Kinderzukunftsprogramm: Stellungnahme der DGKJ
Hintergrund
Die Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) aus dem Jahr 2026 bewertet politische Maßnahmen zur Förderung von Kindern und Jugendlichen. Dabei wird betont, dass Investitionen in den ersten Lebensjahren die größten individuellen und volkswirtschaftlichen Effekte erzielen.
Laut Fachgesellschaft ist die primäre Prävention am effektivsten. Dabei zeigt die Verhältnisprävention, also die positive Veränderung der Lebenswelten, eine größere Wirkung als die an das Individuum gerichtete Verhaltensprävention.
Es wird hervorgehoben, dass nahezu alle Entwicklungsaspekte durch sozioökonomische Rahmenbedingungen beeinflusst werden. Die Stellungnahme fordert daher ein enges Ineinandergreifen von Familien-, Bildungs-, Sozial- und Gesundheitspolitik.
Empfehlungen
Die Stellungnahme formuliert zentrale Positionen zu präventiven und strukturellen Maßnahmen in der Kinder- und Jugendmedizin.
Frühe Hilfen und Diagnostik
Es wird empfohlen, die Angebote der Frühen Hilfen, die bislang auf Kinder unter drei Jahren begrenzt sind, auf das Alter bis zu sechs Jahren auszuweiten. Zudem wird eine Überführung der oft projektbezogenen Gelder in eine institutionelle Finanzierung gefordert.
Hinsichtlich der Entwicklungsdiagnostik spricht sich die Fachgesellschaft gegen den Aufbau neuer Strukturen aus. Stattdessen wird eine Stärkung bestehender Systeme befürwortet:
-
Nutzung der etablierten Vorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen), die über 98 Prozent der Kinder erreichen.
-
Förderung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes zum Ausbau der Schuleingangsuntersuchungen (SEU).
-
Bei spezifischem Förderbedarf wird die Weiterleitung an Sozialpädiatrische Zentren (SPZ) empfohlen, wobei auf die aktuell langen Wartezeiten hingewiesen wird.
Bildung und Betreuung
Die Bereitstellung von Kindertagesbetreuungsplätzen für alle Familien, insbesondere für sozial benachteiligte, wird als essenziell erachtet. Eine verpflichtende Vorschulförderung wird ohne entsprechende Finanzierung und Personal kritisch gesehen.
Für die Sprachentwicklung wird eine spielerische Förderung in allen Kita-Programmen unterstützt. Bei individuellen Sprachstörungen liegt es laut Stellungnahme in der Verantwortung der Kinder- und Jugendmedizin, eine Weiterleitung zur logopädischen, phoniatrischen oder pädaudiologischen Behandlung zu veranlassen.
Umgang mit digitalen Medien
Die Fachgesellschaft lehnt einen unkritischen, möglichst frühen Einsatz digitaler Bildung ab. Basierend auf bestehenden Leitlinien werden folgende Grundsätze betont:
-
Für Kinder und Jugendliche gilt im Allgemeinen: Je weniger Bildschirmzeit, desto besser.
-
Es wird das Prinzip „Bildschirmfrei bis 3“ (Jahre) unterstützt.
-
Die Nutzung digitaler Medien sollte erst in der Grundschule beginnen.
Soziale Unterstützung und Vernetzung
Zur Bekämpfung der Kinderarmut wird die Ausgabe von bargeldlosen Leistungen befürwortet. Dazu zählen Gutscheine für kindzentrierte Sachleistungen wie Sportvereine oder Schwimmbadbesuche, um sicherzustellen, dass die Unterstützung direkt den Kindern zugutekommt.
Zudem wird die Einführung von Familienlotsen für schwer erreichbare Familien unterstützt. Diese sollen analog zu Babylotsendiensten kompetent über regionale Angebote informieren, ohne selbst für die operative Umsetzung verantwortlich zu sein.
💡Praxis-Tipp
Bei der Beratung von Eltern zum Medienkonsum wird ein strikter Ansatz empfohlen, der eine bildschirmfreie Zeit bis zum vollendeten dritten Lebensjahr vorsieht. Zudem weist die Fachgesellschaft darauf hin, dass bei festgestelltem Förderbedarf im Rahmen der U-Untersuchungen zwar eine Überweisung an ein Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ) indiziert ist, hierbei jedoch mit mehrmonatigen Wartezeiten auf einen Therapieplatz gerechnet werden muss.
Häufig gestellte Fragen
Laut Stellungnahme sollte die Nutzung digitaler Medien erst in der Grundschule beginnen. Für Kinder unter drei Jahren wird eine komplett bildschirmfreie Zeit empfohlen.
Die Fachgesellschaft empfiehlt die Nutzung der etablierten U-Untersuchungen in der pädiatrischen Praxis sowie der Schuleingangsuntersuchungen. Der Aufbau neuer, paralleler Diagnostik-Strukturen wird ausdrücklich abgelehnt.
Bei einem spezifischen Förderbedarf wird die Weiterleitung an ein SPZ zur detaillierten Diagnostik und Therapieplanung empfohlen. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass die Wartezeiten auf einen Therapieplatz oft mehrere Monate betragen.
Eine spielerische Sprachförderung sollte standardmäßig in allen Kitas erfolgen. Bei spezifischen Sprachstörungen wird eine gezielte Weiterleitung zur logopädischen oder pädaudiologischen Behandlung durch die pädiatrische Praxis empfohlen.
Es wird der Einsatz von Familienlotsen befürwortet, die analog zu Babylotsendiensten arbeiten. Diese sollen Familien niederschwellig über lokale Hilfsangebote informieren und Wege im Sozialraum aufzeigen.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: DGKJ: Zur öffentlichen Anhörung im Familienausschuss zu „Kinderzukunftsprogramm starten und mit zehn Maßnahmen zum Erfolg führen“ (DGKJ, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.