Hüftarthrose & Physiotherapie: IQWiG HTA-Bericht
Hintergrund
Der HTA-Bericht des IQWiG (HT22-03) aus dem Jahr 2025 untersucht, ob physiotherapeutische Maßnahmen eine Gelenkersatzoperation (Hüft-TEP) bei Hüftarthrose verzögern oder vermeiden können. Hintergrund ist die im internationalen Vergleich hohe Anzahl an Gelenkersatzoperationen in Deutschland.
Schätzungsweise 5 % der Erwachsenen in Deutschland leiden an einer symptomatischen Hüftarthrose. Gemäß aktueller Leitlinien sollen konservative Maßnahmen wie Bewegungstherapie und Schmerzmittel vor der Indikationsstellung für eine Operation vollständig ausgeschöpft sein.
Der Bericht analysiert 14 randomisierte kontrollierte Studien zur Fragestellung. Dabei werden direkte Effekte auf die Operationshäufigkeit sowie indirekte Effekte auf Symptome wie Schmerz und Beweglichkeit bewertet.
Empfehlungen
Der Bericht formuliert folgende Erkenntnisse zur konservativen Therapie der Hüftarthrose:
Aktive Bewegungstherapie
Laut Bericht zeigen physiotherapeutisch angeleitete Übungen zum Training von Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit einen positiven Effekt. Es wird ein Hinweis auf einen Nutzen bezüglich der Verzögerung einer Hüft-TEP nach 2,5 sowie 4,8 Jahren festgestellt.
Diese günstigen Effekte sind laut Bericht sehr wahrscheinlich vor allem bei einem frühen Therapiebeginn im Krankheitsverlauf zu erwarten. Die Patientengruppen in den entsprechenden Studien wiesen noch keine weit fortgeschrittenen morphologischen Gelenkveränderungen auf.
Physikalische Therapie
Für physikalische Therapieoptionen formuliert der Bericht folgende Erkenntnisse zur Symptomlinderung nach 3 Monaten:
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Eine dreiwöchige Balneotherapie (Schwefelbäder) liefert einen Anhaltspunkt für einen Nutzen bezüglich der Reduktion von subjektiver Hüftsteifigkeit.
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Für kontinuierlichen Ultraschall gibt es Anhaltspunkte für eine Schmerzlinderung, die Gesamtevidenz wird jedoch als uneindeutig bewertet.
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Für andere Ultraschallanwendungen können keine Anhaltspunkte für einen Nutzen abgeleitet werden.
Multimodale Therapie
Bei der Kombination aus multifunktionellen Übungen und manueller Therapie stellt der Bericht ein ungünstiges Nutzen-Schaden-Verhältnis fest. Es zeigt sich ein Hinweis auf einen höheren Schaden durch ein statistisch signifikant höheres Risiko für unerwünschte Ereignisse.
Diese unerwünschten Ereignisse umfassen vor allem Schmerzen im Hüftbereich und in anderen Körperregionen. Es wurden jedoch keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse dokumentiert.
Vergleich der Interventionsarten
Der Bericht kategorisiert die untersuchten Maßnahmen und bewertet deren Evidenz wie folgt:
| Interventionstyp | Beispiele | Evidenz bezüglich Hüft-TEP-Verzögerung | Evidenz bezüglich Symptomkontrolle |
|---|---|---|---|
| Aktive Interventionen | Kraft-, Ausdauer-, Beweglichkeitstraining | Hinweis auf Nutzen (nach 2,5 & 4,8 Jahren) | Keine relevanten Effekte nachgewiesen |
| Physikalische Interventionen | Balneotherapie, Ultraschall | Keine Daten | Anhaltspunkt für Nutzen (Balneotherapie bei Steifigkeit) |
| Multimodale Interventionen | Übungen + Manuelle Therapie | Keine Daten | Hinweis auf Schaden (vermehrte Schmerzen) |
| Passive Interventionen | Isolierte Manuelle Therapie | Keine Daten | Keine auswertbaren Studien |
Gesundheitsökonomie & Versorgung
Der Bericht betont die Wichtigkeit der gemeinsamen Entscheidungsfindung und der umfassenden ärztlichen Aufklärung. Es wird darauf hingewiesen, dass gesetzlich Versicherte vor einer Hüft-TEP das Recht auf eine ärztliche Zweitmeinung haben.
Um das notwendige individualisierte Behandlungsvolumen zu erreichen, wird eine breitere Nutzung der ärztlichen Blankoverordnung für Physiotherapie im Versorgungsalltag als sinnvoll erachtet.
Kontraindikationen
Der Bericht formuliert einen Warnhinweis bezüglich multimodaler Programme, die multifunktionelle Übungen mit manueller Therapie kombinieren. Hierbei wurde ein Hinweis auf einen höheren Schaden infolge eines erhöhten Risikos für unerwünschte Ereignisse (insbesondere Schmerzen im Hüftbereich) festgestellt.
💡Praxis-Tipp
Der Bericht hebt hervor, dass physiotherapeutische Übungsprogramme zur Verzögerung einer Gelenkersatzoperation besonders in frühen Krankheitsstadien effektiv sind. Es wird angeraten, diese konservativen Maßnahmen konsequent auszuschöpfen, bevor fortgeschrittene morphologische Gelenkveränderungen eintreten. Zudem wird auf die Möglichkeit der ärztlichen Blankoverordnung verwiesen, um ein ausreichendes, individualisiertes Therapievolumen zu gewährleisten.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht gibt es Hinweise, dass aktive Übungsprogramme das Risiko für einen Hüftgelenkersatz nach 2,5 und 4,8 Jahren reduzieren können. Dies gilt insbesondere, wenn die Therapie in einem frühen Krankheitsstadium begonnen wird.
Der Bericht stellt den größten Nutzen für physiotherapeutisch angeleitete aktive Übungen zum Training von Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit fest. Für isolierte manuelle Therapie oder bestimmte physikalische Maßnahmen ist die Evidenzlage hingegen schwach oder uneindeutig.
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten im Rahmen der Heilmittel-Richtlinie. Der Bericht weist jedoch darauf hin, dass das für einen optimalen Effekt nötige Trainingsvolumen oft über die üblichen Verordnungsmengen hinausgeht, weshalb ärztliche Blankoverordnungen sinnvoll sein können.
Ja, der Bericht betont, dass gesetzlich Versicherte bei einer empfohlenen Hüftgelenksersatzoperation das Recht auf ein strukturiertes Zweitmeinungsverfahren haben. Dabei wird geprüft, ob die Operation medizinisch notwendig ist oder konservative Alternativen bestehen.
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Quelle: IQWiG HT22-03: Hüftarthrose: Kann Physiotherapie eine Operation verzögern oder vermeiden? (IQWiG, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.