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Hüft-TEP bei Coxarthrose: Indikations-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Eine Hüft-TEP ist nur bei radiologisch fortgeschrittener Coxarthrose (Kellgren & Lawrence Grad 3 oder 4) oder Hüftkopfnekrose ab ARCO IIIc indiziert.
  • Eine Kombination aus medikamentöser und nicht-medikamentöser konservativer Therapie muss über mindestens 3 Monate erfolglos geblieben sein.
  • Ein hoher subjektiver Leidensdruck (Schmerz, Funktionseinschränkung, Lebensqualität) ist ausschlaggebend für die OP-Indikation.
  • Aktive Infektionen sind absolute Kontraindikationen; bei einem BMI ≥ 40 kg/m² ist eine besonders kritische Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich.
  • Modifizierbare Risikofaktoren wie Nikotinkonsum, ein HbA1c-Wert über 8 % oder eine Anämie sollen präoperativ optimiert werden.
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Hintergrund

Die Implantation einer Hüfttotalendoprothese (Hüft-TEP) ist der häufigste endoprothetische Eingriff in Deutschland. Die korrekte Indikationsstellung ist entscheidend, um Risiken zu minimieren und eine bedarfsgerechte Versorgung sicherzustellen. Die Leitlinie definiert objektive und subjektive Kriterien für die Entscheidungsfindung.

Diagnosesicherung

Vor der Indikationsstellung muss die Diagnose klinisch und radiologisch gesichert sowie relevante Differentialdiagnosen ausgeschlossen werden.

Diagnostik-SchrittKriterien / MaßnahmenBemerkung
Klinische UntersuchungHüftschmerzen, Morgensteifigkeit < 60 min, schmerzhafte Innenrotation, eingeschränkte FlexionEmpfehlungsgrad EK: Diagnose soll klinisch gesichert werden.
Basis-BildgebungKonventionelles Röntgen (Beckenübersicht + 2. Ebene des betroffenen Gelenks)Empfehlungsgrad EK: Zwingend erforderlich zur Beurteilung der Degeneration.
Weiterführende BildgebungMRT und/oder CTNur bei Diskrepanz zwischen Klinik und Röntgen.
Diagnostische InfiltrationBildgestützte intraartikuläre Injektion eines LokalanästhetikumsNur bei zweifelhafter/unklarer Diagnose zur Sicherung der Schmerzgenese.

Radiologische Indikationskriterien

Eine Operation ist nur bei fortgeschrittenen strukturellen Schäden indiziert:

  • Coxarthrose: Hüft-TEP soll nur bei radiologisch nachgewiesener fortgeschrittener Arthrose (Kellgren & Lawrence Grad 3 oder 4) erfolgen (Empfehlungsgrad A).
  • Hüftkopfnekrose: Indikation sollte ab ARCO Stadium IIIc überprüft werden (Empfehlungsgrad B).

Konservative Vortherapie

Vor einer OP-Indikation sollen Patienten mit einer Kombination aus medikamentöser und nicht-medikamentöser Therapie behandelt werden (Empfehlungsgrad A).

KernelementZielgruppeMaßnahme
PatientenedukationAlle PatientenInformation, Aufklärung und Beratung zur Erkrankung
BewegungstherapieAlle PatientenFörderung und Erhalt der körperlichen Aktivität
GewichtsreduktionPatienten mit BMI ≥ 30 kg/m²Empfehlung zur Gewichtsabnahme

Wenn diese leitliniengerechten Maßnahmen über mindestens 3 Monate durchgeführt wurden und weiterhin ein hoher Leidensdruck besteht, sollte die Indikation zur Hüft-TEP gestellt werden.

Leidensdruck und Entscheidungsfindung

Der subjektive Leidensdruck ist maßgeblich. Die Indikation soll in Betracht gezogen werden bei hohem Leidensdruck bezüglich:

  • Hüftbezogener Beschwerden (Schmerzen, Funktionseinschränkungen, Einschränkungen im Alltag)
  • Gesundheitsbezogener Lebensqualität

Zur Erfassung sollen validierte Instrumente (z.B. WOMAC, HOOS, EQ-5D) genutzt werden. Im Rahmen der partizipativen Entscheidungsfindung sollen individuelle Therapieziele formuliert und dokumentiert werden. Patient und Operateur müssen sich einig sein, dass der Nutzen die Risiken überwiegt.

Kontraindikationen und Risikominimierung

Vor dem Eingriff müssen Risikofaktoren optimiert und Kontraindikationen beachtet werden:

Risikofaktor / ZustandEmpfehlung vor Hüft-TEPEmpfehlungsgrad
Aktive InfektionMuss vollständig ausgeheilt sein (Gelenk, Weichteile, hämatogen).A (Kontraindikation)
BMI ≥ 40 kg/m²Besonders kritische Abwägung von Nutzen und Risiken wegen deutlich erhöhter Komplikationsgefahr.A (Kontraindikation)
Schwere BegleiterkrankungenInterdisziplinäre Risikoeinschätzung (Anästhesie/Innere Medizin) zwingend erforderlich.A
NikotinkonsumStopp mindestens 1 Monat vor geplanter OP.A
Diabetes mellitusBestmögliche Einstellung, Ziel: HbA1c < 8%.B
AnämieDiagnostik und Optimierung einer behandlungsbedürftigen Anämie.A
Psychische ErkrankungFachspezifische Abklärung bei Verdacht.B
Cortikosteroid-InjektionOP frühestens nach 6 Wochen, empfohlen erst nach 3 Monaten.B

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei unklarer Schmerzgenese (z.B. bei gleichzeitiger LWS-Pathologie oder Leistenhernie) eine diagnostische Infiltration des Hüftgelenks mit einem Lokalanästhetikum durch, bevor Sie die OP-Indikation stellen.

Häufig gestellte Fragen

Bei einer Coxarthrose ab Kellgren & Lawrence Grad 3 oder 4, bei einer Hüftkopfnekrose ab ARCO Stadium IIIc.
Leitliniengerechte konservative Maßnahmen (Edukation, Bewegung, ggf. Gewichtsreduktion) sollten über mindestens 3 Monate erfolgt sein.
Bei Patienten mit Diabetes mellitus sollte vor der Operation ein HbA1c-Wert von unter 8 % angestrebt werden.
Die Hüft-TEP sollte frühestens nach 6 Wochen, idealerweise erst nach 3 Monaten erfolgen.
Bei einem BMI ≥ 40 kg/m² muss aufgrund der deutlich erhöhten Komplikationsgefahr eine besonders kritische Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen. Bei einem BMI ≥ 30 kg/m² sollte präoperativ eine Gewichtsreduktion empfohlen werden.

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