke, beim Stehen oder Treppensteigen
  • Fehlstellung der Beinachse oder Instabilität des Kniegelenks
  • Bewegungseinschränkung oder Kraftminderung
  • Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten (Körperhygiene, Haushalt, Verkehrsmittel)
  • Einschränkungen im sozialen Leben, Beruf und Sport
  • Vermeidung kardiovaskulärer Nebenerkrankungen

Kontraindikationen

ArtKontraindikation
AbsolutFloride Infektion im Kniegelenk
AbsolutAktive Infektion (Gelenke, Weichteile, hämatogen streuend) - muss vor OP ausgeheilt sein
AbsolutAkutes kardiovaskuläres Ereignis (typisch für elektive Eingriffe)
RelativSehr hoher BMI (≥ 40 kg/m²)
RelativDeutlich verkürzte Lebenserwartung durch Begleiterkrankungen

Modifizierbare Risikofaktoren

Diese Faktoren sind mit einem erhöhten Komplikationsrisiko verbunden und sollen vor der Operation bestmöglich optimiert werden:

RisikofaktorPräoperative Maßnahme / Ziel
Diabetes mellitusBlutzucker bestmöglich einstellen, HbA1c < 8 % anstreben.
Adipositas (BMI ≥ 30)Gewichtsreduktion empfehlen.
RauchenNikotinkarenz mindestens 1 Monat vor der OP empfehlen.
AnämieDiagnostik und Optimierung bei Behandlungsbedürftigkeit.
Intraartikuläre GlukokortikoideOP frühestens nach 6 Wochen, empfohlen erst nach 3 Monaten.
Psychische ErkrankungFachspezifische Abklärung bei Verdacht auf unzureichende Therapie.
Rheumatische ErkrankungenAdäquat kontrolliert; max. 7,5 mg Prednisolon/Tag.

Partizipative Entscheidungsfindung

Patienten sollen dazu angeregt werden, individuelle Therapieziele zu formulieren. Der Operateur muss ausführlich über realistische Erwartungen hinsichtlich der Operation, des Verlaufs und des Ergebnisses aufklären. Die gemeinsam erarbeiteten Ziele sind zu dokumentieren.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie validierte PROMs (z.B. EQ-5D, KOOS, OKS), um den subjektiven Leidensdruck und die Einschränkung der Lebensqualität objektivierbar zu dokumentieren. Planen Sie elektive Eingriffe frühestens 3 Monate nach der letzten intraartikulären Glukokortikoid-Injektion.

Häufig gestellte Fragen

Im Belastungsröntgen soll eine fortgeschrittene Gonarthrose mit Kellgren & Lawrence Grad 3 oder 4 nachweisbar sein.
Eine adäquate Kombination aus medikamentöser und nicht-medikamentöser Therapie muss über mindestens 3 Monate erfolglos geblieben sein.
Bei Patienten mit Diabetes mellitus sollte präoperativ ein HbA1c-Wert von unter 8 % angestrebt werden, um das Infektionsrisiko zu senken.
Frühestens 6 Wochen. Empfohlen wird jedoch ein Abstand von mindestens 3 Monaten zur Risikominimierung von periprothetischen Infektionen.
Ein BMI ≥ 40 kg/m² gilt als relative Kontraindikation. Bei einem BMI ≥ 30 kg/m² soll präoperativ eine Gewichtsreduktion empfohlen werden.

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