DGIM Klug entscheiden: Leitlinie Infektiologie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: DGIM|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die Initiative "Klug entscheiden" der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) formuliert evidenzbasierte Empfehlungen zu diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen in der Infektiologie. Laut Leitlinie zielen diese Empfehlungen darauf ab, Über- und Unterversorgung zu vermeiden, die Resistenzentwicklung bei Antibiotika einzudämmen und die Patientensicherheit zu erhöhen. Die Leitlinie umfasst sowohl Positiv-Empfehlungen (Maßnahmen, die durchgeführt werden sollen) als auch Negativ-Empfehlungen (Maßnahmen, die unterlassen werden sollen).

Empfehlungen

Diagnostik und Blutkulturen Die DGIM empfiehlt, bei Verdacht auf schwere Infektionen (wie Sepsis oder Pneumonie) mindestens zwei Blutkultur-Paare vor der Antibiotikagabe abzunehmen. Laut Leitlinie ist ein zeitlicher Abstand zwischen den Abnahmen nicht erforderlich. Bei Verdacht auf Endokarditis wird die Abnahme von drei Paaren angeraten. Die Leitlinie warnt zudem davor, Antibiotika allein aufgrund isoliert erhöhter Entzündungswerte (wie CRP oder Procalcitonin) ohne spezifische klinische Symptomatik zu verabreichen.

Antibiotika Stewardship und Therapieoptimierung Gemäß der Initiative soll eine anamnestisch angegebene Penicillinallergie vor einer Antibiotikatherapie evaluiert werden (z. B. mittels PEN-FAST Score), um den unnötigen Einsatz von Zweitlinienantibiotika zu vermeiden. Die Leitlinie fordert, bei schweren bakteriellen Infektionen rasch Antibiotika nach der Probenasservierung zu verabreichen und das Regime regelmäßig zu reevaluieren. Bei fehlender klinischer Kontraindikation wird eine zeitnahe Umstellung auf eine orale antibiotische Sequenztherapie empfohlen.

Spezifische Infektionsbilder

Meningitis

Laut DGIM soll bei Verdacht auf bakterielle Meningitis nach der Blutkulturentnahme und noch vor einer eventuellen Bildgebung Dexamethason und Antibiotika verabreicht werden. Auf ein CT vor der Lumbalpunktion soll gemäß Leitlinie verzichtet werden, sofern keine spezifischen Warnsymptome (z. B. fokale Neurologie, GCS < 10, intensive Immunsuppression) vorliegen.

Pneumonie

Die Leitlinie rät, Patienten in der Notaufnahme in ambulant erworben (CAP), nosokomial erworben (HAP) oder unter Immunsuppression erworben einzuteilen. Bei schwerer CAP wird der unverzügliche Beginn einer Kombinationstherapie (Breitspektrum-β-Laktam plus Makrolid) empfohlen.

Blutstrominfektionen

Bei Nachweis von Candida spp. oder S. aureus in der Blutkultur fordert die Leitlinie eine konsequente Diagnostik (inklusive Echokardiografie), Fokussuche und ausreichend lange Therapie.

Negativ-Empfehlungen (Was unterlassen werden soll)

  • Laut DGIM sollen unkomplizierte obere Atemwegsinfektionen nicht mit Antibiotika behandelt werden.
  • Die Leitlinie rät davon ab, eine asymptomatische Bakteriurie antibiotisch zu behandeln (Ausnahme: urologische Eingriffe mit Schleimhautverletzung).
  • Es wird empfohlen, keine oberflächlichen Wundabstriche ohne klinische Infektionszeichen zu entnehmen.
  • Der isolierte Nachweis von Candida im Trachealsekret oder Stuhl stellt laut Leitlinie keine Indikation für Antimykotika dar, da es sich um eine Besiedlung handelt.
  • Eine perioperative Antibiotikaprophylaxe soll laut Empfehlung nicht über 24 Stunden hinaus verlängert werden.

Impfempfehlungen Die Leitlinie verweist auf die konsequente Umsetzung von Impfungen. Es wird eine Pneumokokkenimpfung (PCV20) für Risikopatienten und Personen über 60 Jahre empfohlen. Ebenso rät die DGIM zur Influenzaimpfung für Risikogruppen und zur Masernimpfung für Kinder sowie unvollständig geimpfte Erwachsene, die nach 1970 geboren wurden.

Kontraindikationen

Rifampicin und Medikamenteninteraktionen Laut DGIM-Leitlinie interagiert Rifampicin mit zahlreichen Medikamenten, da es ein potenter Induktor für CYP-Isoenzyme ist. Die Leitlinie formuliert eine klare Kontraindikation für die gleichzeitige Verabreichung von Rifampicin und Nicht-Vitamin-K-abhängigen oralen Antikoagulanzien (NOAKs). Es wird dringend empfohlen, vor der Gabe von Rifampicin immer einen Interaktionscheck durchzuführen, da auch die Plasmaspiegel von Immunsuppressiva, Psychopharmaka und Kontrazeptiva relevant sinken können.

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💡Praxis-Tipp

Laut DGIM-Initiative ist bei einer S. aureus- oder Candida-Blutstrominfektion auch eine einzelne positive Blutkultur immer als relevant zu bewerten und erfordert eine konsequente Fokussuche, wie beispielsweise die Durchführung einer Echokardiografie.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie ist ein CT nur bei fokalen neurologischen Symptomen, neu aufgetretenen epileptischen Anfällen, einem GCS unter 10 oder bei intensiver Immunsuppression indiziert.

Die DGIM rät davon ab, Abstriche von chronischen Wunden ohne klinische Infektionszeichen (wie Rötung, Schmerz, Eiter) zu entnehmen, da diese meist nur die harmlose Hautflora abbilden.

Gemäß der Empfehlung soll eine asymptomatische Bakteriurie grundsätzlich nicht antibiotisch behandelt werden. Eine Ausnahme bilden laut Leitlinie urologische Eingriffe mit Schleimhautverletzung.

Die Leitlinie verweist auf die STIKO-Empfehlung, wonach Personen über 60 Jahre sowie Patienten mit Immunsuppression oder chronischen Erkrankungen geimpft werden sollen.

Laut DGIM soll bei fehlender klinischer Kontraindikation und klinischer Stabilisierung regelhaft geprüft werden, ob auf orale Antibiotika mit guter Bioverfügbarkeit umgestellt werden kann, um infusionsbedingte Risiken zu senken.

Quelle: DGIM Klug entscheiden: Infektiologie (20 Empfehlungen) (DGIM). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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